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Fataler Federstrich: US-Präsident Trump erlässt am 8. März 2018 Strafzölle auf Stahl und Aluminium.

Handelskonflikt

Ende der Euphorie

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US-Präsident Donald Trump führt Handelskriege gegen die halbe Welt - das bekamen 2018 auch die deutschen Autobauer zu spüren.

Der Schocker kam Mitte November – völlig unerwartet und in einer nüchtern gehaltenen Mitteilung vom Statistischen Bundesamt. Die Wirtschaftsleistung war im dritten Quartal um 0,2 Prozent geschrumpft im Vergleich zum zweiten Vierteljahr. So etwas hatte es seit fünf Jahren nicht mehr gegeben. Dabei sah doch bis zum Sommer alles noch so gut aus. 2018 war mit Euphorie gestartet. Mit neuen Allzeithochs an den Börsen und einer Autoindustrie, die auch vom Dieselskandal offenbar nicht aus der Spur zu bringen war. Selbst das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Ende Februar, das den Weg für Diesel-Fahrverbote in vielen Metropolen frei machte, änderte daran nichts. Die Absatz-, Umsatz- und Gewinnzahlen der wichtigsten deutschen Industriebranche erklommen im ersten Quartal immer neue Höhen. Auch in vielen anderen Branchen brummte es. Die Beschäftigung stieg – ebenfalls auf immer neue Rekordstände.

Viele Ökonomen rechneten mit einem Wachstum nahe dem Niveau des Vorjahres – also bei rund zwei Prozent. Doch schon im März sorgte US-Präsident Trump dafür, dass es bei Friede, Freude, Hochkonjunktur nicht bleiben konnte. Er erließ zuerst gegen China und später gegen die EU Strafzölle auf Stahl und Aluminium. Was mit Gegenschlägen der jeweils anderen Seite beantwortet wurde. Inzwischen führen die USA Handelskriege gegen die halbe Welt.

Doch Trump hat nicht nur zerschlagen. Den heimischen Konzernen hat er gigantische Steuergeschenke gemacht und damit einen Börsen-Boom ausgelöst. Besonders die Bewertungen von Hightech-Giganten, auf deren immense Potenziale Anleger spekulierten, schossen Anfang August in astronomische Höhen.

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Manager der deutschen Autobauer indes schon mit einer ganz anderen Konsequenz der Trumpschen Politik zu kämpfen. Der Handelskrieg führte dazu, dass die Nachfrage nach noblen Kraftfahrzeugen in China merklich an Schwung verlor. Besonders hart traf es Daimler und BMW, da die Konzerne ihre SUV für den chinesischen Markt in den Vereinigten Staaten fertigen. Und auf Autos Made in USA verhängte die chinesische Regierung hohe Vergeltungszölle von 40 Prozent. Daimler-Chef Dieter Zetsche, der über Jahre von Erfolg zu Erfolg geeilt war, musste im Sommer eine Gewinnwarnung aussprechen. Eine zweite folgte im Herbst.

Ein weiterer Grund für die Korrektur der Profitprognose war die „WLTP-Problematik“. Zetsche und seine Kollegen haben die Folgen des neuen Abgasstandards, der seit dem 1. September in der EU gilt, völlig unterschätzt. Die Autobauer kamen nicht mit der Zertifizierung ihrer Modelle nach den verschärften Vorgaben des neuen WLTP-Verfahrens nach. Es gab massive Lieferengpässe, die Produktion musste für viele Modelle zeitweise gestoppt werden. Der Automarkt brach so stark wie seit der Finanzkrise vor zehn Jahren nicht mehr ein.

Dax verliert fast ein Fünftel

Handelskriege, Protektionismus, Deglobalisierung: Die hochgradig globalisierten deutschen -Unternehmen haben das im „düsteren vierten Quartal“, so die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS, heftig zu spüren bekommen. Daimler folgten reihenweise weitere Konzerne mit Gewinnwarnungen. Und der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor 2018 fast ein Fünftel seines Werts. Wegen der hohen Exportabhängigkeit der Dax-Konzerne sei das Aktienbarometer eben auch ein Index für die Globalisierung und die Stimmung im Welthandel, sagte Markus Steinbeis vom Vermögensverwalter Steinbeis & Haecker dem Finanzdienst Bloomberg.

Die Lage ist überdies in den vergangenen Monaten durch diverse Verwerfungen in EU nicht einfacher geworden. Die Stichworte dafür: Brexit, Haushaltsstreit Italien - EU, Gelbwesten-Proteste in Frankreich. Für Christopher Potts, Stratege beim Broker- und Analysehaus Kepler Cheuvreux, gibt es in Europa keine „politische Visibilität“ mehr. Er meint damit, dass eine tiefgreifende Verunsicherung herrscht, die Investoren inzwischen massiv hemmt.

Ganz so finster sieht es die Mehrheit der Volkswirte noch nicht. Für Deutschland wurden die Wachstumsprognosen zwar allenthalben nach unten korrigiert worden. So spricht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung denn auch von einem „Spätherbst des Aufschwungs“, erwartet für das düstere vierte Quartal 2018 aber gleichwohl wieder ein BIP-Plus von 0,3 Prozent und fürs gesamte Jahr noch 1,5 Prozent.

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