Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Zwischen Wolkenkratzern: Özcan ist die Deutschlandchefin der türkischen Akbank AG.
+
Zwischen Wolkenkratzern: Özcan ist die Deutschlandchefin der türkischen Akbank AG.

Gleichberechtigung

Eine Frau, die es geschafft hat

  • Nina Luttmer
    VonNina Luttmer
    schließen

Frauen, die eine Bank führen, sind in Deutschland immer noch eine Rarität. Banu Özcan zeigt, wie es geht: Sie leitet die deutsche Tochter der Akbank – der größten Bank der Türkei. Nebenbei sitzt sie auch im Beirat der Bundesbank Hessen – gemeinsam mit 13 Männern.

Dem Sprecher des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) ist es spürbar peinlich. „Nein, wir haben leider keine Mitgliedsbank, die von einer Frau geführt wird“, sagt er. Und ruft dann kurz darauf doch nochmal zurück. „Entschuldigung, uns ist da doch noch etwas eingefallen…“

Frauen, die eine Bank führen, sind in Deutschland immer noch eine Rarität. Die Volksbanken haben ein paar Chefinnen, die Sparkassen auch, bei den deutschen Privatbanken – die der BdB vertritt – gibt es zwar weibliche Vorstände, aber keine einzige Chefin. Alleine einige hierzulande tätige Auslandsbanken – die türkische Akbank und die ebenfalls türkische Ziraat Bank, die chinesische Agricultural Bank of China, die norwegische DNB Bank und die dänische Danske Bank werden von Frauen geführt.

Eine dieser Frauen ist Banu Özcan. Seit April 2012 leitet sie die deutsche Tochter der Akbank – der größten Bank der Türkei. Mit vierzig Mitarbeitern residiert sie im neunten Stock des Taunus-Turms, mitten im Frankfurter Bankenviertel. Wie hat sie es in der männerdominierten Finanzwelt an die Spitze geschafft? „Ich wusste schon als Kind: Ich will nach ganz oben. Man muss es einfach wollen“, sagt sie mit einem leicht süddeutschen Dialekt, der ihre Herkunft verrät. 1963 wurde sie in der Türkei geboren, aber schon als kleines Kind kam sie mit ihrer Familie nach Deutschland und wuchs in der Nähe von Pforzheim auf. Nach dem BWL-Studium in München ging sie zurück in die Türkei und begann in Istanbul ihre Banklaufbahn.

Vielleicht half ihr auch das bei der Karriere. In der Türkei schaffen Frauen es häufiger an die Unternehmensspitze als in Deutschland. „Gerade im Finanzsektor gibt es in der Türkei sehr viele Frauen in Führungsjobs“, sagt Özcan.

„Das wird da auch gar nicht hinterfragt.“ Laut einer weltweiten Untersuchung des Unternehmens GMI Ratings werden 11,1 Prozent der türkischen Unternehmen von Frauen geführt, nur Norwegen schneidet besser ab. „Die familiären Strukturen sind in der Türkei einfach anders. Nach der Geburt der Kinder gehen die Frauen meistens schon nach wenigen Monaten zurück in den Job; die Oma oder die Tante kümmern sich um den Nachwuchs, das ist gesellschaftlich akzeptiert. So etwas wie Teilzeitarbeit kennt man in der Türkei dagegen gar nicht“, erzählt Özcan. Sie selbst hat keine Kinder.

Engagement im Frauen Finanzforum

Auch die türkische Akbank – was übersetzt „reine Bank“ bedeutet – wird von einer Frau geführt. Und auch die Holding, die über der Akbank steht, ist in Frauenhand. Nach ihren ersten Erfahrungen in der Bankbranche kehrte Özcan 1997 aus der Türkei nach Deutschland zurück – zunächst nach Düsseldorf.

Dann ging es 2001 weiter nach Rotterdam, wo sie den holländischen Ableger der Akbank aufbaute, der 2012 mit der deutschen Akbank fusionierte. Seit 2012 ist sie in Frankfurt und fühlt sich in der Main-Metropole richtig wohl. „Ich bin ein großer Frankfurt-Fan“, sagt sie. Von daher ist es ihr auch nicht schwergefallen, dass Angebot des Frankfurter Oberbürgermeisters Peter Feldmann anzunehmen, internationale Botschafterin für den Wirtschaftsstandort Frankfurt zu werden. In dieser Funktion soll sie die Stadt sozusagen vermarkten.

Nebenbei sitzt sie auch im Vorstand des Verbands der Auslandsbanken. Und im Beirat der Bundesbank Hessen – gemeinsam mit 13 Männern. Das irritiert sie allerdings nicht mehr. „Es gab mal Zeiten, da kam ich mir schon seltsam vor, wenn ich in einen Raum kam und da zwanzig Männer saßen. Aber jetzt ist das für mich normal“, sagt sie. „Als Exotin habe ich mich nie gefühlt.“

Um jungen weiblichen Führungskräften ihre Erfahrungen weiterzugeben, engagiert sich Özcan auch im Frauen Finanzforum. Weibliche Vorstände aus dem Finanzsektor versuchen dort, junge Frauen weiterzubringen. „Ich sage den Frauen immer: Ihr müsst das wollen und dafür arbeiten. Es kommt niemand zu euch und fragt: ,Willst Du Vorstand werden?‘“

Die gesetzliche Frauenquote, die ab 2016 für die Aufsichtsräte von Großunternehmen eine Quote von 30 Prozent Frauen vorschreibt, findet sie positiv. „Ich glaube, man braucht die Quote – nicht nur für Aufsichtsräte, sondern auch für die Vorstandsetagen. Frauen in Deutschland werden einfach nicht genug gefördert.“

Ihre Bank hat sie in den vergangenen Jahren nach vorne gebracht. Das Institut wächst rasant. Während die Akbank in der Türkei auch in großem Stil Privatkundengeschäft betreibt, ist die deutsche Tochter auf das Firmenkundengeschäft spezialisiert. So finanziert sie große internationale Unternehmen in der Türkei, die in Europa Geschäfte machen wollen – und begleitet deutsche Firmen in die Türkei. Das Geschäft boomt, die Türkei ist schließlich ein wichtiger Handelspartner Deutschlands. Die Akbank macht aber auch Geschäfte mit Firmen ohne Bezug zu ihrem Heimatland.

Privatkunden können Fest- und Tagesgeld bei dem Institut anlegen, allerdings nur online. Derzeit zählt die Bank hierzulande etwa 21 000 Privatkunden mit 500 Millionen Euro Einlagenvolumen. Die Bilanzsumme ist von 1,3 Milliarden Euro 2012 – als Özcan übernahm – auf zuletzt 4,6 Milliarden Euro gestiegen. „Mein Traum wäre, das wir irgendwann 15 Milliarden Euro erreichen. Man braucht ja Träume“, sagt Özcan lächelnd. „Aber dahin ist es natürlich ein langer Weg.“

Allerdings, betont sie, wolle sie dafür keine Risiken eingehen: „Wir machen nur das Geschäft, das wir verstehen. Keine Abenteuer.“ Dass das bislang ganz gut geklappt hat, zeigen die Kreditausfälle der Bank: Seit ihrer Gründung in Deutschland 1998 musste das Institut keinen einzigen Kreditausfall verkraften. „Die Ausfallrate war immer null. Das nenne ich konservativ“, sagt Özcan.

Und was hat sie sonst noch für Träume? „Ich möchte in den Aufsichtsrat eines Unternehmens einziehen, das Beziehungen zur Türkei hat“, antwortet sie. Schaut man sich ihren Werdegang an, besteht kein Zweifel: Das wird klappen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare