Panels für eine schwimmende Solar-Farm in Japan.
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Ostasien

Dynamik für Klimaschutz

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Japan und Südkorea verschärfen ihre Emissionsziele.

Diese Woche brachte Bewegung in der internationalen Klimapolitik. Japan verschärfte sein langfristiges Klimaziel. Das Land, nach USA und China drittgrößte Volkswirtschaft und fünftgrößter Treibhausgas-Produzent der Welt, soll bis 2050 klimaneutral werden, also netto keine Treibhausgase mehr ausstoßen. Kurz darauf zog Südkorea nach. Das Land ist global der siebtgrößte Emittent.

Japans neuer Regierungschef Yoshihide Suga kündigte das neue Ziel jetzt in seiner ersten Rede vor dem Parlament in Tokio seit seinem Amtsantritt im September an. Es bedeutet eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem bisherigen Plan einer Emissionsreduzierung um 80 Prozent bis 2050. Suga sagte: „Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, um eine grüne Gesellschaft zu schaffen.“ Japan strebe eine Führungsrolle in der globalen ökologisch orientierten Industrie an. Klimaschutz wird dabei nicht mehr als Wachstumsbremse gesehen. Der Premier sagte, die Energiewende werde Veränderungen in der Industriestruktur und der Wirtschaft herbeiführen und ein Wachstumstreiber sein. Schlüssel dazu seien Innovationen wie Solarzellen der nächsten Generation und die industrielle Nutzung von CO2. Fortschritt im ökologischen Bereich seien auch durch die Digitalisierung möglich.

Bisher hängt Japans Energieversorgung noch stark von Kohle und Erdgas ab. Vor allem die Kohlenutzung soll nun heruntergefahren werden. Eine stabile Energieversorgung will Tokio gewährleisten, indem Energie eingespart wird und die erneuerbaren Energien stark ausgebaut werden. Auch die Atomkraft will Tokio weiter nutzen, wobei allerdings Sicherheit Priorität habe, wie Suga mit Blick auf die Fukushima-Katastrophe im Jahr 2011 sagte.

Netto null Treibhausgase

Umweltschützer, aber auch viele große Unternehmen lobten die Anschärfung des Klimaziels durch Tokio, forderten aber ein entschlosseneres Handeln ein. Greenpeace forderte, Japan müsse den Ökostrom-Anteil bis 2030 auf mindestens 50 Prozent erhöhen. 2019 waren es erst rund 19 Prozent (Deutschland: über 40 Prozent). Eine Unternehmenskoalition von über 150 in Japan tätigen Konzernen, darunter Fujitsu, Ricoh, Apple, Amazon, Takeda Pharmaceutical und Mitsubishi Estate, begrüßte das Ziel Klimaneutralität 2050 und schickte bereits einen Vorschlag zur Umsetzung des Vorhabens an die Regierung. Darin wird, analog zu Greenpeace, gefordert, den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix bis 2030 auf 50 Prozent zu erhöhen.

Südkoreas Präsident Moon Jae-in wählte bei seiner Ankündigung der Klimaneutralität für 2050 ähnliche Worte wie Suga. Er sagte: „Durch die Umstellung von Kohle zu erneuerbaren Energien wird die Regierung neue Märkte, Industrien und Arbeitsplätze schaffen.“ Kohle ist derzeit noch der vorherrschende Energieträger in dem Land, erneuerbare Energien liefern nur fünf Prozent des Stroms. Allerdings ist ein Wandel im Gange. Letzten Monat haben Konzerne wie Samsung und Kepco für ihr Geschäft den Kohleausstieg beschlossen.

Die Ankündigungen Japans und Südkoreas werden als ein bedeutender Schritt für die internationale Klimapolitik gewertet, nach positiven Zeichen aus der EU und China. Europa peilt eine Verschärfung des CO2-Minderungsziel für 2030 auf 55 Prozent an, und Peking hat angekündigt, den „Peak“ der Emissionen auf deutlich vor 2030 vorzuziehen und bis spätestens 2060 CO2-neutral werden zu wollen. Im Fall USA sorgen positive Umfragewerte für den klimaprogressiveren US-Präsidentschaftskandidaten Joe Biden für Hoffnung.

Das alles zusammen könnte eine neue internationale Dynamik für mehr Klimaschutz erzeugen. Die Chefin der NGO European Climate Foundation, Laurence Tubiana, sagte: „Die Ankündigung von Premierminister Suga ist willkommen. So sieht Führungsstärke 2020 aus. Er erkennt, dass der Weg zu einem Netto-Null-Emissionsziel in eine sichere Zukunft führt, Japans Wettbewerbsvorteil sichert und Hunderttausende neuer Jobs schafft.“

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