1. Startseite
  2. Wirtschaft

Emissionen: EU-Parlament will nicht nur Öko-Wasserstoff

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Joachim Wille

Kommentare

Pläne für eine wasserstoffbetriebene Verkehrswende gibt es schon seit Jahren. Ohne die Technik dürften die Klimaziele nicht erreichbar sein.
Pläne für eine wasserstoffbetriebene Verkehrswende gibt es schon seit Jahren. Ohne die Technik dürften die Klimaziele nicht erreichbar sein. © AFP

Europa muss die Treibhausgas-Emissionen senken. Dabei soll Wasserstoff helfen. Das Europäische Parlament setzt auf eine Brückentechnologie.

Die Nutzung von Wasserstoff (H2) gilt als Weg, um Industriebranchen wie Stahl und Chemie sowie den Flug-, Schiffs- und Lkw-Verkehr klimafreundlich zu machen. Das Europaparlament hat sich nun dafür ausgesprochen, die dafür notwendige Infrastruktur EU-weit aufzubauen, also Anlagen für Produktion, Speicherung und Transport des Gases. Umstritten blieb jedoch die Frage, ob nur der so genannte grüne, mit Ökostrom hergestellte Wasserstoff eingesetzt werden soll oder auch solcher aus fossilen Quellen. Grüne und Linke votierten gegen letztere Option.

Mit der Wasserstoff-Wirtschaft können die CO2-Emissionen in der EU laut einem vom Parlament angenommenen Bericht bis 2050 um rund 560 Millionen Tonnen pro Jahr gesenkt werden. Anno 2020 betrugen die Treibhausgas-Emissionen aus allen Sektoren in der Union rund 4300 Millionen Tonnen. Die EU will bis Mitte des Jahrhunderts klimaneutral sein.

Wasserstoff: Erdgas wird unterirdisch gespeichert

Grüner Wasserstoff werde präferiert, heißt es in dem Bericht. Fossiles H2, das bisher vor allem aus Erdgas per Methan-Dampfreformierung hergestellt, soll möglichst bald aus dem Markt genommen werden, Bei diesem Verfahren entstehen große Mengen CO2. Allerdings soll sogenannter blauer Wasserstoff als „Brückentechnologie“ genutzt werden. Dabei handelt es sich ebenfalls um H2 aus Erdgas, bei dem jedoch das entstehende CO2 aufgefangen und unterirdisch gespeichert wird (CCS-Technologe). Die CSU-Abgeordnete Angelika Niebler sagte dazu, nur so könne schnell ein Markt für bezahlbaren Wasserstoff entstehen.

Die Atomenergie, mit der per Elektrolyse ebenfalls Wasserstoff hergestellt werden kann, wurde in dem Bericht nicht explizit angesprochen. Die Fachwelt geht jedoch davon aus, dass der darin benutzte Terminus „CO2-armer“ Wasserstoff auch die „gelbe“ Variante auf AKW-Basis einschließt.

Öko-Wasserstoff: Industrie gegen Fixierung

Die Grünen bezeichneten eine Förderung fossiler Energieträger für Wasserstoff als absurd. „Die Konservativen hofieren die Forderungen der Öl- und Gasindustrie und öffnen damit die Tür für eine Milliardenschwemme in klimaschädliche Fehlinvestitionen“, sagte ihr Abgeordneter Michael Bloss. Auch die Linken forderten, nur in Öko-Wasserstoff zu investieren. Der SPD-Abgeordnete Jens Geier sagte, blauer Wasserstoff dürfe keine Dauerlösung sein.

Der Industrieverband BDI sprach sich unterdessen gegen eine Fixierung auf grünen Wasserstoff aus. Nötig sei „in der kritischen Markthochlaufphase“ eine „ Technologieoffenheit“. Er sprach sich für ein einheitliches, EU-weites Zertifizierungssystem auf der Basis des CO2-Gehalts von Wasserstoff aus. Der Verband der Kommunalen Unternehmen (VKU) betonte, die vorhandenen Gasverteilnetze stünden bereit, die Transformation zum Wasserstoff zu unterstützen.

Auch interessant

Kommentare