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Sportliche Menschen will Generali künftig belohnen. Doch nicht nur dafür gibt es Rabatte.
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Sportliche Menschen will Generali künftig belohnen. Doch nicht nur dafür gibt es Rabatte.

Versicherungen

Einladung zum Datenstriptease

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    VonThomas Magenheim-Hörmann
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Als erster Versicherer startet Generali in Deutschland ein großes Rabattprogramm. Im Gegenzug sollen Versicherte viel von sich preisgeben.

Giovanni Liverani hält sich nicht mit Kleinigkeiten auf. „Wir erfinden Versicherungen neu“, sagt der Deutschland-Chef des italienischen Assekuranzriesen Generali, der hierzulande hinter Platzhirsch Allianz die Nummer zwei der Branche ist. Bisher seien Versicherer für Kunden da, wenn ein Schaden entsteht. Moderne Digitaltechnik erlaube es aber, schon vorher Versicherten zu einem besseren Leben zu verhelfen.

Was so selbstlos klingt, bedeutet in einem ersten Schritt, dass Versicherte mit einer Risikolebens- oder Berufsunfähigkeitspolice Einblick in ihr Leben gewähren sollen. Im Gegenzug können sie bei gesundem Lebenswandel Rabatte erhalten.

 Dazu wurde eine eigene Tochtergesellschaft namens Generali Vitality gegründet, die dem Programm auch seinen Namen gibt. Wer sich gesund ernährt, bewegt und das Rauchen aufgibt, erhält Punkte, die eine Risikolebenspolice um bis zu elf Prozent und eine Berufsunfähigkeitsversicherung um bis zu 16 Prozent verbilligen.

„Alles ist freiwillig und für alle Kundengruppen unabhängig von Alter oder Gesundheitszustand“, sagt Vitality-Chefin Astrid Koida. Kein Kunde werde gezwungen, bestimmte Daten weiterzugeben. Außerdem blieben diese stets bei der Tochtergesellschaft. Generali selbst werde nur der Status eines Versicherten gemeldet, der von Bronze über Silber und Gold bis Platin reicht.

Um das Ganze schmackhafter zu machen, kooperiert Generali mit einer Reihe von Partnern, die ebenfalls Rabatte gewähren. So bekommt ein Bronze-Versicherter bei Kaufhof zehn Prozent Rabatt auf einen Einkauf, ein Platin-Versicherter 40 Prozent. Ähnlich ist die Staffelung für Sportartikel aus dem Adidas-Onlineshop, bei der Fitnesskette Fitness First oder der Diätfirma Weight Watchers.

 Rabattträchtige Punkte erhält man durch die Preisgabe persönlicher Daten. Am Anfang ist das ein Gesundheitscheck, wo nach dem Gewicht, Blutzucker oder Cholesterinspiegel gefragt wird. Darauf muss man keine Antwort geben, aber dann gibt es auch keine Punkte und keinen Rabatt. Gefragt wird zudem nach dem sozialen Umfeld. Punkte bringt ferner Bewegung. Die muss man allerdings durch einen Fitness-Tracker nachweisen und entsprechende Daten online beim Vitality-Portal melden. Auch der Einkauf gesunder Lebensmittel wird mit Punkten belohnt. Dazu gibt Generali Vitality einen Einkaufskorb vor.

Ein Malus für ungesund lebende Couch-Potatoes oder Kettenraucher ist im Programm nicht vorgesehen, betont Koida. Niemand müsse am Ende mehr Versicherungsbeitrag bezahlen als ein Versicherter außerhalb des Gesundheitsprogramms. Das startet Anfang Juli deutschlandweit und wird später auf die private Krankenversicherung ausgedehnt.

Neu ist die Idee, Versicherte zu einem bedachteren Lebensstil zu animieren nicht. Gesetzliche Krankenkassen bieten hierzulande schon länger Rabatt gegen die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen. Und bei Kfz-Versicherern gibt es neuerdings Telematiktarife, die den Fahrstil messen, was bei gesitteter Fahrweise ebenfalls Rabatte bringt.

Aber die Dimension, in der Generali denkt, ist neu. Sie umfasst mehrere Formen gesundheitsrelevanter Policen und schließt Telematiktarife sowie Policen rund ums Haus ein. Bei Letzterem können Daten eines vernetzten Hauses günstigere Beiträge bringen. Der Daten-Striptease eines Versicherten beginnt also in den eigenen vier Wänden und er reicht bis in den eigenen Körper und das Auto.

Bianca Boss vom Bund der Versicherten beobachtet die Entwicklung mit einiger Skepsis. „Wie will man zum Beispiel kontrollieren, ob jemand eingekaufte Gesundheitskost auch selber isst?“, fragt sie. Chips und Schokolade kaufe ein Versicherter dann wohl auf einer separaten Rechnung, die der Versicherer nicht zu Gesicht bekommt. An anderer Stelle wiederum könnten verlangte Nachweise Datenschutzprobleme mit sich bringen, vor allem wenn Fitness-Tracker mit ins Spiel kämmen. Vor allem aber seien solche Programm geeignet, das Versicherten-Kollektiv zu zerstören, warnt die Verbraucherschützerin.

Denn zu dem Programm anmelden würden sich vor allem Menschen, die ohnehin einen gesunden Lebensstil pflegen und sich viel bewegen, weil nur sie auf Rabatte hoffen können. Dadurch erhalte ein Kranken-, Lebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherer tendenziell junge und gesunde Klienten. „Das sind bombengute Risiken“, stellt Boss klar. Allein durch eine derart positive Vorauswahl würden dann die Kosten für die Assekuranz sinken. Da müsse die Gesundheit der Versicherten gar nicht erst durch ein Vitalitätsprogramm verbessert werden.

Generali sieht sich indessen als Vorreiter einer Entwicklung, die bald die gesamte Branche umfassen werde. „Langfristig wird das der Standard für den Markt“, ist Liverani überzeugt.

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