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Viele westliche Firmen ziehen sich aus Hongkong zurück.
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Viele westliche Firmen ziehen sich aus Hongkong zurück.

Transformation

Eingeschlossen in Hongkong

  • VonFabian Kretschmer
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Während der Pandemie ist das einst internationale Finanzzentrum zur Festung geworden. Immer mehr westliche Unternehmen verlassen Hongkong deshalb.

Nun hat auch die Präsidentin der amerikanischen Handelskammer in Hongkong das Handtuch geworfen. Denn Tara Joseph, die sich derzeit in den Vereinigten Staaten aufhält, steht vor einem Dilemma: Sie setzt sich seit Monaten bei der Verwaltungschefin Carrie Lam für eine Lockerung der Einreisebestimmungen ein. Doch nun muss sie selbst wie alle anderen Bürger:innen für 21 Tage in Quarantäne. „Es liegt nicht in meiner Natur, für etwas einzutreten und sich dann wie ein Handlanger in Quarantäne zu begeben“, sagte Joseph der Nachrichtenagentur Reuters.

In Hongkongs Vorstandsetagen liegen die Nerven bereits seit längerem blank. Die internationale Finanzmetropole hat seit Ausbruch der Corona-Pandemie eine weltweit nahezu einmalige Transformation durchgemacht: Das von der Regierung als „World City“ beworbene Hongkong galt nicht nur als Tor zu Festlandchina, sondern auch als eine der internationalsten Städte auf dem gesamten Kontinent. Nun ist die einstige britische Kolonie abgeschottet wie eine Festung. Expats haben den PR-Slogan der Regierung längst abgewandelt: Die „World City“ wurde zur „Walled City“.

Hongkong: 21 Tage im Quarantäne-Hotel

21 Tage lang muss jeder Einreisende in einem zentralisierten Quarantäne-Hotel verbringen. Und wer die mehrere Tausend Euro teure Prozedur durchmacht, befindet sich dann in gewisser Hinsicht erneut in Isolation wieder. Denn die einzige direkte Grenze zu Festlandchina dürfen die Menschen Hongkongs ebenfalls nur nach mehrwöchiger Quarantäne betreten.

Dass dies auf Dauer für ein globales Finanzzentrum nicht gutgehen kann, liegt auf der Hand. Zuletzt haben Ende Oktober die verärgerten Großbanken einen Beschwerdebrief an Finanzminister Paul Chan geschrieben. Die strengen Quarantäne-Regeln, so heißt es in dem Brief, würden die Wettbewerbsfähigkeit Hongkongs als internationale Finanzmetropole aufs Spiel setzen. Beim Bankenverband würden rund die Hälfte der Firmen in Erwägung ziehen, ihr Personal aus Hongkong zumindest teilweise abzuziehen.

Commerzbank verlässt Hongkong

Laut Regierungsdaten haben allein dieses Jahr bereits 47 internationale Unternehmen ihre regionalen Hauptquartiere aus Hongkong abgezogen, darunter auch die deutsche Commerzbank. Am Dienstag folgte nun der Paketzusteller Fedex: Da es „keinen klaren Zeitplan“ für die Rückkehr der Stadt zur Normalität gebe, wendet sich das Unternehmen nun endgültig von Hongkong ab.

„Wie lange will Hongkong noch immer an seiner verrückten, unwissenschaftlichen und selbstzerstörerischen 21-Tages-Quarantäne festhalten?“, schreibt Keith Richburg, Präsident des Hongkonger Korrespondentenclubs, auf Twitter.

Hongkong blickt nach Festlandchina

Während Hongkong verschlossen bleibt, hat der Konkurrent Singapur sich von seiner „Zero Covid“-Strategie verabschiedet und die Reisebeschränkungen weitgehend aufgehoben. Es war ein Deal, der ebenfalls mit einem hohen Preis kam: Die Infektionszahlen stiegen rasant an, doch die Wirtschaft zeigte sich zufrieden. Auch Südkorea und Japan haben unlängst ihre Pforten wieder geöffnet.

Hongkongs Weg wird ein anderer sein. Die Stadt orientiert sich stärker am Festland. Die Lokalregierung hat bereits deutlich gemacht, dass der internationale Flugverkehr gedrosselt bleiben wird und gleichzeitig alles daran gesetzt werden soll, die Grenze zu China zu öffnen.

Börsengänge in Hongkong und nicht in New York

Immer mehr Unternehmen aus Peking, Shanghai und Shenzhen, die früher für ihre Börsengänge New York gewählt hätten, legen ihr Debüt an den Aktienmärkten in Hongkong hin. Zwar lässt sich dort weniger Kapital sammeln, doch unter Xi Jinping ist es die politisch erwünschte Standortwahl.

Die westlichen Banker und Anlageberaterinnen werden in den nächsten Jahren wohl in größeren Zahlen auswandern. Am Montag sagte Jamie Dimon, Vorstandsvorsitzender von JP Morgan, bei einem 32-stündigen Zwischenstopp in Hongkong: Aufgrund der Quarantäne sei es schwerer für Unternehmen, Angestellte zu halten und neue zu gewinnen. Dabei hat Spitzenmanager selbst gut reden: Als einer von ganz wenigen wurde der 65-Jährige bei seiner Einreise nicht für 21 Tage weggesperrt.

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