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Die Hoffnungen des iPhone-Konzerns ruhen nun auch auf der Apple Watch.

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Im wichtigen Weihnachtsquartal verfehlt der Computerkonzern Apple seine Prognose. Das Smartphone-Geschäft insgesamt steht vor einem Wandel - nicht nur bei iPhones.

Das passierte zuletzt vor zwei Jahrzehnten. Apple hat seine Umsatzprognose für das zurückliegende Quartal nach unten revidiert – und zwar drastisch. Die Nachricht hat ein kleines Beben an den Finanzmärkten ausgelöst, das auch an der Frankfurter Börse zu spüren war. Investoren werteten die Ansage von Apple-Chef Tim Cook als Zeichen für eine flaue Konjunktur und als Hinweis auf harte Zeiten für Hightech-Firmen.

Der weltgrößte Computerkonzern erwartet für die Monate von Anfang Oktober bis Ende Dezember nur noch Einnahmen von 84 Milliarden Dollar. Zuvor war mit 89 bis 93 Milliarden kalkuliert worden. Analysten hatten in der Mehrheit um die 91 Milliarden prognostiziert und lagen damit heftig daneben.

Cook schreibt in einem Brief an die Beschäftigten, Ursache für den Rückschlag seien schwache iPhone-Verkäufe vor allem in China. Externe Faktoren seien ein Grund für die Verwerfungen. Doch der Vorstand werde sie nicht als Vorwand für Entschuldigungen nutzen. Es komme nun darauf an, zu lernen und Schlussfolgerungen zu ziehen und sich auf die Stärken von Apple zu fokussieren.

Die Stärke ist aber das iPhone, das für gut 60 Prozent der Umsätze steht. Zum Weihnachtsgeschäft brachte der Konzern eine neue Generation von Geräten auf den Markt, die noch einmal deutlich teurer waren als ihre Vorgänger. Der Einstiegspreis liegt hierzulande bei 849 Euro für das iPhone XR, und es geht bis hin zu 1649 Euro für das iPhone XS Max. Im vergangenen Jahr feierte Apple im Weihnachtsgeschäft mit einer Hochpreisstrategie noch einmal große Erfolge – und die drei Monate am Ende des Jahres waren auch davor immer die Zeit, da Apple neue Rekorde feierte. Diese Serie ist nun gerissen.

Es könnte eine historische Trendwende nicht nur für das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino, sondern für die gesamte Branche bedeuten. Cook betonte indes, dass Apple in China unter der Abschwächung der Kauflaune gelitten habe, was auch mit dem Handelskrieg mit den USA zu tun habe. Zugleich seien allenthalben die Subventionen der Mobilfunkanbieter geschrumpft. Deshalb hätten die Kunden vielfach ihre alten Geräte behalten. Dieses Beharrungsvermögen kam auch zum Tragen, weil der Konzern eine Kampagne mit einem günstigen Batterieaustausch gestartet hatte, um Nutzer mit älteren iPhones zu besänftigen – für viel Ärger hatte gesorgt, dass Apple die Leistung von Geräten gedrosselt hatte, um ein Nachlassen von Akkus zu kompensieren.

Analysten revidierten am Donnerstag ihre Geschäftsprognosen massiv. Die Aktie des Unternehmens ging im frühen New Yorker Handel massiv in die Knie. Viele Beobachter glauben, dass Apple es diesmal mit den Preisen überzogen hat – zumal die technischen Verbesserungen der neuen Geräte im Vergleich zu ihren Vorgängern überschaubar sind.

Walter Piecyk vom Investmenthaus BTIC geht davon aus, dass der iPhone-Absatz im Weihnachtsquartal um rund 18 Prozent auf 64 Millionen Stück weltweit eingebrochen ist. Einen Rückgang in der gleichen Größenordnung erwartet er für die ersten drei Monate von 2019. Und er spekuliert, dass der Gesamtumsatz des Konzerns im aktuellen Geschäftsjahr stagniert. All das hat es seit der Präsentation des ersten iPhones durch den verstorbenen Apple-Chef Steve Jobs im Jahr 2007 nicht mehr gegeben.

Die Experten von Goldman Sachs betonten, die Zahlen zeigten, dass generell die Bereitschaft der Kunden schrumpfe, alte iPhones gegen neue einzutauschen. Dies sei ein Zeichen dafür, dass das Nobel-Smartphone sich seiner maximalen Marktdurchdringung nähere. Die Nachfrageschwäche werde den Absatz der Geräte in diesem Geschäftsjahr massiv drücken, prognostizieren die Analysten von Merrill Lynch.

Vieles deutet auf strukturelle Veränderungen im Smartphone-Geschäft hin. Diese waren nach den Analysen der US-Marktforschungs- und Beratungsfirma Gartner schon im dritten Quartal 2018 erkennbar. Die etablierten Anbieter haben massiv an Boden verloren. Das nur noch schwache weltweite Absatzwachstum von 1,4 Prozent auf 389 Millionen veräußerte Geräte wurde fast ausschließlich von den chinesischen Handy-Herstellern Huawei und Xiaomi getragen. Ansonsten wäre der Absatz um gut fünf Prozent geschrumpft.

Apple konnte sich seinerzeit noch einigermaßen behaupten. Samsung aber musste ein Minus von 14 Prozent bei den verkauften Smartphones hinnehmen. Hauptgrund war, dass die neueste Generation der Nobel-Handys Galaxy S9 und Note 9 bei der Kundschaft nicht ankam. Auch da dürften die relativ hohen Preise eine wichtige Rolle gespielt haben. Huawei und Xiaomi bringen jedenfalls längst nicht mehr nur auf ihrem Heimatmarkt leistungsstarke Handys zu günstigen Preisen heraus. Die beiden Anbieter sind vor allem in asiatischen Schwellenländern erfolgreich. Dort wachsen die Marktanteile der Hersteller aus der Volksrepublik rasant.

Doch nicht nur dort tut sich was. Apple-Chef Cook räumt ein, dass es beim iPhone-Absatz auch in entwickelten Staaten Einbußen gegeben habe. Details nannte er nicht. Einiges spricht indes dafür, dass der Prestigefaktor, das neueste iPhone zu besitzen, stark nachgelassen hat, was die These von Marktforschern stützt, die von einer Commoditization sprechen. Das bedeutet: Smartphones werden zu gewöhnlichen Alltagsgegenständen, für die der Preis das mit Abstand wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist. Personal Computer haben diese Entwicklung bereits hinter sich.

Tritt all dies ein, würde das für Apple einen grundlegenden Wandel des Geschäftsmodells bringen. Wobei das Management genau in diese Richtung bereits denkt. So macht Cook in seinem Brief an die Beschäftigten darauf aufmerksam, dass man am Ende des vorigen Jahres neue Rekorde im Geschäft mit Musikstreaming und mit anderen Dienstleistungen sowie mit der Computeruhr Apple Watch und mit den Mac-Computern erzielt habe. Allerdings fragen sich viele Branchenkenner, ob Umsätze aus den Non-iPhone-Sparten die Verluste beim iPhone kompensieren können.

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