Corona-Krise

Gut durch die Pandemie

  • Thomas Magenheim-Hörmann
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Warum Deutschland Corona so gut meistert, erklärt eine Studie. Eine Rolle dabei spielt das gute Gesundheitswesen, die Politik – und Glück.

Es ist keine neue Erkenntnis, dass sich Deutschland in der Pandemie relativ gut schlägt. Warum das aber so ist, hat das Wissenschaftliche Institut der Privaten Krankenversicherer (WIP) jetzt in einer Studie untersucht. „Mit Sicherheit haben wir auch Glück gehabt“, sagt WIP-Projektleiterin Christine Arentz. So habe Deutschland nach dem Ausbruch in Italien früh reagieren können. Zudem lebten hierzulande viele Senioren allein oder zu zweit und nicht generationsübergreifend in größeren Familien wie in Italien oder Spanien. Das mindere Ansteckungsgefahren in dieser Risikogruppe. Deutschland profitiere aber vor allem von einem vergleichsweise guten Gesundheitssystem, politischen Entscheidungen und einer Bevölkerung, die bei Vorsichtsmaßnahmen mitziehe.

Die früher oft geäußerte These, Deutschland spare sein Gesundheitssystem kaputt, könne man nach einem Ländervergleich in der Corona-Pandemie als widerlegt ansehen, findet der Geschäftsführer des PKV-Verbands, Timm Genett und verweist auf die Studie. Demnach steht Deutschland bei Akutbetten und noch mehr bei Intensivbetten in Krankenhäusern in 14 verglichenen EU-Staaten plus Großbritannien einsam an der Spitze vor Ländern wie Italien, Spanien, Großbritannien oder auch Schweden. Auch bei Arztzahl und Pflegepersonal rangiert Deutschland im Spitzenbereich.

Es wurde schon früh getestet

Allerdings sei die Arbeitsbelastung deutscher Ärzte und Pfleger im internationalen Vergleich sehr hoch, betont Arentz. Von entscheidender Bedeutung sei es gewesen, dass hierzulande bereits im Februar verlässlich auf das Coronavirus getestet werden konnte und damit so früh wie sonst nirgendwo auf der Welt. Das habe verhindert, dass sich das Virus wie in Italien lange unentdeckt verbreiten konnte. Als Folge seien die Kapazitäten im heimischen Gesundheitswesen nie an Grenzen gestoßen wie in Italien, Spanien oder Frankreich. Das mündet in relativ wenigen Todesfällen durch das Virus in Deutschland, obwohl die deutsche Bevölkerungsstruktur eigentlich besonders anfällig wäre.

Denn die hiesige Bevölkerung ist recht alt und es gebe weitere Corona-Riskofaktoren, stellt Arentz klar. So seien Fettleibigkeit und Diabetes überdurchschnittlich verbreitet. Von entscheidender Bedeutung sei deshalb gewesen, dass das Virus weitgehend aus Pflegeeinrichtungen herausgehalten werden konnte. In Ländern wie Belgien oder Frankreich gehe jeder zweite Corona-Todesfall auf Pflegeeinrichtungen zurück.

Mit entscheidend sei auch, dass Deutschland dezentral und nicht in Krankenhäusern teste sowie Corona-Patienten vielfach ambulant behandle, betonen Arentz und WIF-Chef Frank Wild. In Frankreich werde dagegen zu über 80 Prozent in Krankenhäusern getestet, was das Virus dort oft eingeschleppt und Infektionsketten in Gang gesetzt hat.

„Wir sind aber noch nicht durch, man kann noch einiges falsch machen“, warnt Wild. Das abflauende Infektionsgeschehen in Deutschland vermittle global gesehen ein falsches Bild. Mit 230.000 neuen Corona-Fällen weltweit binnen 24 Stunden wurden zuletzt neue Höchststände erreicht. Falls das in Form einer zweiten Infektionswelle auf Deutschland zurückschwappt, biete die Bevölkerungsstruktur mit vielen Senioren, fettleibigen und vorerkrankten Menschen große Angriffsflächen, warnt auch Genett.

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