Frankreichs Finanzminister Le Maire trifft seinen deutschen Amtskollegen Peter Altmaier zur Videokonferenz.
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Frankreichs Finanzminister Le Maire trifft seinen deutschen Amtskollegen Peter Altmaier zur Videokonferenz.

Digitalpolitik

Eine Datenwolke namens Gaia X

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Die deutsche und die französische Regierung haben Pläne für einen europäischen Clouddienst vorgestellt. Mehr Unabhängigkeit von US-Konzernen ist das Ziel.

Millionen von Arbeitnehmern haben in den vergangenen Wochen eine Lernerfahrung gemacht. Nämlich, wie schnell es geht, vom Arbeiten im Büro auf Homeoffice umzustellen. Möglich macht’s die Cloud. Also das Nutzen von Programmen und Daten, die in der Datenwolke abgespeichert sind und deshalb von überall abgerufen werden können.

Ohne Clouddienste geht gar nichts mehr. Und damit Unternehmen in Europa nicht von Anbietern aus den USA und China abhängig werden, haben die deutsche und die französische Regierung am Donnerstag ihre Pläne für ein Netz von Rechenzentren vorgestellt, die eine unabhängige und offene Infrastruktur bilden sollen: Gaia-X heißt das höchst ehrgeizige Projekt.

Für Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) steht die Initiative in engem Zusammenhang mit dem milliardenschweren Wiederaufbauplan der EU. Mit Gaia-X strebe man „nichts Geringeres an als einen europäischen Moonshot in der Digitalpolitik“, sagte er am Donnerstag. Bruno Le Maire, Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister, betonte, in der Corona-Krise sei klar geworden, wie wichtig eine sichere IT-Infrastruktur sei, auch für die Telearbeit. Dabei dürfe man nicht von anderen Großmächten abhängig sein. „Wir sind nicht die USA, wir sind nicht China, wir sind europäische Länder mit eigenen Interessen und Werten.“

22 Firmen aus Deutschland und Frankreich wollen nun eine internationale, nicht-gewinnorientierte Organisation nach belgischem Recht gründen, die sich zügig an die Umsetzung machen soll. Und zwar unter Wahrung strenger Datenschutzvorschriften. Der hiesige Branchenverband Bitkom nannte die Gründung einen „Meilenstein auf dem Weg zu einer europäischen Cloud- und Dateninfrastruktur“. Gaia-X müsse möglichst bald erste Angebote auf den Markt bringen. Früheren Angaben zufolge soll Ende 2022 damit begonnen werden.

Der Name entstammt der griechischen Mythologie. Gaia ist die Urgottheit der Erde. Als Altmaier das Projekt aber vor gut einem halben Jahr der Öffentlichkeit präsentierte, wurde es von manchem Experten belächelt und von anderen mit einem Stirnrunzeln bedacht. Schließlich ist die Aufgabe enorm.

Für Marktforscher besteht indes kein Zweifel: Die Cloud ist der wichtigste Baustein für die Informationstechnik der Zukunft. Sie bringt Wettbewerbsvorteile. Denn Unternehmen können damit riesige Rechenleistung nach Bedarf abrufen. Das ist erheblich billiger als eigene Server zu unterhalten.

Noch viel wichtiger dürfte werden, dass Clouddienste riesige Datenmengen (Big Data) liefern können. Je größer diese sind, desto besser lassen sich Analyseprogramme mit sogenannter Künstlicher Intelligenz fahren. Nicht nur Systeme zur Steuerung des Verkehrs oder der Stromerzeugung werden künftig mit solchen Algorithmen arbeiten, sondern auch Forschung und Entwicklung, Vertrieb und Marketing in Unternehmen. Davon wird wirtschaftlicher Erfolg maßgeblich abhängen.

Kontrolliert werden Datenwolken bislang vor allem von den drei US-Konzernen Amazon, Microsoft und Google. Hinzu kommt der chinesische Online-Gigant Alibaba.

Geld für Gaia-X soll unter anderem aus dem EU-Budget kommen. Binnenmarkt-Kommissar Thierry Breton hat zwei Milliarden Euro versprochen. Weitere bis zu sechs Milliarden Euro sollen von nationalen Regierungen und von Unternehmen kommen.

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