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So ähnlich könnte auch die neue Fabrik bei Berlin aussehen: die Tesla-Fabrik in Schanghai, mit deren Bau Anfang des Jahres begonnen wurde.

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Elektroauto-Bauer Tesla: Mit voller Kraft in den Elektroboom

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Tesla-Chef Elon Musk will mit dem Standort Grünheide bei Berlin in den automobilen Massenmarkt starten.

Elon Musk hat einmal mehr sein Gespür für effektvolle Auftritte bewiesen. Ausgerechnet bei der Gala zur Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ in Berlin, wo sich gewöhnlich die deutschen Autobauer gerne selbst feiern, kündigte er am Dienstagabend den Bau eines größeren industriellen Komplexes ganz in der Nähe an. Jetzt ist der Ort Grünheide (Mark), Landkreis Oder-Spree, eine wichtige Adresse – zumindest für weltweit alle, die mit Autos zu tun haben. Musk schickte seiner Ankündigung noch eine Reihe von Tweets hinterher. Batterien, Antriebe und Fahrzeuge würden dort gebaut – beginnend mit dem Kompakt-SUV Model Y. Auch ein Entwicklungs- und Designzentrum soll dort bis Ende 2021 errichtet werden. Erste Schätzungen gehen von bis zu 10.000 neuen Arbeitsplätzen aus.

Der Satiriker Jan Böhmermann hakte auf Twitter nach: „Elon Musk, do you know the meaning of the German words „Baugenehmigung“ and „Naturschutzgebiet?“ Musk dürfte sich erstens diesen Themen schon angenähert haben. Denn einer Sprecherin der Berliner Wirtschaftsverwaltung zufolge, gab es in den vergangenen Monaten intensive Gespräche zwischen Berlin, Brandenburg und Tesla. Zweitens betonte Musk bei der Gala, Tesla müsse „definitiv ein höheres Tempo vorlegen als der Flughafen“ – gemeint ist die Grünheide benachbarte BER-Dauerbaustelle. Und drittens gehört Musk zu den Managern, die keinem Risiko aus dem Weg gehen. Tesla ist das beste Beispiel. Schon 2004 investierte der heute 48-Jährige in den E-Autobauer, als der Manager-Mainstream in der Branche noch Elektroautos als Hirngespinst von Öko-Futzis zur Seite schob.

Heute kann Tesla an der Börse eine Marktkapitalisierung von 63 Milliarden Dollar (Ford: 35 Milliarden Dollar) vorweisen. Das ist vor allem Musk und seinem Nimbus zu verdanken. Kaum einer kann die Idee von einer umweltfreundlichen Automobilität basierend auf Ökostrom so überzeugend vorbringen.

Bislang hat das Unternehmen allerdings in keinem Geschäftsjahr auch nur einen Cent verdient. Doch die Anleger sehen darüber hinweg. Das hat viel mit Investmentbankern zu tun, die tatkräftig dabei geholfen haben, Musk in eine Reihe mit schillernden Gründergrößen wie Steve Jobs (Apple), Jeff Bezos (Amazon) oder Mark Zuckerberg (Facebook) zu stellen. Sie alle haben mit Geschäften angefangen, die defizitär und riskant waren, aber dann gigantische Gewinne abwarfen. Und Musks Biografie nährt die Hoffnung, dass es bei ihm genauso laufen wird. Der gebürtige Südafrikaner gilt als hyperaktives Wunderkind. Er gründete den Onlinebezahldienst X.com, fusionierte ihn mit Paypal und verkaufte ihn an Ebay. Er gründete 2002 das Raumfahrtunternehmen SpaceX und 2006 den Solaranlagenhersteller Solar City. Er hat Initiativen auf den Weg gebracht, die künstliche Intelligenz und die Vernetzung des menschlichen Gehirns mit Maschinen erforschen sollen. Der gemeinsame Nenner: die Vision einer besseren Welt. Womit Musk ein Privatvermögen von geschätzt mehr als 20 Milliarden Dollar akkumuliert hat, bestehend vor allem aus den Anteilen an SpaceX und Tesla.

Und gerade hat Musk mit den E-Autos einen Lauf. Für das dritte Quartal konnte Tesla völlig überraschend einen Gewinn von 143 Millionen Dollar vermelden. Am Mittwoch gab das Unternehmen zudem bekannt, dass es die entscheidenden Genehmigungen zum Start der Fertigung im neuen Werk im chinesischen Schanghai erhalten hat. Und dann noch die Entscheidung für Berlin.

