Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Donald Trump
+
Seit seiner Wahl zum US-Präsidenten 2016 verzeichnet Donald Trump erhebliche Verluste auf vielen Geschäftsfeldern. (Archivfoto)

Reportage „Trumps krankes Reich“

Präsidentschaft kostet Donald Trump fast eine Milliarde Dollar – Deutsche Bank stoppt Geschäfte ein

  • VonMirko Schmid
    schließen

Seine vier Jahre im Weißen Haus kosten Donald Trump beinahe ein Drittel seines Vermögens. Mit dem Ex-Präsidenten will die Deutsche Bank keine Geschäfte mehr führen.

  • Donald Trump muss Verluste auf diversen Geschäftsfeldern hinnehmen.
  • In seiner Zeit als US-Präsident hat Trump knapp eine Milliarde US-Dollar verloren.
  • Aktuelles zum 45. Präsidenten der USA finden Sie in den Trump-News.

Palm Beach, Florida - Wenn Donald Trump in seinem Golfressort Mar-a-Lago sein Vermögen zählt, dann findet er Zahlen vor, die ihm nicht gefallen dürften. Seit seinem Einzug ins Weiße Haus ist dieses nämlich um knapp eine Milliarde US-Dollar zusammengeschrumpft. Laut dem „Bloomberg Billionaires Index“ ist Trumps Nettovermögen von 3 Milliarden US-Dollar zum Zeitpunkt seiner Wahl zum Präsidenten 2016 auf inzwischen 2,3 Milliarden US-Dollar gesunken.

„Bloomberg“ analysiert das Vermögen von Donald Trump

Das „Bloomberg“-Onlinemagazin widmet sich in einer ausführlichen Recherche dem Wert der Unternehmungen des ehemaligen US-Präsidenten und kommt zu dem Schluss: Trumps „Reich“ krankt. Als Gründe dafür nennen die Wirtschaftsjournalist:innen sowohl die Corona-Pandemie, von der Donald Trump gesagt hatte, sie würde in kürzester Zeit „von selbst“ verschwinden, sowie eine „Beschädigung seiner Marke“, welche auch auf den Sturm auf das US-Kapitol vom 6. Januar 2021 zurückzuführen sei.

Das Team um Sophie Alexander und Max Abelson hat im Rahmen seiner Aufarbeitung offizielle finanzielle Bekanntmachungen der Trump-Gesellschaften, Interviews mit ehemaligen Führungskräften und Branchenanalysten sowie eine Vielzahl von Rechtsstreitigkeiten und Ermittlungen unter die Lupe genommen. Was bei ihrer Recherche herauskam, dürfte Donald Trump nicht gefallen.

Donald Trump verzeichnet erhebliche Verluste bei Vermietung und Catering

Da sind zunächst seine Immobilien wie Bürogebäude, Hotels und Resorts. Die Corona-Pandemie sorgt für einen erheblichen Ausfall von Einnahmen aus der Vermietung von Räumen und Zimmern. Zudem leiden angeschlossene Restaurant- und Cateringbetriebe unter dem Rückgang an Übernachtungs- und Tagesgästen. Dazu kommt, dass Donald Trump in den nächsten vier Jahren mindestens 590 Millionen Dollar an Krediten zurückzahlen muss - für mehr als die Hälfte davon haftet der ehemalige US-Präsident persönlich.

Doch die Verluste aus vier Jahren Präsidentschaft haben auch Vorteile für Donald Trump. Im Anschluss an die Corona-Pandemie könnte der Wert seiner Immobilien sich wieder deutlich erholen - und bis dahin wäre es Trump möglich, Verluste und Abschreibungen zu nutzen, um seine Steuerlast zu drücken, wie er es schon immer gerne tat. Auch stehen ihm seit seinem Auszug aus dem Weißen Haus neue Geschäftsfelder offen. Zuletzt wurde über den Aufbau eines eigenen digitalen Nachrichtenangebots und einer eigenen Social Media-Plattform spekuliert. Auch eine Rückkehr auf die Bühne als TV-Star könnte sich Trump gut bezahlen lassen.

Donald Trump: Eigentümer bekommen Wohnungen im Trump-Tower nicht los

Bloomberg“ analysiert Trumps unternehmerische Aktivitäten getrennt voneinander. Da wären zunächst seine Gewerbeimmobilien. Diese werden derzeit mit 1,7 Milliarden US-Dollar bei gleichzeitigen Verbindlichkeiten von 256,8 Millionen US-Dollar bewertet. Gemeinsam machen sie rund ein Viertel seines Nettovermögens aus. Ruth Colp-Haber, Chefin der Beratunsagentur „Wharton Property Advisors“, warnt vor weiteren Verlusten: „Dies sind die Unternehmen, in denen Sie gerade nicht tätig sein möchten.“ Schon jetzt machen die Verluste von Donald Trump auf diesem Geschäftsfeld seit 2016 26 Prozent aus.

