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Selbstfahrende Autos sind auf dem Vormarsch.
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Selbstfahrende Autos sind auf dem Vormarsch.

Selbstfahrende Autos

Eine Bremse für Raser

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Selbstfahrende Autos könnten dafür sorgen, dass Tempolimits strikt eingehalten werden. Doch die EU-Kommission hat offenbar Zweifel, ob sich eine entsprechende Regelung durchsetzen lässt.

Das selbstfahrende Auto kommt. Nicht nur Google, auch die klassischen Autobauer arbeiten längst daran. Eines der wichtigsten Ziele dabei: Autonome Pkw, die von Computern mit Sensoren und Kameras gesteuert werden, sollen den Straßenverkehr sicherer machen. Vor allem das Einhalten der Tempolimits – von Tempo 30 in Wohngebieten bis 130 auf geschwindigkeitsbegrenzten Autobahnstücken – könnte dadurch automatisch garantiert werden. Es wäre eine Bremse für Raser. Die EU-Kommission betont die großen Vorteile einer solchen Regelung, doch sie hat offenbar Zweifel, ob sie sich durchsetzen lässt.

Die EU-Kommission will die Zahl der Unfälle und der dadurch getöteten oder verletzten Menschen in der Union weiter senken. Sie hat dazu eine Reihe von Maßnahmen zur Diskussion gestellt, etwa die automatische Notfall-Bremsung, die Erkennung von Übermüdung von Fahrern und Blockier-Einrichtungen für Alkoholfahrten. Brüssel zufolge hat aber die Tempokontrolle mit „Intelligenten Tempo-Anpassungs-Systemen“ das größte Potenzial zur Senkung der Unfallzahlen.

Die Systeme zur Tempokontrolle, die Straßenschilder und damit Geschwindigkeitsbegrenzungen erkennen, können allerdings unterschiedlich strikt ausgelegt werden. Entweder das System wird so programmiert, dass die jeweilige Tempogrenze immer absolut eingehalten wird. Oder der Fahrer bekommt die Möglichkeit, diese Begrenzung abzuschalten respektive ein höheres Tempo einzustellen. Oder aber das System gibt dem Fahrer nur ein Signal, wenn er zu schnell ist.

Die EU-Kommission stellt klar, dass das strikteste System am meisten bringen würde. Die Zahl der Unfälle würde laut den von ihr ausgewerteten Studien um bis zu 30 Prozent zurückgehen, während es bei dem Nur-Hinweis-System gut acht Prozent wären. Die Zahlen sprechen also eindeutig für die klare Limit-Einhaltung.

Doch die Experten der Kommission haben offenbar Sorge, dass eine entsprechende Vorschrift bei den Autofahrern nicht gut ankommt. Sie erwarten „weniger öffentliche Zustimmung“ und „schlechte Akzeptanz bei den Nutzern“. Daher empfehlen sie, die Tempobremse so zu gestalten, dass sie vom Autofahrer „überstimmt“ werden kann – „etwa beim Überholen“. Tempo-Überschreitungen sollten zudem durch „haptische Signale“ angezeigt werden, etwa dadurch, dass sich das Gaspedal automatisch nach oben bewegt.

Auch die Autobauer beschäftigt die Regelung. Nicht nur, weil sie die Freiheit der Kundschaft einschränken könnte. Für Unfälle durch nicht eingehaltene Tempolimits könnten sie künftig womöglich in Haftung genommen werden. Zu den von der EU-Kommission diskutierten Varianten der intelligenten Tempo-Anpassung heißt es bei Europas größtem Autobauer Volkswagen auf FR-Anfrage denn auch: „Wir präferieren die exakte Einhaltung der vorgegebenen Tempolimits.“

Auch der EU-Verkehrspolitiker Michael Cramer (Grüne) dringt auf strikte Regeln. „Unsere Autos werden in Zukunft immer stärker automatisiert fahren und wir müssen eine konsequente Einhaltung der Geschwindigkeitsvorgaben sicherstellen.“ Tempolimits dürften durch die neuen Systeme nicht ausgehebelt werden. Ausnahmen seien bei einigen wenigen Sonderfällen nötig, etwa bei Rettungsfahrzeugen.

Ähnlich argumentiert der Kasseler Verkehrsforscher Professor Helmut Holzapfel. „Die Tempolimits müssen eins zu eins in die Elektronik übernommen werden, sonst macht die Automatik den Verkehr sogar unsicherer“, sagte Holzapfel. Denn es drohe eine schleichende Erhöhung der „als erlaubt geglaubten Geschwindigkeiten“. Bei einem Unfall in der Stadt mit 55 statt 50 Kilometern würden mehr als 20 Prozent mehr Aufprallenergie frei, rechnete der Diplomingenieur vor. Besonders Fußgänger und Radfahrer seien dann deutlich stärker gefährdet.

Das Argument, bereits heute würden die Verkehrsbehörden wegen der Messungenauigkeiten beim „Blitzen“ gewisse Überschreitungen der Tempolimits dulden, ließ Holzapfel nicht gelten. „Bauen Hersteller entsprechende Toleranzen in den Autopilot ein, ist das illegal, denn das eigentliche Limit gilt de facto nicht mehr.“ Moderne GPS-gestützte Systeme könnten das Tempo fast auf den Stundenkilometer genau erfassen, auch deshalb seien Toleranzen unnötig.

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