Grünheide liegt direkt an der Autobahn A10 und an der Bahnstrecke Berlin-Frankfurt/Oder und in der Nähe der BER-Airports. Deshalb ist für Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer die Standort-Entscheidung zwar „überraschend, aber nicht abwegig“. Die Infrastruktur sei wichtig. Berlin passe zu einer Premiummarke wie Tesla. Zudem benötige die Batteriefertigung viel Platz und viel Energie. Für entsprechend günstige Konditionen dürften Politiker vor Ort sorgen.

Klar war seit fast einem halben Jahrzehnt, dass Tesla einen Standort in Europa braucht. Zunächst galten die Niederlande als Favorit, dort werden auch die Luxus-Stromer Model S und Model X in kleinerer Stückzahl gefertigt, und dort gibt es für innovative Unternehmen enorme staatliche Vergünstigungen. Doch schon vor gut zwei Jahren rückte Deutschland in die Favoritenrolle.

Musk hat da eine spezifische Affinität. Anfang 2017 kaufte Tesla den rheinland-pfälzischen Maschinenbauer Grohmann, dessen Werkzeuge und Anlagen unter anderem in der Batterie- und Elektronikfertigung für die E-Autos eingesetzt werden. Musk hat überdies Manager in größerer Zahl von den hiesigen Autobauern abgeworben. Insbesondere Experten für Fertigungsprozesse – das ist die Disziplin, in der deutsche Ingenieure die Weltspitze bilden. Diese Fachkräfte waren es maßgeblich auch, die es unter immensen Verwerfungen dann doch geschafft haben, Tesla von einer kleinen Luxusmanufaktur zu einem Autobauer zu hieven, der mit dem Mittelklasse-Wagen Model 3 inzwischen größere Stückzahlen herstellen kann. Im dritten Quartal wurden insgesamt 97.000 Fahrzeuge ausgeliefert (was aber im Vergleich zu Volkswagen mit 2,64 Millionen Einheiten eher winzig ist).

Musk geht keinem Risiko aus dem Weg.

Mit der Entscheidung für Deutschland setze Musk auf die Fertigkeiten der deutschen Ingenieure, sagte denn auch der Risikokapital-Experte Gene Munster der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Für Munster ist die Standort-Entscheidung zudem ein Beweis dafür, dass der Tesla-Chef es nun mit den deutschen Autobauern auf ihrem Heimatmarkt verschärft aufnehmen will. In den USA hat das Model 3 beim Absatz schon längst die vergleichbaren Modelle von BMW (3er-Reihe) und Mercedes (C-Klasse) zusammengenommen überholt. Obwohl Musks Stromer deutlich teurer ist als die Premiumautos. Hierzulande wurden in den ersten zehn Monaten 9301 Teslas, vor allem vom Model 3, neu zugelassen. Was laut Kraftfahrtbundesamt einer Steigerung von 454 Prozent entspricht. Damit hat das Model 3 viele preiswertere Elektroautos weit hinter sich gelassen.

Diese bemerkenswerte Positionierung ist für Dudenhöffer und andere Experten die wichtigste Leistung von Musk. Viele Autobauer haben jahrelang die Idee verfolgt, dass der Durchbruch der Elektromobilität mit kleinen kompakten Stadtautos zu schaffen ist. Musk hat mit genau dem Gegenteil Erfolg gehabt.

Mit dem Model Y aus Grünheide/Berlin will Musk nun aber mitten in den automobilen Massenmarkt, und zwar in einer Phase, da ein Elektroboom in Europa geradezu unausweichlich wird. Wegen der Abgasgrenzwerte, die vom nächsten Jahr an in mehreren Etappen massiv verschärft werden. Autobauer müssen ihre Modellpaletten umbauen und zugleich die Stromer preiswert anbieten, wenn sie Strafzahlungen wegen zu hohen CO2-Emissionen in Milliardenhöhe vermeiden wollen. Die Brüsseler Denkfabrik Transport & Environment geht davon aus, dass sich die Zahl der offerierten E-Pkw-Modelle bis 2025 mit dann mehr als 300 im Vergleich zu heute verdreifachen wird. Zugleich glauben viele Experten, dass die Kapazitäten der Batterien deutlich steigen werden, um die Reichweitenangst zu überwinden. Große technologische Sprünge werden in den nächsten Jahren erwartet.

Rund zwei Dutzend Gigafactories (den Begriff hat Musk geprägt) sind in Europa geplant. Für solch eine Fabrik sind aktuell Investitionen von vier bis fünf Milliarden Euro nötig, um damit Geld verdienen zu können – denn hier geht es um die schiere Masse. Wer Batterien in größtmöglicher Zahl fertigen oder einkaufen kann, wird einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil haben.

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