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Zum IPO wurde die New Yorker Börse mit Pinterest-Werbung geschmückt.

Börsengänge

Pinterest und Zoom machen Hoffnung auf mehr Börsengänge

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Experten erwarten, dass in diesem Jahr wieder viele große Börsengänge kommen werden. Die US-Firmen Pinterest und Zoom haben gerade erfolgreich den Sprung aufs Parkett geschafft.

Die vergangenen Monate ging es in Sachen Börsengänge sehr mau zu. Die Ungewissheit beim Brexit, die weltweiten Handelskonflikte, die zeitweilige Haushaltssperre in den USA – all das vermieste den Appetit auf Initial Public Offerings (IPOs). Die Beratungsgesellschaft EY registrierte im ersten Quartal weltweit 40 Prozent weniger Neuemissionen als im Vorjahr. Doch nun nimmt das Thema Fahrt auf. Das Fachblatt „Der Aktionär“ spricht gar von einem „regelrechten Sturm“, der durchs Fenster wehe.

Gerade haben die Internet-Fotoplattform Pinterest und Zoom, ein Dienst für Videokonferenzen, den Sprung auf das US-Börsenparkett geschafft. Mit Marktwerten von fast zwölf Milliarden Dollar bei Pinterest und sogar gut 15 Milliarden Dollar bei Zoom spielen sie auf Anhieb in der Liga von deutschen Konzernen wie RWE und Lufthansa.

Pinterest, 2010 gegründet, ist eine Mischung aus Netzwerk und Bilder-Suchmaschine. Angemeldete Nutzer können Fotos nach Themen sammeln. Beispielsweise wenn ein neues Sofa für das Wohnzimmer oder ein Urlaubsort in Süditalien gesucht wird. Die gefundenen Bilder können an eine virtuelle Pinnwand geheftet werden. Die zwischengeschaltete Werbung bringt die Einnahmen – aber noch nicht genug: Pinterest ist es in rund neun Jahren noch nicht gelungen, Geld zu verdienen. Aber immerhin konnten 2018 die Verluste im Vergleich zum Vorjahr auf 63 Millionen Dollar mehr als halbiert werden.

Es gibt Wachstumsmöglichkeiten bei Pinterest

Natürlich muss es bei so einem Unternehmen eine glaubhafte Story für künftige Gewinne geben. Bei Pinterest sind es die Potenziale, die in der Werbung und in „Shopping-Pins“ stecken: Nutzer können durch einen Klick auf ein Bild das entsprechende Produkt kaufen. In den USA macht die Firma mit ihrer Werbeplattform gut drei Dollar Umsatz pro Nutzer und Jahr, im Rest der Welt sind es im Schnitt nur neun Cent – dort wurden Reklame und Shopping-Pins erst kürzlich gestartet. Die Mehrheit der insgesamt 265 Millionen Nutzer sitzt außerhalb der Vereinigten Staaten, es gibt also noch Wachstumsmöglichkeiten. Darauf setzen die Anleger: Das Pinterest-Papier kletterte am Donnerstag nach der Erstnotiz an der New Yorker Börse (Nyse) um zeitweise 25 Prozent.

Zoom legte zeitgleich an der Technologiebörse Nasdaq sogar um bis zu 80 Prozent zu. Der Videodienst-Anbieter hatte schon vor dem Börsengang eine große Nachfrage unter Investoren erlebt. So konnte der Ausgabepreis mehrmals erhöht werden – auf zuletzt 36 Dollar pro Anteilsschein. Das Interesse hat auch damit zu tun, dass das Unternehmen für 2018 schon einen kleinen Gewinn von knapp 7,6 Millionen Dollar ausweisen konnte.

Martin Steinbach, Partner bei der Beratungsgesellschaft EY, rechnet nach den erfolgreichen Premieren mit weiteren Börsengängen: „In den USA entwickelt sich der Markt für Börsengänge insbesondere für junge Technologieunternehmen – sogenannte Einhörner – gut.“ Gemeint sind damit Start-ups, die mehr als eine Milliarde Dollar wert sind. „Die gute Entwicklung auf der anderen Seite des Atlantiks dürfte in den kommenden Monaten auch auf Europa ausstrahlen.“

Jumia löst Euphorie aus

Ins Bild passt da die Euphorie, die ein Start-up ausgelöst hat, das offiziell in Berlin zu Hause ist. Es heißt Jumia, wird als das afrikanische Amazon gefeiert und debütierte schon Ende voriger Woche an der Nyse. Der Ausgabekurs lag bei 14,50 Euro. Am Donnerstagnachmittag kostete eine Aktie schon rund 40 Euro.

Der Firmensitz in der Hauptstadt hat damit zu tun, dass die Berliner Internet-Holding Rocket Internet zu den Anteilseignern gehört. Investiert haben außerdem der südafrikanische Mobilfunker MTN, die US-Kreditkartenfirma Mastercard und der französische Getränkekonzern Pernod Ricard. Jumia ist in derzeit 14 afrikanischen Ländern aktiv. Bald sollen weitere folgen. Schließlich sei der Onlinehandel in Afrika da, wo er vor 20 Jahren in Europa und den USA war, betonen die Jumia-Manager gerne.

In naher Zukunft werden vor allem Erstnotizen in den USA im Fokus stehen – etwa vom Unterkunft-Vermittler Airbnb und dem Massagingdienst Slack. Aber vor allem kommt Uber. Der Börsengang des Fahrdienstvermittlers könnte der größte weltweit seit mindestens fünf Jahren werden. Uber wird derzeit auf einen Gesamtwert von etwa 100 Milliarden Dollar taxiert.

Doch allzu viel Euphorie kann auch kontraproduktiv sein. Der Uber-Rivale Lyft wurde vor dem IPO sehr hoch gehandelt und rutschte danach heftig ab. Seit dem Börsendebüt Ende März ging es um fast 20 Prozent nach unten. Spekulanten setzen nun auf fallende Kurse. Und bei Gericht liegen bereits zwei Sammelklagen, die dem Management vorwerfen, die Marktposition des Unternehmens im Börsenprospekt zu positiv dargestellt zu haben.

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