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Shopping in Rostock: Weihnachtszeit ist Hochbetrieb für den Einzelhandel.

Handel

Endspurt im Weihnachtsgeschäft

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Das Geschäft mit den Geschenken brummt: Rund 280 Euro gibt jeder Deutsche im Durchschnitt aus.

Die Verbraucher haben dann doch noch einen beherztes Finale im Weihnachtsgeschäft hingelegt. In den Tagen vor dem vierten Advent habe das bisher eher ruhige Weihnachtsgeschäft deutlich angezogen, so der Handelsverband HDE. „Das Geschäft verlief spürbar besser als in den beiden Vorwochen“, sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth am Sonntag. Besonders in den Metropolen sei es lebhafter zugegangen. Gefragt waren Spielzeug, Haushaltswaren, Kosmetik, Bücher, Schmuck sowie Uhren – und natürlich Gutscheine.

Dennoch: Nur jeder dritte Händler in den Innenstädten zeigte sich mit den Umsätzen zufrieden. Und Ladenbesitzer in kleineren Städten hätten häufig mit schwachen Besucherfrequenzen zu kämpfen gehabt, so der HDE. Einigermaßen günstig liefen hingegen die Geschäfte in den Verbrauchermärkten und Einkaufszentren draußen vor den Städten, die mit dem Auto erreicht werden können.

Zu dieser eher durchwachsenen Bilanz des Weihnachtsgeschäfts für den stationären Handel passt, dass Fachmärkte und Fachgeschäfte zwar generell die Hauptanlaufstelle für die Konsumenten im Weihnachtsgeschäft bleiben – die Prüf- und Beratungsgesellschaft EY prognostiziert, dass dort fast ein Drittel der Geschenkbudgets ausgegeben wird. Aber die Experten gehen auch davon aus, dass die durchschnittliche Pro-Kopf-Summe von 96 auf 91 Euro schrumpft.

Vor allem die Modebranche hatte in den vergangenen Wochen einen schweren Stand, auch wegen der ungewöhnlich milden Temperaturen: Denn zehn bis 15 Grad ermunterten nicht gerade, warme Mäntel und kuschelige Pullover zu kaufen. Doch das Wetter ist nicht an allem schuld. Der gesamte stationäre Einzelhandel in den Städten spürt massiv die weiter wachsende Konkurrenz des Internets.

Der HDE geht davon aus, dass im Weihnachtsgeschäft mittels Web ein Umsatz von 13,5 Milliarden Euro gemacht wird, was einem Zuwachs von etwa zehn Prozent und einem Anteil an den Gesamteinnahmen von 14 Prozent entsprechen würde. Auch EY kalkuliert, dass das durchschnittliche Budget für den Einkauf per Mausklick vor dem Fest auf 88 Euro pro Kopf klettert – nach 56 Euro im Vorjahr. Die wachsende E-Commerce-Konkurrenz hat zudem den Effekt, dass die Preistransparenz steigt und stationäre Händler ihre Artikel verbilligen müssen, um mithalten zu können – das drückt die Einnahmen weiter.

Hinzu kommt: Die Nachfrage der Kundschaft verschiebt sich. Mehrere Studien zeigen, dass die Budgets etwa für Schuhe und Bekleidung generell sinken, dass überdies Marken vielfach an Bedeutung verlieren. „Der Modemarkt ist weitgehend gesättigt, die Kleiderschränke sind voll“, sagt EY-Experte Thomas Harms. Stattdessen gewinnen Events, Veranstaltungen und Reisen besonders für die Jüngeren an Bedeutung – und werden auch verstärkt an Weihnachten verschenkt. Hier schnellen die Ausgaben laut EY von 19 auf 42 Euro in die Höhe – so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage. Und bei dieser Form von Präsenten hätten eindeutig Internet-Anbieter die Nase vorn, erläutert Harms.

Aber: Gutscheine und Geld sind nach wie vor die beliebtesten Präsente zum Fest. Der Grund: Vielen Schenkern mangele es an Ideen für ihre Lieben, was auch an den divergierenden Interessen von Älteren und Jüngeren liege. Letztere, so der EY-Experte, hätten eine hohe Affinität zu digitalen Medien – und Onlineshops für Games, Musik oder Film bieten sich zum Einlösen von Vouchers an.

Gleichwohl können Gutscheine und Geld eine tröstende Wirkung auf enttäuschte Ladenbesitzer entfalten. Denn dies bedeutet: Nach d

em Weihnachtsgeschäft ist vor dem Weihnachtsgeschäft, das inzwischen bis tief in den Januar hinein reicht. Wenn es dann doch noch knackig kalt wird, könnte es auch Modehändlern noch warm ums Herz werden.

So rechnen denn auch HDE und andere Konsumforscher damit, dass 2018/2019 rund ums Fest unter dem Strich doch noch höhere Umsätze zu Buche schlagen. Der HDE erwartet, dass die Einnahmen des Einzelhandels im November und Dezember erstmals über die Marke von 100 Milliarden Euro hüpfen (plus zwei Prozent). EY geht sogar davon aus, dass für Präsente sechs Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr ausgegeben werden. Das entspricht rund 280 Euro pro Kopf. Als Gründe für die Großzügigkeit wird allenthalben die florierende Wirtschaft, die damit einhergehende geringe Arbeitslosigkeit nebst steigender Löhne genannt.

Und noch sind sich die Experten einig, dass die gute Kauflaune der Konsumenten im neuen Jahr anhalten wird. So prognostiziert die Marktforschungsfirma GfK, dass die Kaufkraft der Deutschen 2019 pro Kopf nominal im Schnitt um etwa 760 Euro auf ungefähr 23 780 Euro ansteigen wird.

Allerdings haben die GfK-Experten in ihrem kurz vor Weihnachten veröffentlichten Konsumklimaindex auch einen schwindenden „Konjunkturoptimismus“ diagnostiziert, und zwar im dritten Monat in Folge. Interviews mit rund 2000 Verbrauchern haben zudem gezeigt, dass die sogenannte „Anschaffungsneigung“ weiter zurückgeht – das ist die Bereitschaft zu größeren Ausgaben für langlebige Produkte. Das alles könnten erste Anzeichen dafür sein, dass die Stimmung der Verbraucher kippt.

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