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Schauen, ja - aber auch kaufen? Viele Japaner:innen halten sich mit größeren Investitionen zurück.
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Schauen, ja - aber auch kaufen? Viele Japaner:innen halten sich mit größeren Investitionen zurück.

Japan

Endlich Inflation?

  • VonFelix Lill
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Während das Leben in vielen Staaten teurer wird, kämpft Japan mit anderen Problemen: Das Industrieland mit seiner überalterten Bevölkerung wartet seit Jahren auf steigende Löhne, die Preissprünge verkraften könnten.

Die Nachricht ließ ganz Japan aufhorchen: Um 9,0 Prozent ist der Großhandelsverkaufs-Preisindex im November im Vergleich zum Vorjahreswert gestiegen, die neunte monatliche Zunahme in Folge. Verantwortlich hierfür sind einerseits steigende Rohstoffpreise, andererseits der relativ schwache Yen, der Importe nach Japan teurer macht. Und gleich stellte sich die Frage: Kommt in Japan jetzt für Konsumenten die Inflation?

Anderswo auf der Welt ist dies längst eine Tatsache. Diverse große Volkswirtschaften der Welt erleben derzeit deutliche Preissprünge. Die USA vermeldeten zuletzt eine Preissteigerung von 6,8 Prozent, Deutschland rund fünf Prozent. Der Durchschnittswert für die EU beträgt 4,1 Prozent, in Südkorea sind es knapp vier Prozent. Das ist auch nicht weiter verwunderlich: Nach den Lockdowns läuft die Weltwirtschaft wieder heiß, die hohen Ölpreise und auch Engpässe globaler Lieferketten haben ebenfalls ihren Anteil.

Japan: „Verlorene Dekaden“

Japan aber, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, hat bisher eine andere Erfahrung gemacht. Die derzeit neuesten verfügbaren Statistiken für Konsumgüterpreise in dem ostasiatischen Land zeigen für Oktober einen Anstieg von nur 0,1 Prozent. Auch im September waren es lediglich 0,1 Prozent, davor waren die Werte rund ein Jahr lang leicht negativ gewesen. Und das ist in Japan nichts Neues. Seit rund drei Jahrzehnten erlebt das Land immer wieder Phasen leichter Deflation.

Ihren Beginn hat Japans Ära nicht steigender Preise am Anfang des Jahres 1990, als die Zentralbank durch eine plötzliche Leitzinsanhebung eine riesige Spekulationsblase platzen ließ und die bis dahin boomende Volkswirtschaft in eine lange Stagnation schickte. Die folgenden mittlerweile drei Jahrzehnte, in denen Japan kaum noch Wirtschaftswachstum verzeichnete, werden oft als „verlorene Dekaden“ bezeichnet.

Das Ausbleiben von Wachstum wird häufig als massenpsychologisches Problem interpretiert: Nach Jahren der Stagnation hörten Unternehmen und Haushalte allmählich auf, noch an einen neuerlichen Aufschwung zu glauben, weshalb man sich mit Investitionen und intensivem Konsum zurückhielt. Daraus resultierten fallende Preise. Während die in Umfragen gemessene Erwartung an künftige Aufschwünge in der japanischen Bevölkerung tatsächlich eher niedrig ist, sind allerdings auch andere Faktoren im Spiel.

Japan: Reallöhne wachsen seit Jahren kaum

Einer ist die seit Jahrzehnten alternde und schrumpfende Bevölkerung, getrieben durch geringe Geburtenraten, steigende Lebenserwartung und ein Ausbleiben nennenswerter Immigration. So mangelt es im Land an Produzent:innen und Konsument:innen. Hinzu kommt, dass die Reallöhne in Japan seit Jahren kaum wachsen, die Sparquote zudem über Jahre nahe Null gewesen ist. Erst 2020, maßgeblich durch den Wegfall von Urlaubsreisen inmitten der Pandemie, konnten die Haushalte wieder durchschnittlich 11,4 Prozent ihrer Einkommen zurücklegen – der höchste Wert seit 1994.

Weil mit einer Teuerung auch eine wachsende Wirtschaft assoziiert wird, haben sich japanische Politiker und Notenbanker immer wieder darin versucht, die Preise steigen zu lassen. Shinzo Abe, der von 2012 bis 2020 das Land regierte, machte einst mit dem Versprechen Wahlkampf, Japans Deflation den Kampf anzusagen. Der von Abe dann angeheuerte Zentralbankchef Haruhiko Kuroda machte die ohnehin schon lockere Geldpolitik noch lockerer. Aber dennoch stiegen die Konsumgüterpreise nur phasenhaft.

Teuerung in Japan

Das liegt wohl auch daran, dass bei Abes „Trickle-down“-Politik die Reallöhne kaum stiegen. Als nun die so stark steigenden Preise für den Großhandel verkündet wurden, wurde daher auch gleich gewarnt. „Das kann den Konsum drücken“, sagte Takeshi Minami, Chefökonom am Norinchukin Research Institute, gegenüber Reuters. Und damit dies wiederum nicht geschieht, macht Japans Regierung, die sich eigentlich steigende Preise wünscht, mittlerweile auch indirekt Politik für fallende Preise.

Japan: Konjunkturpaket soll private Haushalte stützen

So sorgte Yoshihide Suga, der im vergangenen Jahr auf Shinzo Abe als Premierminister folgte, mit einem Gesetz für sinkende Gebühren auf dem Markt für Datenkonsum bei Smartphones und Handys. Diese Maßnahme ist ein Grund dafür, dass sich die Preissprünge im Großhandel Japans zumindest bisher nicht im Konsumgüter-Preisindex widerspiegeln, also in Preisen für die Konsument:innen. Ein weiterer Grund ist, dass sich Unternehmen mittlerweile davor hüten, gestiegene Kosten auf Endverbraucher und -verbraucherinnen abzuwälzen.

Nun aber bestehen einmal mehr leise Hoffnungen, dass wieder andere Zeiten bevorstehen. Der seit kurzem regierende Premierminister Fumio Kishida hat im vergangenen Monat ein Konjunkturpaket in Höhe von 55,7 Billionen Yen (rund 435 Milliarden Euro) angekündigt - das ist etwa so viel wie die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung Österreichs. Insbesondere private Haushalte sollen hierdurch gestützt werden.

Die Idee dahinter: Die Menschen sollen wieder mehr Geld zur Verfügung haben. Dann wären auch Preissprünge womöglich zu verkraften.

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