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Ebay setzt auf CO2-Ausgleich

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Von: Jan Christoph Freybott

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Ein solarbetriebener Kocher, wie hier in Simbabwe, schont Klima und Wald. Ähnliche Projekte werden auch über Ebay finanziert.
Ein solarbetriebener Kocher, wie hier in Simbabwe, schont Klima und Wald. Ähnliche Projekte werden auch über Ebay finanziert. © picture-alliance / dpa

Pünktlich zum Black Friday weitet Ebay sein Angebot zur CO2-Kompensation aus. Obwohl die Standards vergleichsweise hoch sind, warnt der Verbraucherschutz vor einer Irreführung.

Um die Konsumlaune in Deutschland stand es schon besser. Auch wegen ihrer hohen Strom- und Gasrechnungen halten die Verbraucher:innen das Geld zusammen. Der Einzelhandel fürchtet um das so wichtige Weihnachtsgeschäft. Doch an diesem Freitag dürfte von all der Zurückhaltung nichts mehr zu spüren sein: Der Black Friday steht an, gefolgt vom Cyber Monday. Alljährlich buhlen dann vor allem Onlinehändler:innen mit satten Rabatten um die Kundschaft. Fachleute rechnen an den Aktionstagen mit Umsätzen von fast sechs Milliarden Euro.

Pünktlich zum erwarteten Kaufrausch will Ebay sein Shoppingerlebnis nachhaltiger gestalten. Der Online-Marktplatz will seiner Kundschaft ihren CO2-Fußabdruck vor Augen halten, will sein Angebot zur CO2-Kompensation ausweiten und gebrauchte und aufbereitete Artikel in den Vordergrund stellen. Für das Gewissen der Käufer:innen dürfte das Balsam sein. Aber schafft es auch einen Mehrwert fürs Klima?

„Wir wollen unsere Kunden in die Lage versetzen, nachhaltige Entscheidungen zu treffen“, sagt Martin Vogel, Leiter für Elektronik und Innovationen bei Ebay. Dazu will Ebay gleich an mehreren Schrauben drehen. Zum einen soll bis Jahresende für fast alle Produktkategorien ein CO2-Fußabdruck berechnet werden. Das sind fast 15 000 Kategorien, wie Vogel sagt. Bisher sei das etwa bei 80 Prozent der Fall. Zum anderen sollen Kund:innen ihren CO2-Kontostand im Blick haben. Er zeigt an, wie viel Treibhausgase die zuletzt gekauften Produkte in Summe verursacht haben. „Hier sorgen wir für Transparenz und wollen ein Bewusstsein schaffen, dass mit Konsum ein negativer Beitrag einhergeht“, sagt Vogel.

Ebay: Geld fließt an Waldschutz, Windparks und effiziente Kochöfen

Ein Blick auf das CO2-Konto könne dann bei Kund:innen für Verwunderung sorgen. „Denn anders als für Flugreisen oder Fleischkonsum ist vielen beim Shopping nicht bewusst, wie viele Emissionen damit verbunden sind“, sagt Vogel.

Hier will Ebay die Möglichkeit etablieren, einen positiven Beitrag zu leisten. Wer etwa ein gebrauchtes Handy kauft, dem wird der dadurch potenziell eingesparte CO2-Betrag vom Konto abgebucht. „Jedes zweite Handy bei uns ist heute gebraucht oder wiederaufbereitet“, so Vogel. „Das finden wir gut, denn gebraucht ist immer nachhaltiger als neu.“ Wer sein CO2-Budget im großen Stil einkürzen will, kann das mit einer Kompensation tun. Wie auch für die Berechnung des Fußabdrucks zieht Ebay hierzu South Pole heran, ein Züricher Unternehmen, das sich auf CO2-Berechnung und -Kompensation spezialisiert hat.

Den Kauf eines Laptops können Kund:innen mit einer Zahlung von rund vier Euro ausgleichen. Sie fließen an von South Pole ausgewählte Projekte; Waldschutz in Simbabwe, Windparks auf Neukaledonien, effiziente Kochöfen in Ruanda. Mehr als 1,7 Kilotonnen CO2 hätten Ebay-Kund:innen so in den vergangenen zwölf Monaten ausgeglichen. Mit dem Programm erhofft sich Ebay, dass es noch deutlich mehr werden.

Der Online-Marktplatz folgt damit einem breiten Trend, die Kompensation Hand in Hand mit dem Shopping anzubieten. Die Zahl dieser Angebote sei zuletzt sprunghaft angestiegen, teilt der Verbraucherschutzverband NRW mit. Von Fernbus- über Flugreisen bis hin zum Onlineshopping. Das Umweltbundesamt hält das auch grundsätzlich für sinnvoll. Allerdings sei es wichtig, auf Qualität zu achten. Eine „wichtige Orientierung“ sei etwa die Zertifizierung Gold Standard, an der man sinnvolle Projekte erkennen könne.

