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Die entscheidende Runde in den Verhandlungen für das Baugewerbe beginnt.
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Die entscheidende Runde in den Verhandlungen für das Baugewerbe beginnt.

Tarifverhandlungen

IG Bau droht mit Streik

  • VonStefan Sauer
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Der Streit über höhere Löhne in der boomenden Baubranche spitzt sich zu. Die entscheidende Schlichtungsrunde startet.

Geduld ist gefragt. Jedenfalls wenn es um eine Badrenovierung geht, um den Ausbau des Dachgeschosses oder gar um ein neues Eigenheim. Drei Monate Wartezeit auf Handwerker und Baubetriebe gelten in größeren Städten derzeit als Minimum. Denn Deutschlands Baubranche boomt, die Auftragsbücher sind voll, die Erlöse steigen kräftig, und das bereits im dritten Jahr in Folge. 2016 betrug das Umsatzplus der Baubetriebe 6,3 Prozent, 2017 waren es 5,9 Prozent, für dieses Jahr werden gut vier Prozent erwartet. Wobei sich diese Prognose als zu bescheiden herausstellen könnte, vermeldete die IG Bau doch für die ersten beiden Monate 2018 im Bauhauptgewerbe ein Umsatzwachstum von 15,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ein rasches Ende der Baukonjunktur ist mithin nicht in Sicht. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht davon aus, dass auch 2019 und 2020 gute Jahre für Bauhauptgewerbe und Bauindustrie werden.

Geduld ist aber auch hinsichtlich der Tarifverhandlungen vonnöten, die die IG Bau und die Arbeitgeberverbände HDB und ZDB zwischen Februar und April über drei Verhandlungsrunden hinweg ergebnislos geführt haben, bevor die Gewerkschaft die Gespräche vor drei Wochen für gescheitert erklärte und eine Schlichtung anrief. Auch diese brachte in einer ersten Runde unter Vorsitz des ehemaligen Arbeits- und Wirtschaftsministers Wolfgang Clement kein Ergebnis: Nach 13 Stunden vertagten sich die Tarifparteien in der Nacht zum Dienstag auf diesen Freitag. Dass die bis Samstag angesetzten Schlichtungsgespräche eine Lösung bringen, ist keineswegs ausgemacht. Clement bleibt bis zum 21. Mai Zeit, beiden Seiten einen Schlichterspruch zu präsentieren. Wird er von einer der Parteien abgelehnt, sind weitere zwei Wochen vereinbart, innerhalb derer sich die Tarifpartner doch noch auf Grundlage des Schlichtungsergebnis einigen könnten.

Die Konjunktur erschwert die Verhandlungen

Schwierig sind die Verhandlungen nicht trotz, sondern wegen der guten Baukonjunktur. Angesichts rosiger Unternehmenszahlen allenthalben ist die IG Bau mit selbstbewussten Forderungen für die 800.000 Beschäftigten der Branche angetreten. Sechs Prozent mehr soll es geben, ein 13. Monatsgehalt in voller Höhe für alle, die Anrechnung langer Baustellenanfahrten als Arbeitszeit, all das bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Zusätzlich sollen die Löhne im Osten um einen nicht bezifferten Extrabetrag angehoben werden, um bis 2022 in ganz Deutschland ein gleiches Entgeltniveau zu erreichen. Derzeit liegt der Gesamttariflohn eines Baufacharbeiters im Westen bei 19,51 Euro, im Osten sind es 18,15 Euro. Alles in allem hat die IG Bau also ein ansehnliches Forderungspaket geschnürt.

Lesen Sie auch: IG Bau Chef Robert Feiger im Interview

Und ein viel zu kostspieliges, wie die Arbeitgeberverbände HDB und ZDB erwartungsgemäß befunden haben. ZDB-Vize Frank Dupré hat wiederholt den Verdacht geäußert, die Arbeitnehmerseite verwechsle Umsatz mit Gewinn: Zwar seien die Erlöse in der Tat kräftig gestiegen, Baupreise und Unternehmensrenditen aber in weitaus geringerem Umfang. Daher seien die Vorstellungen der Gewerkschaft schlicht zu teuer.

Was ZDB und HDB für bezahlbar halten, legten sie im April auf den Verhandlungstisch: in den östlichen Tarifbezirken sechs Prozent, allerdings für eine Laufzeit von 24 Monaten, und im Westen 3,3 Prozent. In der Schlichtung am Montag gingen die Arbeitgeberverbände nach eigenem Dafürhalten nochmals „einen gewaltigen Schritt auf die Gewerkschaft zu“ und boten für eine Laufzeit von 22 Monaten durchschnittlich 4,2 Prozent mehr Lohn sowie eine Einmalzahlung von 400 Euro.

Unterdessen bekräftigte die IG Bau ihre Forderungen mit dem Hinweis, die Beschäftigten müssten an den Gewinnen der Unternehmen angemessen beteiligt werden. „Es war nicht zu erkennen, dass die Arbeitgeber ernsthaft einen Abschluss wollen“, sagte der IG BAU-Bundesvorsitzende Robert Feiger. Man sei vom Arbeitgeberangebot tief enttäuscht – und zum Arbeitskampf bereit. Motto: „Löhne hoch – sonst Helm runter.“

Damit weist die Gewerkschaft unverhohlen auf die Möglichkeit hin, nach Ende der Friedenspflicht Anfang Juni über reguläre Flächenstreiks abstimmen zu lassen. „Wir bereiten uns natürlich auch organisatorisch auf Streiks vor“, sagte Feiger. Ins Auge fasst man gegebenenfalls öffentlichkeitswirksame Baustellen wie zum Beispiel neue Autobahnabschnitte oder den Berliner Flughafen.

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