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Der leidenschaftliche Motorradfahrer Herbert Diess soll sich jetzt um die Wolfsburger Autos kümmern.

Neuer VW-Chef

Ehrgeiziger Modernisierer

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Herbert Diess soll den alten Riesen VW aufpolieren. Ein Porträt.

Herbert Diess mag es schnell. Deshalb fährt er auch leidenschaftlich gerne mit dem Motorrad. Künftig wird er dazu wohl nur noch wenig Zeit haben. Der gebürtige Münchner soll den Vorstandsvorsitz bei Volkswagen übernehmen und Matthias Müller ablösen. Diess, Jahrgang 1958, ist bei den Wolfsburgern noch immer ein Newcomer.

Seit Sommer 2015 arbeitet er für Volkswagen. Damals wurde dringend ein Manager gebraucht, der die Kernmarke des Konzerns voran bringt. Bei VW gab es vor allem ein Problem: Trotz wachsendem Absatz und Umsatz stimmte die Rendite nicht. Inzwischen hat sich da einiges getan. Doch der Weg war steinig. Diess, der als extrem ehrgeizig gilt, musste erst einige Gefechte mit dem mächtigen Betriebsrat auskämpfen, bevor man sich auf ein gemeinsames Konzept einigte, mit dem bis 2020 rund vier Milliarden Euro jährlich gespart werden sollen, und zwar ohne betriebsbedingte Kündigungen. Schon im vorigen Jahr lag die Rendite der Marke VW aus der betrieblichen Tätigkeit bei 4,1 Prozent. Das ist mehr als doppelt so viel wie bei Diess’ Amtsantritt.

Gleichwohl gehört Diess eher in die Kategorie der Manager der leisen Töne. Auch provokante Fragen können ihn nicht aus der Fasson bringen, er bleibt mit seiner etwas dünnen Stimme betont sachlich – bis hin zum Langweiligen, wie manche sagen. Diess soll schon vor vielen Jahren auf der Manager-Wunschliste der Familie Porsche-Piech gestanden haben, die bei Volkswagen das Sagen hat. Die Nachfahren des legenden Ferdinand Porsche legen großen Wert darauf, dass Menschen mit technischem Sachverstand in Führungspositionen kommen. Und Diess ist Maschinenbauingenieur nebst Doktortitel. Noch viel wichtiger dürfte sein: Er hat bei seinem vorherigen Arbeitgeber BMW umgesetzt, wofür der viel Lob bei Kollegen und Branchenkennern erntete. Er hat die Kosten der Fertigung gedrückt, ohne bei der Qualität Abstriche machen zu müssen.

Das hat er vor allem dadurch geschafft, dass er bei Zulieferern günstige Konditionen heraushandeln konnte. Er weiß wie diese Unternehmen ticken. Schließlich hat er nach seiner Promotion sieben Jahre bei Bosch gearbeitet. Für Volkswagen hat er zudem den Vorteil, dass er nicht für Planung und Ausführung der Dieselskandals verantwortlich gemacht werden kann. Er kam erst wenige Wochen, bevor die Betrügereien aufgedeckt wurden.

An der Spitze des Wolfsburger Konzerns muss er nun eine Herkulesaufgabe meistern: Den weltgrößten Autobauer mit der mit Abstand größten Belegschaft für die neue Autowelt fit machen. Mehrfach hat er angemahnt, dass es bei dem Großumbau schneller vorangehen muss. Was eine Vorahnung darauf gibt, was in den nächsten Monaten kommen könnte. Wo es in der Branche langgeht, ist ihm indes schon länger klar. In einem FR-Interview sagte er vor fünf Jahren: „Um die Elektrifizierung der Autos gibt es keine Diskussion mehr. “

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