+
Im März bringt Tesla sein Model 3 heraus. Der Markt für E-Autos ist immernoch winzig.

Elektroautos

Wettbewerb um Deutschland

  • schließen

Die Zahl der Neuzulassungen bei Elektroautos dürfte sich 2019 verdoppeln. Aber welcher Anbieter erobert den Markt?

Das Rennen hat begonnen: Dieses Jahr werden hierzulande so viele Elektroautos wie niemals zuvor verkauft werden. Spannend wird, wer sich an die Spitze setzen kann. Tesla debütiert mit seinem Model 3 schon im März. Später kommt der Kleinststromer Ego Life als eine Art Gegenthese. Und dann sind da auch noch die Modelle der etablierten Hersteller.

Der Markt für E-Autos ist noch immer eine winzige Nische. Voriges Jahr wurden laut Kraftfahrtbundesamt rund 36 000 Fahrzeuge mit reinem batterie-elektrischem Antrieb neu zugelassen. Die Zuwachsrate ist mit 43,9 Prozent enorm. Aber der Marktanteil mit nur einem Prozent verschwindend. Viele Experten gehen davon aus, dass es in diesem Jahr einen kräftigen Schub geben wird. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer etwa kalkuliert mit 80.000 Neuzulassungen, also mit mehr als einer Verdoppelung im Vergleich zu 2018.

Vergünstigungen vom Fiskus

Das hat mehrere Gründe; der wichtigste dürfte in der Großzügigkeit von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) liegen. Er gewährt steuerliche Vorteile für Dienstwagen. Und genau auf diesem Feld haben E-Autos große Chancen. Vor allem, weil große Unternehmen inzwischen darauf achten, dass die CO2-Emissionen ihrer Flotten gedrückt werden: Bei einem Stromer sind es offiziell null Gramm pro Kilometer. Zweitens lassen sich die hohen Anschaffungskosten bei Dienstwagen eher schultern als bei privaten Pkw. Die Fahrzeuge werden fast ausnahmslos geleast, und die Firmen können die Kosten beim Finanzamt geltend machen.

Und schließlich: Autofahrer, die den Firmenwagen auch privat nutzen, müssen bei einem konventionellen Pkw monatlich ein Prozent des Listenpreises als „geldwerten Vorteil“ versteuern, also wie einen Zuschlag aufs Gehalt. Bei E- und Hybridautos sind es seit Jahresbeginn nur 0,5 Prozent. Wer etwa mit der sogenannten Performance-Variante des Model 3 fahren darf, muss beim Finanzamt nur 335 Euro angeben. Wer die bislang sehr beliebten Firmenwagen von Audi oder BMW mit Verbrennungsmotor zum gleichen Preis (rund 67.000 Euro) bewegt, hat es mit 670 Euro im Monat zu tun. Tesla-Chef Elon Musk jedenfalls hat das Model 3 bewusst zum Rivalen der gehobenen Mittelklasse deutscher Premiumhersteller stilisiert.

Tesla hat sich Vorteile erarbeitet

Tesla hat weitere Vorteile. Die Amerikaner haben schon Tausende Vorbestellungen für das Model 3 eingesammelt und sie starten schon im März. Das Unternehmen kann somit bis zum Sommer einen großen Teil der Nachfrage abfischen und sich damit einen gehörigen Marktanteil sichern. Als ernstzunehmender Konkurrent könnte zwar der E-Tron, das Elektro-SUV von Audi, bald dazwischen funken. Doch viele andere rivalisierende E-Novitäten wie etwa der EQC von Mercedes kommen erst in der zweiten Jahreshälfte.

Gleichwohl bleiben zahlreiche Unbekannte. Wie beispielsweise kommt der Billig-Stromer Ego Life an? Der Erstling des Aachener Start-ups Ego Mobile ist als Stadtflitzer konzipiert und wird schon für knapp 16.000 Euro verkauft. Oder setzen die Firmenwagenfahrer doch auf Bewährtes wie den bisherigen E-Bestseller Smart oder auf den i3 von BMW oder auf den Strom-Golf von VW?

Branchenkenner sehen einen maßgeblichen Faktor in der Verfügbarkeit der Fahrzeuge. Die etablierten Autobauer haben derzeit noch bescheidene Fertigungskapazitäten für ihre elektrische Flotte. Und bei Tesla ist das mit dem Output so eine Sache. Zwar wurden die Stückzahlen für das Model 3 zuletzt stark erhöht – auf 63.000 Fahrzeuge im vierten Quartal. Aber Analysten hatten eigentlich mehr erwartet. Und Skeptiker wie der Autowissenschaftler Stefan Bratzel stellen die Frage, ob die Amerikaner eine hohe Schlagzahl in der Fertigung halten können, ohne dass es auch auf Kosten der Qualität geht.

Das gilt natürlich alles auch für den Ego Life, dessen Auslieferungsstart sich ohnehin schon verzögert hat. Jetzt soll es im Frühsommer losgehen.

Dudenhöffer jedenfalls wettet auf Tesla. Bis zu 20.000 Verkäufe seien in diesem Jahr hierzulande möglich. Das würde einem Marktanteil von 50 Prozent entsprechen und für Musk einen enormen Imagegewinn bringen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare