1. Startseite
  2. Wirtschaft

Down Under geht voran

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Joachim Wille

Kommentare

Parlamentswahlen in Australien 2022: Der bisherige Oppositionsführer Anthony Albanese spricht beim Wahlkampfauftakt der Labor Party im Optus Stadium.
Die neue australische Regierung unter dem Labor-Premier Anthony Albanese hat die Klimaziele des Landes deutlich verschärft.  © Lukas Coch

Die neue australische Regierung verschärft die Emissionsziele für das Land. Auf breiter Front gibt es beim Klimaschutz aber kaum Fortschritte, wie die Bonner Klimakonferenz zeigte.

Der Paris-Vertrag steht auf der Kippe. Die bisherigen Klimaziele der Regierungen weltweit reichen bei weitem nicht aus, um das 1,5-Grad-Limit der Erderwärmung einzuhalten. Bis zum UN-Klimagipfel im Herbst im ägyptischen Scharm el-Scheich sollen sie eigentlich nachgeschärft werden. Die am Donnerstag beendete Vorbereitungskonferenz dazu machte aber deutlich: Das wird auf breiter Front kaum gelingen.

Ein Lichtblick war, dass just zum Ende des Treffens am Sitz des UN-Klimasekretariats in Bonn die neue australische Regierung unter dem Labor-Premier Anthony Albanese die Klimaziele des Landes deutlich verschärfte. Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß nun um 43 Prozent gegenüber 2005 sinken. Die konservative Vorgängerregierung von Scott Morrison hatte nur ein Minus von 26 bis 28 Prozent geplant und Verschärfungen abgelehnt.

Auf dem Gipfel in Ägypten soll ein „Arbeitsprogramm“ aufgesetzt werden, um auch in den anderen Ländern Schwung in die Sache zu bringen. Doch die Verhandlungsdelegationen konnten sich in Bonn nicht einmal darauf einigen, was dieses Programm beinhalten soll. Am Ende stellten sie ausdrücklich fest, es gebe „keinen Konsens unter den Vertragsparteien“. Hauptkonflikt war hier, ob das Programm sich hauptsächlich an die „größten Emittenten“ richten solle, also die großen Industriesstaaten, aber auch wichtige Schwellenländer. Die Industrieländer waren dafür, eine Gruppe um China, Indien und Saudi Arabien aber war strikt dagegen. Sie wollten an der traditionellen Unterscheidung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern festhalten. Ihr Argument: Die Klimakonvention, verabschiedet 1992, sehe eine solche neue „Kategorie von Ländern“ nicht vor.

Kaum Fortschritte gab es in Bonn auch beim Thema „klimabedingte Verluste und Schäden“. Hier geht es um die Einrichtung eines speziellen Fonds für Entwicklungsländer, der Sturmschäden, Ernteausfälle wegen Dürren oder Überschwemmungen abdeckt. Die armen Staaten fordern ihn, weil die von den Industriestaaten geleistete Klimafinanzierung allein für die CO2-Reduktion und die Klima-Anpassung gedacht ist. Über den Fonds und darüber, ob auch die Regierungen der Entwicklungsländer hier einzahlen sollen, wird seit Jahren gestritten. In Bonn blieb bis zuletzt unklar, ob der Fonds nun auf dem Gipfel in Ägypten beschlossen werden soll oder nicht.

Patricia Espinosa, die Chefin des UN-Klimasekretariats, zeigte sich ernüchtert von der Konferenz: „Ich denke, was wir hier gesehen haben, ist nach wie vor die Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.“ Espinosa, die das Amt sechs Jahre innehatte, gibt es im Juli auf. Zu Beginn der Konferenz hatte sie gesagt: Ein Weiter-so beim CO2-Ausstoß komme einer „Investition in unsere eigene Auslöschung“ gleich.

Auch interessant

Kommentare