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Nicht vielen Menschen ist bekannt, dass die automatische Autowaschanlage eine Erfindung aus Deutschland ist.
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Nicht vielen Menschen ist bekannt, dass die automatische Autowaschanlage eine Erfindung aus Deutschland ist.

Autowaschanlagen

Washtec aus Augsburg: Ein eher unbekannter Champion

  • Nina Luttmer
    VonNina Luttmer
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Die Firma Washtec aus Augsburg stellt Autowaschanlagen her und ist damit weltweit erfolgreich. Doch jetzt macht ihr auch die Pandemie zu schaffen - und der Trend, dass die Deutschen ihre Fahrzeuge nicht mehr so liebevoll pflegen wie einst.

Das Auto ist wieder blitzeblank, gerade aus der Waschanlage raus – die Besitzerin oder der Besitzer freut sich. Auf die Idee, zu fragen, wer diese Möglichkeit geschaffen hat, kommt man aber eher nicht. Dabei waren es deutsche Unternehmen, die automatische Autowaschanlagen erfanden – und auch heute noch groß damit im Geschäft sind.

Im Jahr 1962 meldeten die Augsburger Gerhard Weigele und Johann Sulzberger ein Patent für eine Anlage an, die auch in kleine Hallen passte: Es war eine Zweibürsten-Anlage, die während des Waschens auf Schienen um den Wagen herumkreiste. Zur etwa gleichen Zeit nahm auch Franz Christ aus Memmingen seine Pionierarbeit in Sachen automatische Waschanlage auf. Beide Unternehmen bestehen noch heute: Die inzwischen Washtec AG genannte börsennotierte Firma in Augsburg und die familiengeführte Otto Christ AG in Memmingen.

Washtec hat am Mittwoch die Zahlen für 2020 vorgelegt. Schon im Februar hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass sich das Ergebnis doch besser entwickelt hat als zunächst angenommen. Der Umsatz ging zwar um 13,2 Prozent auf 378,7 Millionen Euro zurück – das Management hatte ursprünglich aber sogar ein Minus von 15 bis 20 Prozent prognostiziert. Der Gewinn brach um mehr als 40 Prozent auf 13,3 Millionen Euro ein. Denn die Corona-Krise macht auch Washtec, das sich selbst als weltweiten Marktführer seiner Branche bezeichnet, zu schaffen.

Die durchschnittliche Nutzungsdauer einer Waschanlage beträgt sieben bis zehn Jahre. Die Unsicherheit veranlasst aber viele Betreiber:innen dazu, Neuanschaffungen hinauszuzögern. Abnehmer der Maschinen – seien es Portalanlagen, in denen die Autos stehen, Selbstbedienungs-Anlagen oder Waschstraßen – sind vor allem Tankstellen. Aber auch Waschanlagenbetreiber, Autowerkstätten oder Supermärkte. Washtec wartet und repariert die Anlagen auch und verkauft Waschchemie.

Die Zeiten für die Branche sind aber nicht erst seit der Corona-Pandemie herausfordernd. „Der Markt von Autowaschanlagen in Europa ist geprägt in erster Linie durch einen harten Verdrängungswettbewerb und den knallharten Ausschreibungen von großen Mineralölgesellschaften“, schreibt die Otto Christ AG in ihrem Geschäftsbericht 2019.

Außerdem pflegen zumindest die Deutschen ihre Autos nicht mehr so liebevoll wie einst. Laut einer Umfrage von BBE Automotive fuhren sie im Jahr 2019 zwar mehr als 300 Millionen Mal ihre Pkw in Autowaschanlagen oder zu SB-Terminals und ließen sich das 3,2 Milliarden Euro kosten. Die Waschzahlen sänken allerdings von Jahr zu Jahr. Der Anspruch an Optik und Sauberkeit nehme ab, das Auto verliere seinen emotionalen Stellenwert, folgern die Studienautoren. Gleichzeitig wächst die Zahl der zugelassenen Pkw hierzulande zwar weiterhin, jedoch nicht mehr stark.

Auf der anderen Seite hofft die Branche darauf, dass der Trend zu mehr Carsharing auch zu mehr Autowäschen führen wird. Zudem arbeiten die Unternehmen an einer stärkeren Digitalisierung, um für Kundinnen und Kunden attraktiv zu bleiben. So können diese etwa über die App Easy Car Wash von Washtec einen Termin für das gewünschte Waschprogramm buchen, vorab checken, wie lang die Schlange vor der Anlage ist – und online bezahlen oder für unbegrenzte Wäschen eine Flatrate nutzen.

Das Unternehmen legt auch einen Fokus auf Nachhaltigkeit, die Aktie ist in verschiedenen Nachhaltigkeitsfonds enthalten. So bietet es Anlagen mit Wasserrückgewinnungs- und -wiederaufbereitungssystemen an, so dass der Frischwasserverbrauch bei der Fahrzeugwäsche minimiert werden kann. Zum Vergleich: Die Handwäsche eines Autos – die in Deutschland in den meisten Bundesländern gesetzlich verboten ist – verbraucht laut Washtec 180 bis 220 Liter Frischwasser. Die Wäsche in einem Bürstenportal ohne Wasserrückgewinnungssystem 120 bis 170 Liter, in einem Portal mit einer solcher Funktion dagegen nur 14 bis 30 Liter. Die Mehrzahl der Anlagen werde allerdings weiterhin ohne solche Systeme verkauft, so das Unternehmen.

Washtec will auf jeden Fall seine Umsatzanteile im Ausland deutlich erhöhen, vor allem in Nordamerika und in Asien. Im riesigen Markt China etwa dominiert weiterhin die Handwäsche von Pkw, automatische Waschanlagen sind aber auf dem Vormarsch. Die Augsburger haben außerdem ein Sparprogramm aufgelegt. Dazu gehört auch, dass die Zahl der Beschäftigten geschrumpft ist – von 1874 Ende 2019 auf 1770 Ende 2020.

Im vergangenen Jahr gab es für die Aktionärinnen und Aktionäre wegen der durch die Corona-Pandemie bedingten Unsicherheiten erstmals seit dem Geschäftsjahr 2011 keine Dividende. Für 2020 soll es aber 99 Cents je Aktie geben sowie eine Sonderdividende von 1,31 Euro je Papier.

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