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Auch zehn Jahre nach dem Super-Gau in Japan sind die Aufräumarbeiten in Fukushima noch nicht abgeschlossen.
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Auch zehn Jahre nach dem Super-Gau in Japan sind die Aufräumarbeiten in Fukushima noch nicht abgeschlossen.

10 Jahre Fukushima

Eine Jahrhundertaufgabe

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Der kritische Teil der Aufräumarbeiten in Fukushima hat noch nicht einmal begonnen.

Fukushima Fifty“ ist ein halbfiktionales Heldenepos. Der in Japan populäre Film von Regisseur Setsuro Wakamatsu, jetzt auch in deutscher Fassung erhältlich, handelt von einem Einsatzteam in dem AKW nach dem Beginn des Super-GAU am 11. März 2011. Die nachgestellte Filmhandlung: Rund 50 Männer versuchen, die außer Kontrolle geratenen Reaktoren einigermaßen zu stabilisieren. Immerhin erreichen sie es, dass eine noch weit größere Katastrophe vermieden werden kann. Ohne sie, so die Botschaft des Streifens, hätte die radioaktive Verseuchung eines noch viel größerer Teile Japans gedroht.

Die echten Nachfolger dieser gefeierten „Nuklear-Samurai“ sind auch heute noch, ein Jahrzehnt später, auf der Anlage tätig. Rund 4000 Mann arbeiten Tag für Tag gegen die Folgen des verheerenden Unfalls in der Anlage von Fukushima Daiichi an. Zwar ist die Strahlung stark gesunken, weite Bereiche des Areals sind dekontaminiert worden. Doch von einem Rückbau der Atomruinen zur grünen Wiese ist der Betreiber, der Stromkonzern Tepco, immer noch weit entfernt. Erst nach 2050 kann damit gerechnet werden. Fukushima ist, wie Tschernobyl, wo das AKW 25 Jahre vorher explodierte, eine Jahrhundertaufgabe.

Ursache für den Super-Gau in Japan waren der Tsunami nach dem Erdbeben – und die trotz der Warnung von Fachleuten nicht dafür ausgelegten Sicherheitseinrichtungen. Das Beben trennte das Kraftwerk mit seinen sechs Reaktoren vom öffentlichen Stromnetz, von denen zu diesem Zeitpunkt die Anlagen 1 bis 3 im Leistungsbetrieb waren. Die nukleare Kettenreaktion wurde durch Schnellabschaltung zwar planmäßig gestoppt. Die Monsterwelle aber legte dann die auf zu tiefem Niveau installierten Dieselaggregate der Notstromversorgung lahm. Sie hätten die weitere Kühlung der Reaktorkerne und der Brennelement-Lagerbecken sicherstellen müssen. Das funktionierte nicht.

In den drei aktiven Reaktoren kam es zur gefürchteten Kernschmelze, in Block eins bereits am ersten Tag nach dem Tsunami, in den Blöcken 2 und 3 etwas später. Es bildet sich eine radioaktive Lava, die sich nach unten durch die Druckbehälter der Reaktorkerne und in die Fundamente der Kellerräume der Anlagen fraß. Explosionen in den Blöcken 1, 3 und 4 zerstörten zudem die Gebäudehüllen. Wochenlang sah die Weltöffentlichkeit TV-Bilder vom Kampf gegen Flammen und Rauch, geführt mit Wasserwerfern und aus Hubschraubern. Erst im Oktober, sieben Monate nach dem Super-GAU, lag die Temperatur aller Reaktoren erstmals dauerhaft unter 100 Grad.

In jahrelanger Arbeit hat Tepco inzwischen knapp 2000 abgebrannte Uran-Brennstäbe aus Lagerbecken in den zerstörten Gebäuden der Reaktoren 3 und 4 entfernt – zum Teil wegen der radioaktiven Belastung mit einem ferngesteuerten Kran. Dies sei „ein wichtiger Schritt“ zur Entsorgung des radioaktiven Materials gewesen, meldete das Unternehmen kürzlich.

Die eigentlich kritische Aufgabe, die Bergung der geschmolzenen Reaktorkerne, wo eine extrem hohe Strahlung herrscht, hat hingegen noch nicht begonnen. Ein fertiges Konzept dafür gibt es nicht, auch ist noch unklar, wo die das dereinst geborgene Material zwischen- und endgelagert werden soll.

Ein weiteres ungelöstes Problem sind die riesigen Mengen kontaminiertes Wasser, rund 1,25 Millionen Tonnen, die derzeit in über 1000 großen weißen Tanks auf dem AKW-Areal gelagert werden. Es handelt sich dabei um Grundwasser, das von außen in die zerstörten Keller der Reaktoren einfließt und sich dort mit radioaktiven Stoffen anreichert. Es wird abgepumpt und in speziellen Anlagen gereinigt, allerdings nicht komplett. Tritium, ein Isotop des Wasserstoffs, lässt sich nicht entfernen. Täglich kommen 170 Tonnen hinzu. Betreiber Tepco rechnet damit, dass sämtliche verfügbaren Tanks im Jahr 2022 voll sein werden.

Seit Jahren wird darüber debattiert, ob das Wasser ins Meer abgelassen werden kann oder nicht. Japans Regierung hat sich laut Medienberichten inzwischen dafür entschieden, eine offizielle Bestätigung gibt es aber noch nicht. Heftig Widerstand leistet die regionale Fischwirtschaft, die einen Absatzeinbruch befürchtet. Auch Südkorea hat Protest eingelegt. Andere Lösungen wären ein Verdampfen des Abwassers oder der Bau weiterer Tanks an anderen Standorten – beides deutlich teurer als das Ablassen ins Meer.

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