Alles Schummel?

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat ein Verbot irreführender Klimaschutzwerbung auf Lebensmitteln gefordert. PR-Botschaften wie „CO2-neutral“ oder „klimapositiv“ sagten nichts über die tatsächliche Nachhaltigkeit eines Produkts aus, erklärte Foodwatch unter Verweis auf eigene Recherchen zu einem von Firmen genutzten Klimaneutral-Label. Das Label sei nichts anderes als ein „Riesenbusiness“ für die Unternehmen. Während sie sich mit den entsprechenden Slogans vermarkteten, verdienten die Label-Anbieter an der „Vermittlung von CO2-Gutschriften“.

Bundesernährungsminister Cem Özdemir und Umweltministerin Steffi Lemke (beide Grüne) forderte Foodwatch auf, sich bei der EU für ein Verbot „irreführender Umweltwerbung“ einzusetzen. Die EU-Kommission will demnächst den Entwurf für eine Green-Claims-Verordnung vorlegen. afp

Kommentar Seite 11

„Die Projekte, die wir für Ebay vermitteln, sind nach diesem Standard zertifiziert“, sagt Jochen Gassner, Leiter des internationalen Verkaufs bei South Pole. Das sei das eine. Das andere sei eine ehrliche Kommunikation, ein richtiger „Claim“. „Wir sagen nicht, dass kein CO2 emittiert wird oder dass es CO2-neutral ist“, so Gassner. Ebay weise mit dem Klimakonto vielmehr darauf hin, dass Emissionen entstehen, und dass Kund:innen etwas dagegen tun können.

Tatsächlich ist der Begriff der CO2-Neutralität nicht rechtlich geschützt, was in der Vergangenheit zu „Greenwashing“ einlud. Mitte des Jahres strengte die Deutsche Umwelthilfe deshalb Klagen gegen acht Unternehmen an, darunter die Drogerieketten Rossmann und dm sowie deutsche Ableger der Ölkonzerne Totalenergies und Shell.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert deshalb ein EU-weites Werbeverbot für derartige Aussagen. „Dass Ebay nicht mit Klimaneutralität wirbt, ist erst mal gut“, sagt Jonas Grauel, der sich für die Verbraucherzentrale NRW mit CO2-Kompensation beschäftigt. „Allerdings ist auch der Begriff Kompensation problematisch.“ Um CO2-Einsparungen etwa durch Investitionen in Windkraftanlagen zu berechnen, müssen Grauel zufolge zahlreiche Annahmen getroffen werden, etwa die, dass eine Anlage ohne die Investitionen nicht gebaut worden wäre. Oft seien diese Berechnungen fragwürdig. „Betreiber von Windkraftanlagen nehmen durch den verkauften Strom Geld ein, weshalb sich der Bau oft ohnehin lohnt“, so Grauel. „Wenn dann noch CO2-Zertifikate verkauft werden, erhalten die Betreiber mehr Geld – aber es entsteht kein zusätzlicher Klimaschutz.“

CO2-Kompensation: Verbraucherschutz warnt vor Irreführung

Dass Ebay Geld nur an mit Gold Standard zertifizierte Projekte leite, sei besser, als Zertifikate ohne Standard zu kaufen, betont Grauel. Allerdings zeige ein Analyse-Tool der Carbon Credit Quality Initiative, dass auch der Gold Standard zentrale Qualitätskriterien für CO2-Zertifikate nicht absichere. Dazu zählt Grauel eine robuste Berechnung oder das Kriterium der Zusätzlichkeit; das ist erfüllt, wenn ein Projekt ohne die Kompensationszahlung nicht entstanden wäre.

„Die Rede von der Kompensation ist perfekt dafür geeignet, dass wir uns als Gesellschaft etwas vormachen“, sagt Grauel. Sicher, nicht jedes Klimaprojekt sei schlecht. Aber Kompensation eigne sich nicht für die Kommunikation an die Verbraucher:innen, weil es schlicht zu kompliziert sei und unsicher ist, wie viel die Projekte wirklich für den Klimaschutz leisten. „‚Wir leisten einen Beitrag‘ oder ‚Wir machen eine Spende‘, das wäre ehrlicher“, so der Verbraucherschützer. Hinzu komme, dass der gesamte Markt falsche Anreize setze. „Was wir brauchen ist eine Reduktion, keine Kompensation.“

Dass der Konsum insgesamt zurückgefahren werden muss, weiß auch Ebay-Manager Vogel. Auf den könne Ebay allerdings nur bedingt Einfluss nehmen. „Aber wir schreiben eine Zahl dran und machen so die Konsequenzen sichtbar“, sagt Vogel. Inklusive der Chance zum Ausgleich.

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