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Insbesondere Dieselabgase führen zu hohen Schadstoffbelastungen in Großstädten.

Abgasskandal

Endlich ein Plan für den Diesel

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Nach Jahren des Zögerns und Zauderns zeichnet sich eine Lösung für Besitzer von Diesel-Pkw ab. Die Regierung will mit einem Mehrpunkteplan das Problem aus der Welt schaffen.

Drei Jahre ist es her, dass der Volkswagenkonzern einräumen musste, weltweit an Millionen von Diesel-Fahrzeugen systematisch die Systeme zur Abgasreinigung manipuliert zu haben. Seitdem ist die gesamte Autobranche in der Defensive, auch andere Hersteller müssen sich längst wegen überhöhter Stickoxid-Emissionen rechtfertigen. Die Kunden gucken in die Röhre. Ihre Autos haben an Wert verloren – und in immer mehr Städten des Landes drohen wegen der schlechten Luftqualität Fahrverbote für alte Diesel-Stinker.

Nun zeichnet sich ab, wie Politik und Autohersteller Abhilfe schaffen wollen. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) möchte die Konzerne offenbar zu Rückkäufen und Umtauschprämien animieren, um den Fahrzeugbestand möglichst schnell zu modernisieren. Vorgesehen ist auch eine groß angelegte Aktion zur Hardware-Umrüstung. Dabei wird offenbar auch erwogen, die Autobesitzer an den Kosten zu beteiligen. 

Diesel-Pkw: Gleich mehrere Szenarien stehen zur Wahl 

Wie der „Spiegel“ am Dienstag unter Berufung auf ein internes Papier aus dem Verkehrsministerium berichtete, schwebt der Regierung ein umfangreiches Rückkaufprogramm für alte Diesel der Euro-Norm 4 und 5 vor. Bei der Berechnung des Rückkaufpreises solle der Zeitwert des Autos ersetzt werden – plus eines Ausgleichs in Höhe von 20 Prozent für den Wertverlust des Fahrzeugs infolge der Dieselkrise. Allerdings soll es dieses Angebot nicht im ganzen Land geben, sondern nur in jenen Ballungsräumen, in denen die Stickoxid-Belastung besonders hoch ist.

Eine weitere Option soll eine neue Umtauschaktion alter Dieselfahrzeuge gegen neue, schadstoffarme Autos sein. Für die genaue Ausgestaltung wären die Hersteller verantwortlich. Wer sein Auto behalten möchte, könnte unter Umständen auch eine Hardware-Nachrüstung ins Auge fassen: Für den nachträglichen Einbau eines Stickoxid-Filters sollen die Hersteller einen Zuschuss in Höhe von 80 Prozent der Kosten zahlen. Bei geschätzten Einbaukosten von 3000 Euro pro Auto müssten die Besitzer dann also 600 Euro selbst tragen. Auch dieser Ansatz käme allerdings nur in Ballungsräumen zum Tragen, in denen die Luftqualität besonders schlecht ist.

Verkehrsminister Scheuer und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten sich am vergangenen Sonntag mit den Chefs der drei deutschen Autokonzerne VW, Daimler und BMW getroffen. Am Dienstag rückte der Minister offenbar schon wieder von der Idee einer Kostenbeteiligung der Kunden ab: „Meine Priorität 1 bleibt, dass die Diesel-Besitzer ihr altes Auto in ein sauberes Fahrzeug tauschen können. Bei möglichen Hardware-Nachrüstungen für deutsche Diesel ist mein Ziel, die Selbstbeteiligung der Halter auf null zu setzen.“

Nachrüstung: Warum sollen Verbraucher für Betrug zahlen? 

Die Verbraucherzentralen laufen bereits Sturm gegen eine mögliche Beteiligung der Autobesitzer an den Nachrüstkosten. „Es ist richtig, dass es endlich ein Konzept zur Hardware-Nachrüstung für vom Fahrverbot Betroffene geben soll. Und es ist nur konsequent, dass die Autohersteller den Großteil der Kosten tragen“, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller. Er ergänzte: „Es ist bitter und unverschämt, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher, denen nichts vorzuwerfen ist, 300 bis 600 Euro tragen sollen. Hier erwarten wir ein Machtwort der Kanzlerin.“

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