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Die Korruption nimmt zu - auch in Deutschland. (Archivbild)

Umfrage

Eigene Erfahrungen mit Korruption sind selten

Die Antikorruptions-Organisation hat die Bürger zur Korruption befragt. Die ist nicht nur schlimmer geworden - ein Viertel der Bürger gibt zu, beteiligt zu sein.

Von Matthias Thieme

Viele Bürger halten Politiker für käuflich und sehen die Korruption in Deutschland auf dem Vormarsch. Das geht aus dem Korruptionsbarometer 2010 hervor, einer weltweiten Studie von Transparency International (TI), die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. So glauben sieben von zehn Bürgern, dass die Bestechlichkeit in Deutschland zugenommen habe.

Diese Zahlen seien ein „Warnsignal, das die Politik aufrütteln sollte“, sagte die deutsche TI-Chefin Edda Müller. Allerdings hätten nur zwei Prozent der Befragten eigene Erfahrungen mit dem Thema Korruption gemacht. Auch sei das Vertrauen der deutschen Bürger in Polizei und Justiz höher als in anderen Ländern.

In Deutschland sehe man die starke Nähe zwischen Wirtschaft, Lobbyisten und der Politik als bedenklich an, sagte Müller. Transparency fordert deshalb erneut eine Reform der Parteienfinanzierung und eine Offenlegungspflicht für Sponsoring in der Politik. Entscheidend bei der Korruptionsvermeidung sei eine systematische Stärkung der Strafverfolgung, so Müller. Nötig seien Schwerpunktstaatsanwaltschaften in allen Bundesländern sowie mehr Ermittler. Bisher gibt es solche Sondereinheiten nur in neun von 16 Bundesländern.

92.000 Befragte weltweit

Transparency hatte weltweit rund 92 000 Menschen in mehr als 80 Ländern befragen lassen. Global gesehen nimmt die Korruption zu: Jeder Vierte sagte, er habe in den vergangenen zwölf Monaten Schmiergeld gezahlt. Meist, um bei Behörden Nachteile abzuwenden oder Entscheidungen der Bürokratie in Gang zu setzen. Im mittleren und südlichen Afrika bekannte sich dazu sogar jeder zweite – ebenso in Ländern wie Afghanistan oder Kambodscha. Oftmals ging es um Zahlungen an Gesundheits- oder Steuerbehörden sowie die Polizei.

Dass in Deutschland so viele Bürger an eine Zunahme der Korruption glauben, liegt laut Müller auch an den öffentlichen Debatten über Parteiensponsoring, Fangprämien im Gesundheitswesen, Wirtschafts- und Fußballwettskandale oder die „Geheimverhandlungen“ der Politik mit Stromkonzernen und der Pharmaindustrie.

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