Flughafenpersonal

Einigung im Tarifstreit

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Passagieren drohen vorerst keine Warnstreiks an deutschen Flughäfen mehr. Der zähe Konflikt beim Sicherheitspersonal ist gelöst.

Das Sicherheitspersonal an deutschen Flughäfen verdient künftig deutlich mehr Geld. Die Beschäftigten erhalten für die nächsten drei Jahre Aufschläge zwischen 3,5 und 9,77 Prozent, und zwar jährlich. Das teilten die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) am Donnerstag nach Verhandlungen bis in die frühen Morgenstunden mit.

Verdi rechnet vor, dass ein Luftsicherheitsassistent in der Passagierkontrolle 2021 bundesweit genau 19,01 Euro pro Stunde verdienen wird. Die Gewerkschaft hatte ursprünglich 20 Euro durch die Bank gefordert. Aber sie hat mit der Angleichung der Gehälter ein wichtiges Ziel erreicht. Verdi-Funktionäre hatten die deutlich niedrigere Bezahlung im Osten massiv bemängelt. Der Angleich-Mechanismus für die Passagierkontrolleure wird nun auf drei Jahre gestreckt. Verdi räumt aber ein, dass in anderen Tätigkeitsbereichen noch längere Anpassungszeiträume notwendig seien. Es geht um insgesamt 23.000 Frauen und Männer, die nicht nur die Passagiere und deren Gepäck, sondern auch Zugänge zu Flughäfen sowie Fracht, Post und Bordverpflegung kontrollieren. Bislang lag die reguläre Bezahlung je nach Tätigkeit und Bundesland zwischen 12,90 Euro und gut 17 Euro pro Stunde. Zuschläge für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit kommen hinzu.

Der Einigung voran gegangen waren drei Warnstreik-Runden, die letzte am 15. Januar. Durch den Ausstand am größten deutschen Flughafen in Frankfurt und an sieben anderen Airports fielen Hunderte Flüge aus, rund 200.000 Passagiere waren betroffen.

Die Arbeitgeberseite sei nach den Warnstreiks von ihrer Blockadehaltung abgerückt und habe einen Weg „der schnellen Anpassung der Entgelte eingeschlagen“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Benjamin Roscher. Es sei gelungen, gute Ergebnisse für alle Bereiche der Luftsicherheit durchzusetzen. Ute Kittel vom Verdi-Bundesvorstand sprach von einem harten Ringen, das zeige, dass es sich lohne, Gewerkschaftsmitglied zu sein.

Der BDLS freut sich, dass es gelungen sei, das eigene längerfristige Konzept zur Angleichung der Bezahlung durchzusetzen. Schließlich wird nur in der Passagierkontrolle der gleiche Lohn in Ost und West noch während der Laufzeit des Vertrages erreicht. Die Aufschläge sollen zum 1. März 2019 sowie zu Jahresanfang 2020 und 2021 wirksam werden. Für die Luftsicherheitsassistenten gibt es schon zum 1. Februar mehr Geld.

Beide Seiten haben sich zudem darauf geeinigt, dass die Allgemeinverbindlichkeit des Vertrages beantragt werden soll. Damit könnten dann die Tarife den Status eines Mindestlohnes für die gesamte Branche erreichen – auch für Unternehmen, die nicht BDLS-Mitglied sind. Außerdem werde für die Arbeit der Sicherheitsleute die Charakterisierung als „einfache Anlerntätigkeit“ gestrichen. Gemeinsam wollen Arbeitgeber und Gewerkschaft eine Initiative für den neuen Ausbildungsberuf „Fachkraft in der Luftsicherheit“ starten.

Der relativ hohe Abschluss hat auch damit zu tun, dass in der Branche viele Stellen unbesetzt sind, etwa 2000 sollen es nach Angaben von Branchenkennern sein.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hat die Einigung zwar begrüßt, aber darauf hingewiesen, dass die Lohnerhöhungen zu einer „weiteren Verteuerung des Luftverkehrs in Deutschland“ führen würden.

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