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Ein bekennender Links-Keynesianer

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Von: Heinz-Josef Bontrup

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Rudolf Hickel, pensionierter Wirtschaftsprofessor der Universität Bremen, im Homeoffice in einem ausgebauten Spitzboden.
Rudolf Hickel © Eckhard Stengel via www.imago-images.de

Rudolf Hickel will eine breite ökonomische Alphabetisierung in der Gesellschaft erreichen. Die Menschen müssen Ökonomie verstehen, war immer sein Credo. Eine Würdigung zum 80. Geburtstag.

Wenn man Rudolf Hickel gegenübersitzt und seine Dynamik spürt, glaubt man nicht, dass er am Montag dieser Woche sein 80. Lebensjahr vollendet hat. Nach wie vor strahlt er eine Lebenslust und gleichzeitig innere Spannung aus, die einfach faszinieren.

Schon mit 29 Jahren wurde er als Professor für Wirtschaftswissenschaft an die Universität Bremen berufen und sein Lehrstuhl später in Finanzwissenschaft umgewidmet. Lange Jahre war er leitender Direktor des Instituts für Arbeit und Wirtschaft (IAW) der Universität Bremen und im Jahr 1975 mit den Kollegen Jörg Huffschmid und Herbert Schui Gründer der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, die seitdem jedes Jahr ein Gegengutachten zum Sachverständigenrat der Bundesregierung erstellt.

Rudolf Hickel will begeistern und Menschen gewinnen ohne dabei penetrant und dogmatisch zu sein. Er hat ein hohes Sendungsbewusstsein in vielen Medien, in öffentlichen Podiumsdiskussionen und Vorträgen, denn da erreicht man die Menschen und nicht im wissenschaftlichen Elfenbeinturm.

Er will eine breite ökonomische Alphabetisierung in der Gesellschaft erreichen. Die Menschen müssen Ökonomie verstehen, war immer sein Credo. Und deshalb schreibt und schreibt er in vielen Büchern und unzähligen Artikeln. Um das alles zu leisten, muss man als Wissenschaftler die begnadete Fähigkeit haben, komplizierte Zusammenhänge, ohne Substanzverlust, allgemeinverständlich zu erklären – und das häufig in nur ganz kurzer Zeit, zum Beispiel im Radio.

Kein Wirtschaftswissenschaftler kann das so gut wie Rudolf Hickel, dessen Vorlesungen ich als Student selbst erlebt habe. Hier war er in alter wissenschaftlicher Manier ein Dialektiker, der gemeinsam nach einer Synthese suchte und konsensual war. Er hat in seinen Vorlesungen nicht nur das Orthodoxe gelehrt, sondern auch das plural-heterodoxe und sich als Professor an der Uni immer als ein bekennender wirtschaftspolitischer Links-Keynesianer mit einem marxistischen Herzen geoutet.

Das zeichnet ihn bis heute aus – nach wie vor umgeben von rechten und neoliberalen Ökonom:innen. Aber auch seine Gegner schätzen ihn und sie haben Respekt vor Rudolf Hickel. Den verdient er auch. Er ist eben ein richtig Guter und ein sympathischer Mensch, was seine Frau Sabine, mit der er 44 Jahre verheiratet ist, sicher am besten weiß.

Heinz-J. Bontrup ist emeritierter Professor für Wirtschaftswissenschaft und Sprecher der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik.

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