Corona-Pandemie

Donald Trump, sein Golf-Partner und der Antikörper-Cocktail: Das exklusive Wundermittel

  • vonFinn Mayer-Kuckuk
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US-Präsident preist Medikament der Firma Regeneron an und will es gratis verteilen lassen. Aus diversen Gründen ist das unmöglich.

  • US-Präsident Donald Trump preist Corona-Medikament als neues Wundermittel an.
  • Experten halten Trumps Vorschlag einer vorzeitigen Zulassung des Corona-Medikaments für unrealistisch.
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Washington D.C. - Im Kampf gegen Corona klammern sich Öffentlichkeit und Politik an jede Hoffnung auf ein schnelles Ende der Krise. Die jüngste Aufregung betrifft den Wirkstoff Regn-Cov2 der US-Biotechnikfirma Regeneron. Er ist weltweit bekannt geworden, seit Donald Trump das experimentelle Medikament gegen seine Corona-Infektion bekommen hat. Trotz Alter und Übergewicht scheint Covid-19 bei ihm nur einen leichten Verlauf zu nehmen. Weist das auf eine Wirksamkeit der Substanz hin?

Trump selbst hat jedenfalls keine Zweifel. „Ich habe dieses Regeneron genommen, es ist phänomenal“, sagte der US-Präsident am Freitag im Interview mit dem Sender Fox News. „Ich werde es an alle Krankenhäuser ausliefern lassen, wo kranke Leute mit dem China-Virus sind. Kostenlos.“ Die Wirkung sei „unglaublich“, es habe ihn sofort gesund gemacht, „ein Wunder“.

USA: Donald Trumps Zustand hat sich trotz Alter und Übergewicht verbessert

Dabei ist völlig unklar, welcher Bestandteil von Trumps Medikamenten-Cocktail tatsächlich seinen Zustand verbessert hat - und ob er möglicherweise ohnehin nur einen leichten Verlauf gezeigt hätte. Medizinische Experten können nur spekulieren, in einem sind sie sich aber ziemlich sicher: Es gibt kaum eine Chance, dass Trump sein Versprechen wahrmachen kann. „Es ist unrealistisch, und es wird nicht geschehen“, sagt der Notfallmediziner Eric Toner in einem Podcast des Wirtschaftsdienstes Bloomberg. Das Medikament sei dafür viel zu teuer. Selbst der Chef von Regeneron, Leonard Schleifer, ist skeptisch: „Wir haben den Wirkstoff nur im Rahmen eines Compassionate-Use-Programms bereitgestellt.“ Er sei nicht in großer Menge verfügbar. „Compassionate Use“ (Anwendung aus Mitgefühl) ist ein Fachwort für die Gabe von Arzneimitteln ohne Zulassung.

Trump nach seiner Entlassung aus der Klinik am Montag.

Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler möchten sich derzeit nicht klar zur Bedeutung von Regn-Cov-2 im Kampf gegen Covid äußern. Einerseits leuchtet die Idee hinter dem Medikament ein, und sein Potenzial ist hoch. Die neue Therapieform gibt dem Körper einen Vorsprung im Kampf gegen die Krankheit. Statt zu warten, bis ein Patient selbst eine Immunreaktion gegen den Erreger zeigt, führt Regn-Cov-2 ihm gentechnisch erzeugte Antikörper von außen zu. Regeneron steht mit der Idee auch nicht alleine da. Weltweit verfolgen mehrere Dutzend Biotechnik-Firmen einen ähnlichen Ansatz.

Corona in den USA: Donald Trump preist Covid-19-Medikament als Wundermittel an

Doch andererseits fehlt die Erprobung. Nur solide Daten aus kontrollierten Studien eignen sich als Grundlage für wissenschaftliche Aussagen. Da Regn-Cov-2 bisher nur Vortests an 275 Testpersonen absolviert hat, fehlen jedoch belastbare Informationen. Deshalb ist das Medikament auch nicht zugelassen. Am Donnerstag hat das Unternehmen eine erste Sonderzulassung für absolute Notfälle beantragt.

Doch selbst wenn über die Wirksamkeit der Therapie mehr Klarheit herrschte: Es ist schwer, aus dem Stand große Mengen der Wirkstoffe herzustellen. Außerdem hat die Politik den Schwerpunkt auf die Impfstoffentwicklung gesetzt. Die Antikörpertherapie wird eher als Hilfsmittel gesehen, bis sich die breite Bevölkerung mit der Impfung dauerhaft schützen lässt.

Corona-Medikament Regeneron: Chef von Pharmaunternehmen mit Trump im gleichen Golfclub

Regeneron-Chef Schleifer beklagt, dass sein Unternehmen von Anfragen überschwemmt werde. Die unerwünschte Aufmerksamkeit verdankt er einem Golf-Freund: Er und Trump spielen im gleichen exklusiven Klub. Das mag geholfen haben, ihm die Dosis des kostbaren Wirkstoffs zu sichern – obwohl kaum ein Unternehmen so eine Anfrage der Ärzte des Präsidenten abgelehnt hätte. Als Firmeninhaber dürfte sich Schleifer aber über den Anstieg des Aktienkurses freuen, den die Aufmerksamkeit bewirkt hat. Seit Januar ist der Wert seiner Firma um 180 Prozent gestiegen, Schleifer ist einige Milliarden reicher.

Grundsätzlich ist Regeneron ein solides Unternehmen. Schleifer hat es 1988 zusammen mit zwei Nobelpreisträgern gegründet. Seit 1991 ist es an der Börse notiert und hat seitdem zusammen mit Pharmakonzernen eine Reihe von Medikamenten auf den Markt gebracht. (Von Finn Mayer-Kuckuk)

Rubriklistenbild: © AFP

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