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In den vergangenen Tagen hat Huawei weitere Details über die hausgemachte Alternative zu Android und Windows durchsickern lassen.

Analyse

Eigentor für die USA

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Wegen Präsident Trump darf Huawei Android von Google nicht mehr nutzen. Jetzt kündigen die Chinesen ein eigenes Betriebssystem an.

Der chinesische Telekomausrüster Huawei tritt die Flucht nach vorn an: Das chinesische Unternehmen will schon in den kommenden Monaten ein eigenes Betriebssystem für Digitalgeräte anbieten, wie zahlreiche chinesische Medien berichten. Die Chinesen machen sich damit von US-Anbietern Microsoft und Google unabhängig, die bisher den globalen Markt mit ihren Produktion Windows und Android dominieren. Huawei reagiert damit auf eine Sperre, die Präsident Donald Trump den Technikfirmen seines Landes auferlegt hat. Diese dürfen Huawei vorerst nicht mehr mit Hardware und Software beliefern.

In den vergangenen Tagen hat Huawei weitere Details über die hausgemachte Alternative zu Android und Windows durchsickern lassen. Das Betriebssystem soll „Hongmeng“ heißen. Die Schriftzeichen stecken voller klassischer und moderner Bezüge. Sie sind unter anderem dem Werk des taoistischen Philosophen Zhuangzi (360-290 v.Chr.) entnommen, wo sie „unermessliche Verschwommenheit“ bedeuten. Damit ist eine befreiende Weite gemeint, die Raum für Erleuchtung und Kreativität bietet. Viel aktueller sind aber die Bezüge zur chinesischen Politik. Die Zeichen lassen sich auch als „roter Traum“ verstehen. Das rückt sie in die Nähe des „chinesischen Traums“, den Präsident Xi Jinping derzeit propagiert.

Hongmeng soll sich zum Betrieb von Handys, Tablets, PCs, smarten Fernsehern und den Bordrechnern von Autos gleichermaßen eignen, wie aus einer Markenanmeldung beim chinesischen Patentamt hervorgeht. Es soll App-Anbietern möglich sein, ihren Quellcode direkt auch zur Erstellung von Anwendungen zu verwenden, die unter Hongmeng laufen. Damit ließe sich der App-Store der Chinesen vergleichsweise schnell mit nützlichen Programmen bevölkern. China selbst ist ohnehin ein so großer Markt, dass dort zahlreiche IT-Anwendungen unabhängig von den US-Marktführer gut leben. Beispiele sind die Videoplattform iQiyi oder die Kommunikations-App Wechat.

Schon heute sehen die virtuellen Softwareläden von Xiaomi, Huawei und anderen Anbietern in China völlig anders aus als im Westen. Klassische Google-Anwendungen wie der Playstore, die Maps, aber auch Produkte wie der Facebook Messenger sind dort unbekannt. Das gleiche gilt für europäische und amerikanische Nachrichtenportale. Stattdessen bevölkern eigene chinesische Anwendungen den Bildschirm. Die große Zahl vorhandener Alternativen könnte Huawei künftig auch weltweit nutzen. Dem eigenen Software-Ökosystem, den „Huawei Mobile Services“, würde dann entsprechend größere Bedeutung zukommen.

Huawei hat die eigene Softwareplattform nicht einfach aus dem Hut gezaubert. Teams von Softwareentwicklern tüfteln schon seit sieben Jahren an einem eigenen Betriebssystem. Die Ressourcen, die Huawei dafür zur Verfügung stehen, sind gigantisch: Für das Unternehmen arbeiten 80 000 Ingenieure und Softwareentwickler, 13 Milliarden Euro im Jahr fließen in Forschung und Entwicklung. Firmenpatriarch Ren Zhengfei, 74, arbeitet schon lange auf größere Unabhängigkeit von westlichen Zulieferern hin. So wird der Trump-Schock letztlich dazu führen, dass Chinas IT-Industrie ihre technische Unabhängigkeit viel schneller erreicht als bisher erwartet. Ökonom sehen in Trumps Exportbeschränkungen gegen China daher ein Eigentor.

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