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Ebay und Co: Gute Recherche steigert den Preis

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Von: Mechthild Henneke

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Wer Gebrauchtes zu Geld machen will, hat im Internet viele Optionen. Beim Handel von privat zu privat können sich internationale Angebote lohnen.

Ausrangierte Handys, Fehlkäufe aus dem Kleiderschrank oder gelesene Bücher – gebrauchte Waren aus dem Privathaushalt zu verkaufen, lohnt sich. Zum einen bringt es Extrageld für Anschaffungen oder die Urlaubskasse, zum anderen werden Regale und Schränke leerer. Und: „Gebrauchtes zu verkaufen unterstützt die Nachhaltigkeit“, sagt Iwona Husemann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Wir erklären, worauf bei Privatverkäufen zu achten ist.

Lohnenswerte Waren: Auch im Internet herrscht Angebot und Nachfrage. Während der Urlaubskrimi vom Flughafen Massenware ist und nur 0,01 Euro beim Antiquariatsshop bringt, gibt es Waren, die heiß begehrt sind. „Elektronische Geräte, die noch nicht zu alt sind und Freizeitartikel wie gebrauchte Fahrräder, Mountainbikes oder Kinderroller“, nennt Husemann.

Ebay-Sprecherin Marita Wünsch fügt hinzu: „Rare Sammlerstücke wie seltene Pokémon-Sammelkarten oder alte Münzen sind bei Käufern gefragt.“ Im Modebereich seien insbesondere hochwertige Kleidungsstücke, Sneaker oder Handtaschen von bekannten Designern oder Luxusmarken in sehr gutem Zustand beliebt. Gleiches gelte für Designermöbelstücke. „Bei technischen Geräten wie Smartphones sind es Modelle von bekannten Marken, bei denen sich ein Verkauf lohnt“, sagt Wünsch.

Bringt der Verkauf voraussichtlich nichts oder nur wenig, kann das Verschenken eine Alternative sein. „Für Bücher gibt es ausrangierte Telefonzellen, in denen Bücher abgelegt werden können. Da freut sich dann jemand anderes drüber“, sagt Husemann. Ihre eigenen alten Reiseführer waren – zu ihrer Überraschung – schon nach kurzer Zeit verschwunden. Übrigens: Privatverkäufe müssen nicht dem Finanzamt als Einnahmen mitgeteilt werden, solange sie in einem geringen Rahmen bleiben.

Den Preis schätzen: „Wichtig ist es, den Preis vorab zu recherchieren, indem man im Internet guckt, was ähnliche Artikel für Preise erzielen“, erklärt Husemann. Es gebe regionale Unterschiede beim Verkaufswert von Waren. Ergibt die Internetsuche eine Preisspanne, rät sie, den günstigsten und teuersten Wert zu streichen – so erhalte man einen Wert, der realistisch sei. „Insbesondere bei Technik-Artikeln lohnt es sich, bei Ebay internationalen Versand anzubieten“, sagt Wünsch. Damit erhöhe sich die Chance, das Produkt zu verkaufen und einen bestmöglichen Preis zu erzielen.

Daneben kann es für wertvollere Gegenstände sinnvoll sein, einen Fachmann anzusprechen. „Bei Antiquitäten sollte man sich eine Expertise holen, damit man einen Gegenstand nicht zu niedrig verkauft“, gibt Husemann zu bedenken. Es gebe viele Antiquitätenhändler, die auf der Grundlage von Fotos ein Objekt schätzen.

Die Verkaufsbörsen: Zwei verschiedene Modelle von Verkaufsbörsen existieren: Börsen für den Verkauf von privat zu privat und Plattformen, die gebrauchte Waren aufkaufen und weiterverkaufen. Beispiele für erste sind Ebay-Kleinanzeigen und Vinted, das auf Kleider und Kinderspielzeug spezialisiert ist. Re-buy und Momox sind dagegen Plattformen, die die Ware von Privatpersonen übernehmen.

