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"Bis 2050 gibt es in den Ozeanen mehr Plastik als Fische", steht auf dem Plakat, das Modou Fall trägt. Der 42-Jährige ist mit Plastikbechern und -tüten bedeckt, um am Strand von Senegal auf das Müllproblem aufmerksam zu machen.

Recycling

Eine Welt voller Müll

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Die Abfallberge werden bis zum Jahr 2050 gigantisch wachsen, warnt die Weltbank. Um gegenzusteuern, braucht es neue Geschäftsmodelle.

Die Müllberge auf der Welt wachsen weiter, und die Verschmutzung der Ökosysteme vor allem mit Plastikabfällen nimmt zu. Wie stark, das hat jetzt die Weltbank analysiert. Sie warnt davor, dass die globale Müllmenge bis 2050 um rund 70 Prozent anwachsen wird, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Sie hat hochgerechnet, dass dann pro Jahr 3,4 Milliarden Tonnen Abfall anfallen werden. Laut ihrem jetzt in Washington vorgestellten Report „What a Waste 2.0“ waren es 2016 „erst“ 2,1 Milliarden Tonnen – rund 280 Kilogramm pro Kopf.

Hauptursachen für die Zunahme sind das Wachstum der Weltbevölkerung von derzeit 7,6 auf bis zu zehn Milliarden Menschen Mitte des Jahrhunderts sowie die fortschreitende Urbanisierung.

Derzeit kommt über ein Drittel des Mülls aus den Industrieländern, obwohl sie nur 16 Prozent der Weltbevölkerung stellen, hier ist das Müllaufkommen also mehr als doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt. In Südasien werde sich die Abfallmenge bis 2050 mehr als verdoppeln, in Afrika sogar mehr als verdreifachen, sagt die Weltbank voraus.

In den Industrieländern wird derzeit im Schnitt rund ein Drittel des Abfalls durch Recycling oder Kompostierung wiedergewonnen, in den Entwicklungsländern liegt die Quote hingegen nur bei vier Prozent.

Die Gesundheits- und Umweltschäden, die durch mangelhaftes Müllmanagement entstehen, sind vielfältig – und betroffen sind dabei vor allem die armen Bevölkerungsschichten in Entwicklungsländern, die zum Beispiel in der Nähe von ungesicherten Mülldeponien wohnen.

Der Abfallsektor trägt aber auch nicht unerheblich zum menschengemachten Treibhauseffekte bei. Laut den Weltbank-Zahlen stammen rund fünf Prozent der Klimagas-Emissionen aus diesem Sektor. Vor allem Methan, das in den Deponien bei der Zersetzung von organischem Material entsteht, schlägt hier zu Buche. Dass der Plastikmüll – er macht zwölf Prozent der Gesamt-Abfallmenge aus – besonders große Schäden verursacht, ist inzwischen Gemeingut. Die UN-Institution formuliert drastisch: „Wenn er nicht richtig eingesammelt und behandelt wird, verseucht und belastet er Gewässer für hunderte, wenn nicht tausende Jahre.“

Wie viele Umweltverbände sprechen sich die Weltbank-Experten für einen grundlegenden Wandel in der industriellen Produktion aus. Sie müsse zu einer „Kreislaufwirtschaft“ umgebaut werden, bei der keine Abfälle mehr anfallen, weil das Material nach Gebrauch wiederverwendet oder recycelt wird. Die Produkte müssten bereits beim Design für diese Zwecke optimiert werden. So könnten „effizientes Wachstum“ und Umweltentlastung gleichzeitig erreicht werden.

Dass das aber leichter gefordert als getan ist, zeigt sich Deutschland. Hier gelangen die ersten Schritte zu einer Kreislaufwirtschaft bereits 1991 mit der Einführung des Grünen Punkts für Verkaufsverpackungen, danach wurde das Konzept aber kaum weiterentwickelt. Auch heute kommen erst rund 14 Prozent der hierzulande eingesetzten Rohstoffe aus Recyclingprozessen. Es braucht neue Geschäftsmodelle, damit eine abfallfreie Wirtschaft sich lohnt. Zum Beispiel, dass Hersteller ihre Produkte nicht mehr verkaufen, sondern nur noch an den Kunden verleihen, und sie nach der Nutzung wieder zurücknehmen – um daraus neue herzustellen.

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