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Wer einen E-Scooter besitzt, muss auch eine passende Versicherung haben.

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E-Scooter: So versichert man den E-Scooter richtig

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Wer einen E-Scooter besitzt, benötigt dafür eine separate Versicherung. Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema.

Beim Thema E-Scooter könnten die Auffassungen kaum unterschiedlicher sein. Die einen sehen die elektrisch betriebenen Roller als zusätzliches Instrument für eine nachhaltige Verkehrswende, die anderen befürchten eine erhöhte Unfallgefahr, wenn zwischen all den anderen Vehikeln auf den Straßen noch ein weiteres Gefährt mit bis zu 20 Stundenkilometern unterwegs ist.

Nichtsdestotrotz: E-Scooter sind seit 15. Juni 2019 auf Deutschlands Straßen zugelassen. Die Länder haben sich auf einen Kompromiss geeinigt, der Bürgersteig ist tabu. Außerdem gelten weitere Vorschriften wie zum Beispiel eine Versicherungspflicht. Für jeden E-Scooter muss eine Kfz-Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten.

Reicht die private Haftpflichtversicherung für den E-Scooter aus?

Nein, da E-Scooter gefahren werden können, ohne eigene Kraft aufzuwenden, braucht es dafür eine Haftpflichtversicherung für Kraftfahrzeuge. Und zwar eine eigene – den Tretroller in eine bestehende Kfz-Haftpflicht zu integrieren, ist nicht möglich, darauf weist der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hin.

Für welche Schäden mit dem E-Scooter kommt eine Kfz-Haftpflichtversicherung auf?

Die Versicherung zahlt, wenn andere Personen oder fremde Gegenstände durch den E-Scooter zu Schaden gekommen sind. Also beispielsweise wenn ein Fußgänger angefahren und verletzt oder eine Macke in ein Auto gefahren wurde. Die Versicherung zahlt hingegen nicht, wenn bei einem Sturm der Roller demoliert worden ist oder ein Marder das Kabel durchgebissen hat. Dafür müsste der Halter zusätzlich eine Teilkaskoversicherung abschließen. Während die Haftpflicht gesetzlich vorgeschrieben ist, stellt die Teilkasko aber einen freiwilligen Versicherungsschutz dar.

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Ob sich dieser lohnt, komme auf den individuellen Bedarf an, sagt Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Als Faustregel gilt: je teurer der E-Scooter, desto sinnvoller ist der Teilkasko-Schutz. Denn nur mit diesem besteht beispielsweise auch eine Absicherung bei Diebstahl des Rollers“, sagt er. Für unwahrscheinlichere Schäden wie Marderbisse oder Wildunfälle sei eine Teilkasko eher vernachlässigbar.

Einen Vollkaskoschutz für E-Scooter bietet derzeit kein Versicherer an. Geht also der eigene Roller bei einem selbstverschuldeten Unfall kaputt, wird der Schaden nicht ersetzt. „Die Risiken sind noch nicht kalkulierbar“, sagt dazu ein Sprecher des Versicherungskonzerns Allianz. Das bedeutet: Weil die Assekuranz derzeit nicht abschätzen kann, wie häufig ein solcher Versicherungsfall eintreten würde und sie den Schaden bezahlen müsste, gibt es noch keine Tarife. Das gleiche gilt für Vandalismus: Das Risiko trägt der Besitzer.

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E-Scooter: Fluch oder Segen?

Zu welchen Konditionen werden die Versicherungen für E-Scooter angeboten?

Immer mehr Versicherer haben in der vergangenen Zeit Kfz-Haftpflichtpolicen für E-Scooter herausgebracht, darunter die Allianz, die Bayerische oder die HUK Coburg. Die Kosten liegen zwischen knapp 20 und fast 90 Euro im Jahr. Mit Teilkasko kann es auch schnell das Doppelte sein. Die Preise richten sich aber auch danach, wie alt der Fahrer des E-Scooters ist: Tarife für unter 23-Jährige sind zumeist teurer. Minderjährige müssen außerdem die Einwilligung ihrer Eltern abholen, um eine Versicherung abzuschließen.

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Die Versicherung muss immer für ein Jahr abgeschlossen werden. Das Versicherungsjahr beginnt wie bei Mopeds ab März, Kunden können aber monatlich einsteigen, der Beitrag reduziert sich entsprechend.

„Bei der Wahl des Versicherers sollte vor allem auf die Versicherungssumme geschaut werden“, sagt Verbraucherschützer Opfermann. Die sollte nicht zu niedrig liegen. Denn spätestens wenn bei einem Unfall Personen betroffen sind, können Schäden schnell auch in die Millionen gehen. „Hier also ruhig in die Vollen und über die gesetzliche Mindestanforderung hinausgehen“, sagt Opfermann. „Versicherungssummen von 50 Millionen Euro oder mehr werden angeboten und sind durchaus zu empfehlen.“

Ein weiteres Kriterium kann sein, ob man vorhat, den Roller zum Beispiel auch im Auslandsurlaub zu nutzen. Falls ja, sollte ein Versicherungsschutz gewählt werden, der einen auch außerhalb der europäischen Grenzen absichert.

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Muss ich auch eine Haftpflichtversicherung abschließen, wenn ich einen E-Scooter leihe?

Es sind immer die Besitzer der E-Scooter, die die Versicherung abschließen müssen, in diesem Fall also die Verleiher. Schäden, die Nutzer verursachen, sind dann darüber versichert. Das gilt auch, wenn zum Beispiel Freunde und Bekannte einen privaten Roller nutzen. Allerdings muss das Alter des Fahrers zu dem im Versicherungsvertrag angegebenen passen. Ansonsten bleibt der Besitzer im Schadensfall womöglich auf den Kosten sitzen.

Ich besitze schon einen E-Scooter. Kann ich ihn nun anmelden und versichern?

Theoretisch ist das unter Umständen möglich, praktisch kann es schwierig werden. Denn Roller, die bereits vor dem Juni 2019 auf dem Markt waren, erfüllen nicht alle die gesetzlichen Vorgaben, die von der Bundesregierung erst nach und nach festgezurrt worden sind. „Viele haben keine Betriebserlaubnis“, so Opfermann. Um einen solchen E-Scooter anmelden und versichern zu können, müsste der also erst einmal nachgerüstet und dann vom Tüv abgenommen werden. Der Verbraucherschützer riet ganz klar davon ab, sich kurz vor der Zulassung schon einen Roller zu kaufen. „Ein vermeintliches Schnäppchen ist dann unter Umständen ein Reinfall.“

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Zulassung von E-Scootern

Betriebserlaubnis: Neben der Versicherungspflicht braucht der E-Scooter eine Allgemeine Betriebserlaubnis oder eine Einzelbetriebserlaubnis. Zudem ist auch eine selbstklebende Versicherungsplakette Pflicht. Seit am 15. Juni die Verordnung in Kraft trat, ist die Plakette über den Kfz-Versicherer erhältlich.

Fahrzeugmerkmale: Die höchstmögliche Geschwindigkeit des E-Scooters darf 20 Stundenkilometer nicht überschreiten. Der E-Scooter muss über ein Vorder-, Rück- und Bremslicht sowie eine Lenk- und Haltestange verfügen. Auch Klingel sowie Vorder- und Rückbremsen sind für die Fahrzeuge verpflichtend.

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