Bei Ebay bieten sowohl Händler als auch Privatverkäufer Neuware und gebrauchte Produkte an. Husemann rät dazu, für das gebrauchte Kinderfahrrad oder den alten Fernseher Börsen von privat zu privat zu verwenden. „Hier gibt es keine Verkaufsgebühren“, sagt sie. Außerdem könnte das gewünschte Objekt oft beim Käufer vor Ort besichtigt und geprüft werden. Bei Ebay nimmt die Plattform das Geld zunächst entgegen und zahlt es nach Abzug der Verkaufsprovision aus.

Mit Auktion oder Festpreis verkaufen: Ebay-Sprecherin Wünsch gibt Tipps zur Orientierung. „Bei Auktionen bestimmt die Nachfrage den Preis. Sind die eingestellten Produkte gerade gefragt und werden viel gekauft, wird der Preis für den Artikel in die Höhe gehen“, sagt sie. Dann solle man einen niedrigen Startpreis wählen, um Interessenten zum Mitbieten zu bewegen. Bei weniger gefragten Produkten empfehle es sich, den Startpreis höher anzusetzen, um zu vermeiden, dass das Produkt unter Wert verkauft wird.

„Wenn der Artikel möglichst schnell und zu einem festgelegten Preis verkauft werden soll, empfiehlt es sich, einen Betrag festzulegen und den Artikel zu diesem Festpreis einzustellen“, so Wünsch. Das locke ungeduldige Käufer an und überrede sie zum Kauf. Ihr Rat: Beim Preis immer realistisch bleiben.

Die Bezahlmethode wählen: „Das Geld sollte beim Verkäufer sein, bevor er oder sie die Ware versendet“, sagt Husemann. Der Grund: Das Versandrisiko bei Privatverkäufen liegt beim Käufer. Das Risiko minimieren kann man mit Bezahldiensten wie zum Beispiel Paypal oder Klarna. Von der Bezahlung per Banküberweisung rät sie ab.

Sicher versenden: Anders als beim Online-Handel, wo der Händler und der Paketdienstleister für die Zustellung verantwortlich sind, liegt das Risiko bei Privatverkäufen beim Käufer. Wenn der Verkäufer die Ware zur Post oder zum Paketservice gebracht hat, hat er seinen Part erledigt. Dennoch empfiehlt Husemann eine Zustellungsmethode zu wählen, die nachvollziehbar ist. Dann ist sowohl die Erstellung des Paketscheins, als auch der Weg belegt, den eine Sendung nach der Einlieferung nimmt. „Damit ist man auf der sicheren Seite“, sagt sie. Bei Ebay haben Käufer einen besonderen Schutz, falls die Ware nicht ankommt.

Haftung des Verkäufers: Privatverkäufer unterliegen der gesetzlichen Verpflichtung, dass ihre Ware der vertraglich vereinbarten Beschaffenheit entspricht und frei von Sachmängeln ist. „Seit diesem Jahr ist der Begriff des Sachmangels neu und etwas genauer definiert“, sagt Rechtsanwalt York Gnielka aus Berlin, Experte für Bürgerliches Recht. Die Ware müsse dem entsprechen, was die Parteien bei Vertragsschluss vereinbart haben und was im Allgemeinen von der Ware erwartet werden könne.

„Hierbei ist für den privaten Verkäufer gebrauchter Sachen wichtig, dass er den Verkaufsgegenstand in seiner Anzeige genau beschreibt und keine Erwartungen erweckt, die die Ware nicht erfüllen kann“, sagt Gnielka. Damit werde der Vertragsinhalt definiert und somit die Eigenschaften der Ware festgestellt, sobald der Käufer das Angebot annimmt. Um weitere Haftung auszuschließen sollte in der Anzeige vermerkt werden: „Ich schließe jegliche Sachmangelhaftung aus“ und als Ergänzung: „Die Haftung auf Schadenersatz wegen Verletzungen von Gesundheit, Körper oder Leben und grob fahrlässiger und/oder vorsätzlicher Verletzungen meiner Pflichten als Verkäufer bleibt uneingeschränkt.“

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