Taxibranche gegen Uber

Eine gefährliche Haltung

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Wer sich radikal auf die Seite des Kunden stellt, stellt sich gegen viele andere. Das sollte bedenken, wer Firmen wie Uber verteidigt. Die Analyse.

Die US-Börsen warten auf den nächsten großen Börsengang: Uber, eine digitale Plattform, die Passagiere und Fahrer mit eigenem Pkw zusammenführt und damit dem Taxi-Gewerbe die Existenzgrundlage bestreitet. Gegen das Vordringen von Uber haben Taxifahrer protestiert. Die Verteidiger des US-Konzerns argumentieren mit dem Nutzen für die Kunden – eine ebenso verbreitete wie gefährliche Argumentation.

Dort, wo Uber frei operieren darf, hat es gegenüber dem professionellen Transportgewerbe entscheidende Vorteile: Seine Fahrer sind freie Auftragnehmer und keine Angestellten. Sie können ihren Job als Zusatzverdienst betreiben, ihr Uber-Einkommen muss nicht unbedingt zum Leben reichen. Zudem wird Uber eher lax reguliert, während das Taxigewerbe strengen Auflagen unterliegt.

All das ermöglicht es dem Konzern, seine Fahrten billig anzubieten. Gegen die Öffnung des deutschen Fahrdienstmarktes protestieren daher die Taxifahrer. Ihr Anliegen sei jedoch verfehlt, so der Blogger Richard Gutjahr. Seine Argumentationsform ist klassisch.

Im ersten Schritt gesteht Gutjahr zu, dass die Digitalisierung traditionelle Gewerbe in Bedrängnis bringt. Das sei bei Uber nicht anders als bei Amazon, der den Einzelhandel in die Pleite treibt. „Ganze Branchen werden von der nicht mehr ganz so neuen New Economy herausgefordert.“

Im zweiten Schritt weist er das Anliegen der Konkurrenzverlierer pauschal zurück mit dem Argument, der Markt sei halt so, das sei „die neue Realität“. Im dritten Schritt kommt er zu seinem eigentlichen Punkt: Verschärfte Konkurrenz bedeute nichts anderes als dass die „Kunden durch Digitalisierung und Vernetzung an Macht gewonnen haben. Der Gegner ist nicht Uber. Der Gegner sind die neuen, emanzipierten Kunden.“ In einer solchen Situation helfe nur eines: „radikale Kundenorientierung“. Und da habe das Taxigewerbe einiges versäumt.

Aus dieser Interpretation der Lage folgt: Das Taxigewerbe ist selbst schuld an seiner Misere. Grund für sein Scheitern ist nicht länger Uber, sondern die Versäumnisse der Taxifahrer. Nicht der Angriff führt zur Niederlage, sondern die ausgebliebene Gegenwehr. Die Argumentation, der Konkurrenzverlierer sei selbst die Ursache, wirkt befriedend. Denn wer selbst schuld ist, hat keinen Grund zur Beschwerde.

Zum eigentlichen Subjekt und Profiteur der „neuen Realität“ wird nicht Uber erklärt, sondern der Kunde. Wenn der zu Uber wechselt, müssen sich die Taxifahrer halt etwas einfallen lassen, wie sie billiger werden können. Diese Argumentationsform ist gefährlich. Sicher profitieren die Kunden von niedrigeren Preisen. Unternehmen argumentieren daher gern gegen Streiks und höhere Mindestlöhne mit dem Verweis, dass der Kunde darunter leide und präsentieren so ihr betriebswirtschaftliches Interesse als Dienst am Allgemeinwohl.

Was begeisterte Schnäppchenjäger aber übersehen: Arbeitnehmer und Kunde sind die gleiche Person – einmal vom Einkommen her gesehen, das andere Mal von den Ausgaben. Wer sich radikal auf die Seite des Kunden stellt, stellt sich schnell gegen die Arbeitnehmer. Amazon-Chef Jeff Bezos, den die Niedriglöhne seiner Lagerarbeiter zum reichsten Mann der Welt gemacht haben, erklärte einst, sein Unternehmen sei „besessen von der Kundenzufriedenheit“.

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