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EEG-Konto dick im Plus

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Von: Joachim Wille

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Blick in den Handelsraum der Strombörse EEX in Leipzig.
Blick in den Handelsraum der Strombörse EEX in Leipzig. © picture alliance / ZB

Die Turbulenzen an den Strommärkten führen zu einem Rekord-Überschuss.

Die Strompreise an der Börse sind im vergangenen halben Jahr in ungeahnte Höhen gestiegen. Das hat nicht nur eine ganze Reihe Strom-Billiganbietern in die Pleite getrieben, deren Kunden nun in die teure Grundversorgung gefallen sind, und trifft in der Wirtschaft vor allem Industriebetriebe ohne eigene Erzeugung. Doch es hat auch unerwartete Folgen für die Ökostrom-Finanzierung. Das von den Übertragungsnetzbetreibern geführte EEG-Konto weist seit dem Start der Förderung im Jahr 2000 erstmals ein Rekord-Guthaben von über zehn Milliarden Euro aus.

Aktueller Grund für den Rekord-Überschuss, der Ende 2021 rund 10,64 Milliarden Euro erreichte, sind die Börsenpreise, die höher liegen als die EEG-Fördersätze für viele Wind- und Solaranlagen und damit Zuschüsse für die Ökoenergie unnötig machen. Laut dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) muss der erzeugte Ökostrom an der Börse verkauft werden. Die Betreiber erhalten nur dann Geld vom EEG-Konto, wenn der Verkaufserlös unter der zugesagten Einspeisevergütung liegt.

Derzeit wird das EEG-Konto in vielen Fällen nicht belastet, da die die Strompreise am Spotmarkt der Börse von im Schnitt fünf Cent pro Kilowattsunde im ersten Halbjahr 2021 auf über 22 Cent im Dezember gestiegen sind. Zum Vergleich: In den Ausschreibungen wurden den Betreibern von Solarstrom- und Onshore-Windkraft-Anlagen zuletzt Mindestvergütungen von nur noch fünf bis sechs Cent pro Kilowattstunde zugesichert. Doch auch ältere Anlagen, die noch eine höhere Einspeisevergütung erhalten, belasten das EEG-Konto nicht mehr oder immer weniger.

Hauptgrund für die niedrigen Börsenpreise war ein Überangebot auf dem Strommarkt

Noch 2020 war das ganz anders. Damals lagen die Börsenstrompreise teils unter zwei Cent pro Kilowattstunde, und die Ökostrom-Forderung stieg so stark an, dass der Bund im Januar 2021 gut fünf Milliarden Euro aus dem Haushalt zuschoss, um das Loch im EEG-Konto auszugleichen. Zwei weitere Milliardenspritzen folgten. Ein Hauptgrund für die niedrigen Börsenpreise sei der über Jahre gewachsene Stromanteil an erneuerbaren Energien gewesen, der zu einem Überangebot auf dem Strommarkt führte, so das Internationalen Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) in Münster. „An die jahrelangen Überkapazitäten mit extrem niedrigen Preisen auf dem Strommarkt haben sich viele Akteure gewöhnt und die Zeichen des Wandels nicht rechtzeitig erkannt“, erläutert IWR-Direktor Norbert Allnoch.

Als Ursache für die seit Mitte 2021 so rasant steigenden Börsenstrompreise sieht das IWR unter anderem Stilllegungen von konventionellen Kraftwerken, geringerer Kraftwerksverfügbarkeit durch Wartungsverschiebungen wegen Corona sowie Ausfälle von Atomkraftwerken aufgrund von Reparaturen. So habe die ungeplante Abschaltung von vier AKW in Frankreich vor Weihnachten laut dem Netzbetreiber RTE dort zu einem massiven Stromimport bis an die Kapazitätsgrenzen geführt – mit Auswirkungen auf die Strompreise in ganz Europa.

Die Zeiten des extrem billigen Börsenstroms sind wohl erst einmal vorbei

Die IWR-Experten erwarten, dass die Zeiten des extrem billigen Börsenstroms erst einmal vorbei sind. Höhere Strompreise am Markt seien aber auch notwendig, damit in neue Kraftwerke investiert wird. Allnoch dazu: „Auf der Kalkulationsbasis von zwei Cent pro Kilowattstunde Strom rechnen sich keine neuen Kraftwerke, weder neue Gaskraftwerke noch solche mit grüner Wasserstoff-Option.“ Die weitere Entwicklung der Börsenstrompreise werde vom Tempo der Stilllegung konventioneller Kraftwerke und vom Ausbau der Öko-Energien sowie vom Neubau von Gaskraftwerken abhängen. In diesem Jahr werden hierzulande noch die restlichen drei AKW abgeschaltet, zudem plant die Ampel-Regierung einen Kohleausstieg „idealerweise“ bis 2030. Im Gegenzug sollen die Solar -und Windenergie beschleunigt ausgebaut werden.

Die EEG-Umlage will die Regierung 2023 ganz abschaffen, sie soll dann komplett aus dem Bundeshaushalt finanziert werden. Bleiben die Börsenstrompreise hoch, kommt das den Bund deutlich billiger als bisher kalkuliert.

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