Das Lufthansa-Personal hofft auf die Zustimmung der Aktionäre zur Rettung.
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Das Lufthansa-Personal hofft auf die Zustimmung der Aktionäre zur Rettung.

Airline

Eindringlicher Appell an die Lufthansa-Aktionäre

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Vorstandschef und Aufsichtsrat werben um Zustimmung für das staatliche Rettungspaket. Die EU-Kommission segnet die Hilfen ab.

Auch für Karl-Ludwig Kley müssen es anstrengende Wochen gewesen sein. Die Verhandlungen über das staatliche Rettungspaket seien häufig wie eine Achterbahnfahrt gewesen, wobei öfter auch die Achterbahn während der Fahrt gewechselt wurde, so der Aufsichtsratschef der Lufthansa zu Beginn der außerordentlichen Hauptversammlung am Donnerstag. Einziger Tagesordnungspunkt: das neun Milliarden Euro schwere staatliche Hilfspaket. Kley versäumte es wie auch Konzernchef Carsten Spohr nicht, auf die historische Dimension der Angelegenheit zu verweisen – in einer Reihe mit der Gründung (1926), der Neugründung (1955) und der Privatisierung (1997) des Unternehmens.  

Beide appellierten denn auch unisono an die Aktionäre, dem Konzept zuzustimmen, weil es keine Alternative gebe. Sahen 98 Prozent der Anwesenden dann auch ein – der vorher so zögerliche Großaktionär Heinz Hermann Thiele inklusive – und gaben ihr Placet für die Hilfe aus der Hauptstadt.  

Europas größte Airline-Gruppe musste wegen Corona ihren Flugbetrieb zeitweise fast vollständig einstellen. Kley sagte: „Jetzt haben wir kein Geld mehr.“ Er machte klar, dass das gesamte Kapital, das der Staat nun zur Verfügung stellt, auch zurückgezahlt werden muss. Das sei schön für den Steuerzahler, bringe aber für das Unternehmen erhebliche Belastungen. Der dickste Brocken ist eine stille Einlage in Höhe von 5,7 Milliarden Euro, die die Lufthansa zurückzahlen und für die sie bis dahin auch Zinsen aufbringen muss. Außerdem erhält der Konzern einen Kredit über drei Milliarden Euro, die kommen von einem Bankenkonsortium unter Führung der staatlichen KFW, die auch für 80 Prozent des Darlehens geradesteht. Und schließlich erwirbt der Bund für 300 Millionen Euro frische Aktien zum Vorzugspreis von 2,56 Euro. Gestern notierte das Papier bei zehn Euro. Der Rabatt soll helfen, dass der Staat die Papiere mit Gewinn wieder abstoßen kann. Die Anteilsscheine bringen eine Beteiligung des Staates von 20 Prozent und zwei Sitze im Aufsichtsrat. Kley betonte, es seien ein schneller Ausstieg und keine politischen Eingriffe in das operative Geschäft geplant. Spohr sekundierte mit dem Hinweis, dass es ohne den Bund nicht gelungen wäre, ausreichend Geld zur Rettung aus der Malaise zu erhalten, in die sein Unternehmen „unvermittelt und unverschuldet“ geraten sei. Der Kapitalmarkt sei nicht bereit, genügend Mittel zur Verfügung zu stellen. Ohne die Unterstützung des Bundes wäre die Insolvenz des Unternehmens unabwendbar, und diese würde neben anderen Risiken für die Anteilseigner einen vollständigen Verlust ihres Aktienkapitals bedeuten.  

Diese drastischen Aussichten haben dann auch offenbar Großaktionär Thiele umgestimmt. Er hatte sich in den vergangenen Wochen ein Aktienpaket von 15,5 Prozent zusammengekauft, womit er die notwendige Zustimmung der Eigner hätte blockieren können – eine Zweidrittelmehrheit der virtuell auf der Hauptversammlung Anwesenden war notwendig. Mit einem Nein drohte er denn auch. Sein Ziel waren Nachverhandlungen. Doch der Coup scheiterte. Am Mittwochabend lenkte er ein und kündigte seine Zustimmung an.  

Nach der Hauptversammlung stehen an diesem Freitag Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern des Bodenpersonals und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi an. Spohr sprach von einem bislang enttäuschenden Verlauf. Es müssten schnell große Fortschritte erzielt werden, wenn der „Personalüberhang am Boden“ nicht in betriebsbedingte Kündigungen münden soll.  

Erfreulicher sei es bei den Flugbegleitern gelaufen, so Spohr. Man habe eine Absenkung der Personalstückkosten um 17 Prozent für den Krisenzeitraum erreicht. Der Kompromiss wurde in der Nacht zum Donnerstag erzielt. Das Paket umfasst laut der Kabinengewerkschaft Ufo einen vierjährigen Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen sowie ein Einsparvolumen von mehr als einer halben Milliarde Euro bis Ende 2023. Laut Lufthansa werden unter anderem die Anhebung von Vergütungen ausgesetzt sowie die Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung zeitweise reduziert. 

Mit den Piloten peilt Spohr nun ein ähnliches Ergebnis an. Die Flugzeugführer hatten bereits einen Lohnverzicht von rechnerisch bis zu 45 Prozent angeboten, das könnte sich auf maximal 350 Millionen Euro summieren. Spohr geht davon aus, dass etwa 22 000 Beschäftigte weltweit das Unternehmen werden verlassen müssen, davon die Hälfte in Deutschland. Insgesamt sind bei der Lufthansa 138 000 Frauen und Männer beschäftigt. Ein weiterer Mosaikstein: Die Wettbewerbshüter der Europäischen Kommission haben am Donnerstag das Paket genehmigt. Die Freigabe der Hilfen zur Rekapitalisierung (stille Beteiligung plus Staatsaktien) unterliegt allerdings der Bedingung, dass Wettbewerbsverzerrungen dadurch vermieden werden.  

So muss die Airline wertvolle Start- und Landerechte an den wichtigsten Flughäfen in Frankfurt und München abgeben. Dies soll es Konkurrenten ermöglichen, dort neue Basen mit jeweils bis zu vier Flugzeugen aufzubauen. Zudem gilt die Auflage, dass während der Sanierung keine Dividenden an die Aktionäre und keine Boni an die Manager gezahlt werden.

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