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Reservierte Parkplätze für Elektroautos mit einer Ladestation.

E-Mobilität

Beim Einkaufen mal eben das Elektroauto laden

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„Haben Sie eine Kundenkarte?“ – „Ja.“– „Dann kostet Sie das Laden Ihres E-Autos nichts.“ So oder ähnlich könnten künftig Dialoge an deutschen Supermarktkassen klingen.

Nahezu im Wochentakt verkünden die Handelsketten hierzulande die Installation neuer E-Ladesäulen. So nahm kürzlich Kaufland, zum Schwarz-Konzern gehörend, die hundertste Ladesäule auf einem Filial-Parkplatz in Betrieb. Die Jubiläums-Säule steht im schwäbischen Bietigheim-Bissingen. Bei Kaufland „tanken“ die Kunden Ökostrom, der, so die Auskunft des Unternehmens, das Label „Grüner Strom“ trägt. Wer den Grünstrom liefert, das will Kaufland nicht sagen.

Den Öko-Aufwand treibt Kaufland nicht ganz freiwillig. Er ist dem Umstand geschuldet, dass die Kette für den Bau der ersten hundert Ladesäulen die laufende Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums in Anspruch nahm. Da ist der Einsatz von Ökostrom Bedingung.

Der Möbelriese Ikea stattete Anfang März seine 53. und damit letzte noch E-tankfreie Filiale mit einer Ladesäule aus. Insgesamt bietet Ikea hierzulande auf den firmeneigenen Parkplätzen seinen Kunden 115 Ladesäulen mit jeweils zwei Ladepunkten an, hauptsächlich mit 20 oder 22 Kilowatt Leistung. 

Das sind keine Schnelllader. Bei Ikea soll man sich mit dem Einkaufsbummel ja auch Zeit lassen. Im Schnitt stehen die E-Autos dort nach Unternehmensangaben knapp 50 Minuten an der Säule. Andere große Einzelhändler wie Edeka und Aldi Süd – die beiden gelten in der Branche als Vorreiter beim E-Autostrom – rechnen mit Ladezeiten von einer halben Stunde bei täglich fünf bis sieben Ladevorgängen pro Filiale.

Elektro-Ladesäulen: Ikea, Kaufland und viele andere rüsten ihre Kundenparkplätze aus

Ikea zählt in der Regel 30 Ladevorgänge pro Tag und Standort. Kaufland gibt sich auch bei den Nutzungszahlen zugeknöpft und spricht nur davon, dass die Lademöglichkeit „sehr gut“ angenommen“ werde. Ob das alles viel oder wenig ist, lässt sich mangels vergleichbarer Daten schwer beurteilen, zumal die Ladesäulen des Handels nur während der Öffnungszeiten zugänglich sind.

Das Potenzial des Einzelhandels für E-Ladesäulen ist allerdings riesig. Nach Angaben des Branchenverbandes HDE verfügen die etwa 38 000 Einzelhandelsmärkte in Deutschland zusammen über rund 1,9 Millionen Parkplätze. „Alle großen Marken kümmern sich um das Thema E-Ladesäulen“, sagt Lars Reimann, beim HDE für Energie und Umweltpolitik zuständig.

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Bei einer Anfang vergangenen Jahres veröffentlichten Erhebung gaben 70 Prozent der befragten Händler an, sie würden ihren Kunden Parkplätze mit Ladesäulen zur Verfügung stellen, davon bieten wiederum zwei Drittel den Strom kostenlos an. Das seien vor allem Lebensmitteleinzelhändler, Baumärkte, Elektrofachgeschäfte und Möbelhäuser. Für innerstädtische Händler – Bekleidung, Schuhe oder kleinere Einrichtungshäuser – sei, ergab die Umfrage, die Änderung der Gebäudeeffizienzrichtlinie nicht relevant, da diese Händler größtenteils Mieter seien und die Immobilie nicht besäßen.

