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Fahne mit dem Firmenaufdruck "ProSiebenSat1".

ProSiebenSat1

Der Einstieg in den Ausstieg

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Die Finanzinvestoren von ProSiebenSat1 wollen den Münchner TV-Konzern versilbern. Offen ist nur, auf welche Weise sich die Finanzinvestoren KKR und Permira trennen - per Börsengang oder Verkauf an einen strategischen Investor.

Die Finanzinvestoren KKR und Permira haben sich für ProSiebenSat1 Media im neuen Jahr einiges vorgenommen. Schon 2011 wollte das Duo den Münchner TV-Konzern versilbern, den sie über ihre Holding Lavena 2007 dem US-Investor Haim Saban für gut drei Milliarden Euro abgekauft haben. Dann spielte die Börse nicht mit. Nun starten sie einen zweiten Anlauf. „Es ist der Einstieg zum Ausstieg“, heißt es im Umfeld des Duos mit Blick auf die für Sommer geplante Umwandlung von Vorzugs- in Stämmaktien. Das soll in einen neuen Börsengang münden.

Bislang sind nur stimmrechtslose Vorzüge von ProSiebenSat1 im MDax notiert. Die Stämme hält zu 88 Prozent Lavena. Nach Wandlung würden KKR und Permira noch 53 Prozent der Stimmrechte kontrollieren. „Die sind schon viel zu lange dabei“, sagt ein Insider über die Zeit der Kontrolle des Investorenduos. Nun würden sich die Wege trennen. Offen sei nur, auf welche Weise - per Börsengang oder Verkauf an einen strategischen Investor. Das sehen auch Börsianer so.

Ernster Dax-Kandidat

„ProSiebenSat1 ist jetzt ein Übernahmekandidat“, sagt ein Medienanalyst. Es würde ihn nicht wundern, wenn ein großer Medienkonzern wie Time Warner als Ankeraktionär einsteigt und Lavena den Rest über per Börsengang losschlägt. Der könnte im Dax münden, meinen nicht nur Eigner und ProSiebenSat1 selbst. „Deutschland täte ein großes, unabhängiges Medienunternehmen im wichtigsten Aktienindex gut“, hofft man in deren Kreis. „Ein ernster Dax-Kandidat“, schätzen auch Analysten. Nach einer Wandlung von Vorzügen in Stämme könne sich der Börsenwert von ProSiebenSat1 auf sechs Milliarden Euro gut verdoppeln.

Die Zeiten für einen Ausstieg von KKR und Permira sind gut, finden Börsianer. Deutschland stehe derzeit hoch in der Gunst von Anlegern. Zudem brauche Lavena dringend Geld, weil die Investoren-Holding hoch verschuldet sei. Als Teil des Ausstiegsplans gilt deshalb auch der jüngste Verkauf von nordeuropäischen TV-Sendern durch ProSiebenSat1 an den US-Konzern Discovery für gut 1,3 Milliarden Euro.

Ein Großteil dessen wird zur Dotierung einer Sonderdividende verwendet. Bei KKR und Permira kommen allein auf diese Weise 640 Millionen Euro an, haben Analysten berechnet. Insgesamt wird das Duo mit ProSiebenSat1 damit am Ende ein gutes Geschäft gemacht haben, nachdem es zeitweise nach einem Debakel aussah. 2009 lag der Börsenkurs der Münchner unter einem Euro, heute beim gut 22-fachen.

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