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Klare Ansage? Elon Musk hat Investoren in die Irre geführt.

Tesla-Gründer

Elon Musk kommt nochmal davon

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Der Gründer des Elektroautopioniers Tesla darf die Geschäfte des Unternehmens auch in Zukunft führen.

Das war für Börsianer am Montag schon beinahe Normalität – zumindest für alle, die regelmäßig mit dem Papier des Elektroautobauers Tesla zu tun haben. Die Aktie schoss zeitweise um mehr als 14 Prozent auf rund 303 Dollar in die Höhe.

Was war passiert? Der Gründer des Unternehmens, Elon Musk, ist mit einer relativ sanften Strafe für seine Eskapaden davongekommen. Er muss vor allem den Posten als Chefs des Verwaltungsrats von Tesla abgeben. Seine Twitter-Nachrichten werden künftig stärker überwacht. Er und Tesla müssen jeweils eine Strafe von 20 Millionen Dollar zahlen.

Musk hatte im August mitgeteilt, dass er erwäge, Tesla von der Börse zu nehmen und die Anteilseigner mit 420 Dollar pro Aktie zu entschädigen. Er fügte hinzu: „Finanzierung gesichert.“ Das entsprach nicht ganz der Wirklichkeit. Zwar hatte der 47-Jährige seinerzeit mit dem Staatsfonds von Saudi-Arabien Gespräche geführt. Die waren aber eher unverbindlich. 

Elon Musk hat mehrere Milliarden verbrannt

Inzwischen ist der Plan zum Rückzug längst zurückgezogen worden. Das alles hat nicht nur zu massiven Zweifeln an den Managerqualitäten des Unternehmers geführt, sondern auch die Ermittler der US-Börsenaufsicht SEC auf den Plan gerufen. Vorigen Donnerstag stand man kurz davor, sich zu einigen. Doch Musk schlug einen schon vereinbarten und für ihn extrem günstigen Deal aus. Postwendend kündigte die SEC eine Klage gegen den Tesla-Chef an. Am Wochenende nun willigte Musk in eine Regelung ein, die für ihn laut Medienberichten schlechter ausfällt als der ursprüngliche Kompromiss. Jetzt darf er drei Jahre nicht mehr an der Spitze eines Verwaltungsrats stehen. Dieses Gremium hat bei US-Unternehmen mächtige Führungs- und Kontrollaufgaben. Musk behält zwar den Posten des CEO – was dem Vorstandschef hierzulande entspricht. Die Entscheidung der Börsenaufsicht ist gleichwohl eine Teilentmachtung Musks, der bislang bei Tesla unumschränkt herrschte. 

Jetzt muss der Verwaltungsrat mit einem neuen Vorsitzenden und zwei weiteren Mitgliedern besetzt werden, die unabhängig sind – also nicht von Großaktionären gestellt werden. Welche Konsequenzen das alles für Tesla hat, ist noch nicht absehbar. Frank Schwope, Analyst bei der Nord LB, hatte allerdings schon Ende voriger Woche darauf hingewiesen, dass externe Manager in der Führungsetage das „Bekanntwerden weitreichenderer Probleme“ bei Tesla auslösen könnten. Weil Schwierigkeiten aufgedeckt werden, die der Gründer verdrängt hat.

Musk war mit seinen Oberklasse-Elektroautos jahrelang extrem erfolgreich. Die Fahrzeuge sind für Filmstars und Gutbetuchte zu Statussymbolen geworden. Allerdings konnte Tesla mit seiner Kleinserienproduktion bislang keinen einzigen Dollar verdienen, vielmehr hat Musk mehrere Milliarden verbrannt. Mit dem Model 3 sollte alles anders werden. Tesla wollte das erste Großserien-E-Auto weltweit auf die Straße bringen. Doch Musk unterschätzte, was es bedeutet, ein sogenanntes Volumenmodell zu bauen. Eigentlich war für 2018 die Fertigung von 500.000 Pkw geplant. Schwope rechnet damit, dass es lediglich 220.000 bis 270.000 Fahrzeuge werden. Außerdem müsse das Unternehmen noch beweisen, dass es tatsächlich Geld verdienen könne. Der NordLB-Analyst hält es für denkbar, dass Tesla im nächsten Jahr frisches Kapital braucht – was Musk bislang immer vehement abgestritten hat. Eine Kapitalerhöhung könnte Anleger vergrämen, weil der Aktienkurs dadurch massiv belastet würde. 

Klar ist gleichwohl, dass Tesla finanzielle Mittel in großer Menge benötigt, um die Fertigung auszubauen. So sind neue Werke in Europa und in China geplant. Musk setzt dabei auf massive Subventionen. Doch hinter diesen Plänen stehen noch viele Fragezeichen. 

Zudem wächst die Konkurrenz durch die großen Autobauer. Jaguar hat schon vor einiger Zeit mit der Vermarktung des ersten eigenen E-Autos begonnen: Der iPace, eine Mischung aus SUV und Limousine, zielt auf die gleiche Zielgruppe wie Tesla. Das gilt auch für den Etron von Audi und den Mercedes EQC, die demnächst auf den Markt kommen

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