Ab März 2020 ist Elektro-Ladesäule ab zehn Parkplätzen Vorschrift bei neuen Märkten

Die erwähnte Gebäudeeffizienzrichtlinie schreibt vor: Ab März 2020 muss ein neu errichteter Markt bei mehr als zehn Parkplätzen einen E-Ladepunkt anbieten. Ab 2026 müssen dann auch bestehende Filialen, sofern diese über mehr als 30 Parkplätze verfügen, mit Ladesäulen nachgerüstet werden. So könnten langfristig in Deutschland Zehntausende neuer Ladesäulen zusammenkommen. Davon gibt es derzeit bundesweit überhaupt nur knapp 14.000.

Dass das Laden in vielen Filialen derzeit noch kostenlos ist – das würden die Händler über kurz über lang nicht aufrechterhalten, sagt HDE-Mann Reimann voraus. Derzeit stünden noch Kundenbindung, der Servicegedanke und die Imagepflege im Vordergrund. Diese Faktoren würden aber mit dem Fortschreiten der E-Mobilität an Bedeutung verlieren, meint Reimann.

Anders gesagt: Wird das E-Auto zum Normalfall und wollen täglich Hunderte auf Parkplätzen Strom zapfen, geht das kostenlose Tanken zu sehr ins Geld.

Derzeit kostet der Gratis- E-Autostrom den Händler pro Jahr und Filiale im Schnitt 3000 Euro, gibt Reimann an. Dies sei aber nicht der entscheidende Punkt, der das E-Laden für den Handel derzeit noch zu teuer macht. Ins Kontor schlage vor allem die Installation der Ladesäule selbst. Mit den üblichen zwei Anschlüssen ausgestattet komme das dem Händler alles in allem mit bis zu 30.000 Euro zu stehen, sagt der HDE-Experte.

Elektro-Ladesäulen müssen für Roaming freigeschaltet sein

Für den Aufwand sorgt vor allem der Umstand, dass die Ladesäule, auch wenn deren Strom den Kunden nichts kostet, dennoch für das sogenannte E-Roaming freigeschaltet werden muss. Dahinter steht die gesetzliche Vorschrift, dass E-Fahrzeug-Nutzer an jeder Ladestation einen Zugang zu verschiedenen Stromanbietern haben sollen. Über das Roaming erfolgt auch die – dann vielleicht später einmal nötige – Verrechnung der Ladekosten zwischen dem Kunden, dem E-Auto-Anbieter und dem Betreiber der Ladestation.

„Die bereitgestellte Fördersumme brauchen die Märkte rechnerisch allein für die Anmeldung der Ladesäulen für das Roaming“, kritisiert Reimann die gesetzliche Vorgabe. Dazu kommen dann noch bürokratische Kosten durch Abrechnungs- und Berichtspflichten, wenn ein Supermarkt zum Beispiel mehr als 100 Kilowatt Solarstrom auf seinem Dach installiert hat und dadurch in den Augen des Gesetzgebers zu einem Stromerzeuger wird. 

„Um bei den ganzen Melde- und Berichtspflichten sicher zu gehen, bildet man am besten gleich eine Rückstellung in Höhe der kompletten EEG-Umlage eines Jahres“, ärgert sich HDE-Experte Reimann über die Hindernisse. Solange diese Risiken in Deutschland so groß sind, müsse das Thema E-Mobilität einfach scheitern, meint er.

Viele denkbare Konzepte bleiben deswegen noch ungenutzt. So wäre vorstellbar, dass Händler auf den Dächern der Filialen Solarstrom gewinnen und diesen imageträchtig an ihre E-Auto-Kunden weiterreichen.

Oder dass die Leute ihre Elektromobile während des Einkaufs aufladen und den Strom dann bequem mit dem anderen Einkauf an der Kasse bezahlen – oder als Treue-Bonus sogar erlassen bekommen. Auf Dialoge wie den eingangs aufgeführten werden die Kunden noch einige Zeit warten müssen.

Verkehrsexperte Hartmut Holzapfel hält die Förderung von privaten Ladestationen für Elektroautos, wie sie Verkehrsminister Scheuer will, für Steuerverschwendung.

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