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Eine Filiale der Deutsche Industriebank (IKB) in Berlin (Archivfoto vom 14.08.2007). Die wegen der US-Immobilienkrise in Schieflage geratene Mittelstandsbank IKB rechnet im laufenden Geschäftsjahr 2007/2008 mit hohen Verlusten im Konzern von 600 bis 700 Millionen Euro.

Tiefrote Zahlen

IKB droht Schadenersatzklage

US-Hypothekenkrise: Die Deutsche Industriebank zieht die Reißleine - ihr droht eine saftige Schadenersatzklage.

Von BERND SALZMANN

Die IKB will aus Fehlern mit risikoreichen Geschäften am US-Hypothekenmarkt lernen und in Zukunft vorsichtiger agieren. Dem Aufräumkommando um den neuen IKB-Chef Günther Bräunig bleibt allerdings nicht erspart, die Bücher doppelt und dreifach zu prüfen und die Kosten des Großreinemachens zu beziffern, bevor ein Neuanfang gemacht werden kann. Das hat er gestern getan. Seine Bilanz: Die Mittelstandsbank wird im laufenden Geschäftsjahr, das am 30. Juni 2008 endet, tiefrote Zahlen schreiben. Das Management stellt sich auf einen Verlust zwischen 600 und 700 Millionen Euro ein.

Im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr (Stichtag 31. März) hatte die IKB, die den Beinamen Deutsche Industriebank trägt, noch eine Konzernüberschuss in Höhe von 180 Millionen Euro erzielt. Den Aktionären war im Sommer noch eine Dividende von 85 Cent je Stückaktie in Aussicht gestellt worden, doch die guten Zeiten sind zunächst einmal vorbei. Der Vorstand ist im August von seiner erst kurz zuvor abgegebenen Empfehlung für eine Ausschüttung abgerückt. Die Bank benötigt jeden Euro zur Schadensbegrenzung.

Viele Anleger fühlen sich von der Bank verschaukelt. Mittlerweile droht den Düsseldorfern eine Schadenersatzklage in sechsstelliger Höhe. Im Namen eines Ehepaares fordert die Wiesbadener Kanzlei Doerr und Partner 450 000 Euro von dem Institut. Nach Meinung der Anwälte hat die Bank die Anleger wissentlich falsch über ihre Verstrickung in die Krise am US-Markt für zweitklassige Hypothekenkredite (subprime) informiert. "Die IKB teilte am 20. Juli per Pressemitteilung mit, dass es in den USA kaum Risiken gebe - das war definitiv falsch und der Vorstand wusste das auch", zitiert die Nachrichtenagentur dpa Rechtsanwalt Ralf Plück. Das betroffene Ehepaar hatte den Angaben zufolge nach dem 20. Juli in großem Stil IKB-Aktien gekauft: 21 000 Stück.

Die Mienen der Anleger dürften sich gestern weiter verdüstert haben. Denn die im Mittelwerteindex M-Dax notierte IKB-Aktie zählte wie so oft in den vergangenen Wochen zu den Verlierern an der Börse.

Zuvor hatte die krisengeschüttelte Bank in einer Ad-hoc-Mitteilung versucht, Vertrauen zurückzugewinnen. Der Vorstand betonte, er halte "eine einmalige umfassende Bereinigung der Bilanz für geboten", um einen erfolgreichen Neubeginn einleiten zu können. Das Management verständigte sich zudem auf ein reformiertes, risikoärmeres Geschäftsmodell. Darin spielen die inländischen Firmenkunden wieder eine größere Rolle, aber auch Leasing und Private Equity (privates Beteiligungskapital).

Aus den umstrittenen Geschäften steigt die neue Führungsmannschaft aus. "Innovative Finanzierungslösungen bleiben integraler Bestandteil des Geschäftsmodells, Investitionen in international strukturierte Wertpapierportfolios nicht", heißt es in der Mitteilung.

Bräunig und seine Mitstreiter versprechen sich von dem Schwenk "stabile Erträge (..), wenn auch insgesamt auf einem deutlich niedrigeren Niveau als in den zurückliegenden Geschäftsjahren".

Den Verlust kann die IKB nach eigenen Angaben selbst schultern. Dazu will sie auf Genussscheine und stille Einlagen zurückgreifen. Die von der KfW und anderen Banken vereinbarte Risikoübernahme in Höhe von 3,5 Milliarden Euro - sie gilt für den Conduit Rhineland - ist dadurch nicht berührt. Eine Kapitalerhöhung sei nicht notwendig, die Liquidität der Bank sei für die nächsten sechs Monate gedeckt.

Der mit 38 Prozent größte Anteilseigner IKB, die Staatsbank KfW, lobte das Management für den vollzogenen Schnitt. "Die KfW begrüßt, dass die IKB diese Maßnahmen aus eigener Kraft verarbeitet und an der beabsichtigten Refokussierung auf das Mittelstandsgeschäft festhält", teilten die Frankfurter kurz und knapp mit.

Einzelheiten zum Konzernumbau sowie zu den Geschäftszahlen für das Ende Juni abgelaufene erste Quartal will IKB-Chef Bräunig erst nach einer Sonderprüfung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC bekannt gegeben. Finanzkreisen zufolge wird der Bericht für Ende September erwartet.

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