Von den Einbußen ist neben Trumps gewinnträchtigsten Bürotürmen in New York und San Francisco auch sein persönliches Monument betroffen - der Trump Tower in New York City. Dort sind die Mieten seit 2018 im Zuge der Corona-Pandemie um 32 Prozent gesunken. Verschiedene Wohnungseigentümer:innen berichten gegenüber „Bloomberg“, dass sie ihre Appartments im Trump Tower nicht verkauft bekommen - trotz zum Teil „starker Rabatte“.

NameDonald Trump
BerufUnternehmer
Vermögen2,3 Milliarden US-Dollar
Geschäftsfelder (Auswahl)Immobilien, Hotelbetrieb, Lizenzierungen

Deutsche Bank kündigt an, keine Geschäfte mehr mit Donald Trump zu machen

Ein weiteres Geschäftsfeld, das derzeit unter den Folgen der Pandemie ächzt, ist Trumps Hotel- und Ressortsparte. Insgesamt wird sie mit 558,9 Millionen US-Dollar bewertet. Einem Einkommen von 90,8 Millionen stehen Verbindlichkeiten von 330 Millionen gegenüber. In den Jahren zwischen 2015 und 2020 sanken die Einnahmen um 42 Prozent. Donald Trump persönlich bürgte zuletzt für den gesamten Betrag der Verbindlichkeiten mit seinem Privatvermögen. Dazu war der ehemalige Präsident gezwungen, nachdem die Deutsche Bank, einer seiner größten Kreditgeber, nach dem Sturm auf das Kapitol angekündigt hatte, keine Geschäfte mehr mit dem Mann zu machen, dem sowohl das Repräsentantenhaus als auch der Senat der USA mehrheitlich bescheinigt hatten, die Unruhen angezettelt zu haben.

Weiterhin erfolgreich bleibt Trumps Golfressort und Rückzugsort Mar-a-Lago. 1985 hatte er die Liegenschaft an der Atlantikküste für 10 Millionen US-Dollar erstanden, 2015 betrugen alleine die Einnahmen dort 22,3 Millionen. Die Mitglieder des Golfclubs zahlen jährlich 250.000 US-Dollar, um dem Immobilienmogul nahe zu sein. Und davon lassen sich nur wenige abbringen - im abgelaufenen Jahr betrugen die Einnahmen sogar 22,9 Millionen. Noch ist nicht genau abzusehen, wie sich die Vorfälle vom 6. Januar 2021 auf die Bilanz des aktuellen Wohnortes von Donald Trump auswirken werden, doch einige Medienberichte erzählen bereits die Geschichte eines traurigen, verlassenen Ortes.

Die Marke Donald Trump verliert an Wert, Hotel streicht seinen Namen

Doch nicht nur in Mar-a-Lago verdient Donald Trump Geld mit dem Golfsport. Insgesamt werden seine weltweit von Schottland bis Dubai verstreuten Golfressorts und -pacours mit 271,7 Millionen US-Dollar bewertet. 108,3 Millionen US-Dollar an Einnahmen stehen Verbindlichkeiten von 18 Millionen und ein Einnahmenverlust von 18 Prozent zwischen 2015 und 2020 entgegen. Laut dem Branchenexperten Mike Loustalot, Mitbegründer von „Sagacity Golf“, war die Anzahl der im letzten Jahr gespielten Runden auf Trumps Grünflächen so hoch wie selten zuvor. Doch auch in Trumps Golfsparte läuft es nicht nur rund. Laut britischen Unterlagen verzeichnen zwei seiner Kurse in Schottland, Trump Turnberry und Aberdeen, durchgehend Verluste.

Besonders schlecht steht es um die Lizenzierung der Marke von Donald Trump. Alleine damit verzeichnet der ehemalige Präsident zwar weiterhin 22,7 Millionen US-Dollar, jedoch brachen die Einnahmen für die Nutzung seines Namens für unter anderem Immobilienprojekte, Hotels in Indonesien, Eigentumswohnungen in Connecticut und Herrenbekleidung bei Macy‘s zwischen 2015 und 2020 um 30 Prozent ein. Nach dem Aufstand in Washington beschlossen beispielsweise die Eigentümer des Trump Plaza in Floridas West Palm Beach, den Namen des Republikaners zu streichen.

Donald Trump verliert Einnahmen aus Luxusimmobilien und Buchlizenzen

Besonders bitter sieht es für Donald Trump auf dem Feld der „sonstigen Liegenschaften“ aus, zu denen beispielsweise ein Weinanbaugebiet und verschiedene Luxusimmobilien gehören. Einer Bewertung von 375,9 Millionen US-Dollar und 9,9 Millionen an Einnahmen stehen Verbindlichkeiten von 25,6 Millionen und ein Einkommensrückgang von stattlichen 85 Prozent zwischen 2015 und 2020 gegenüber. Ähnlich steht es um Trumps eigene Flugzeugflotte, zu der auch eine Boeing 757 gehört. Sukzessive verkaufte Trump mehrere der teils Jahrzehnte alten Maschinen und senkte den Bestand von sieben jeweils mindestens 59 Millionen US-Dollar teuren Flugzeugen auf nur noch fünf - das günstigste wäre für rund 6,5 Millionen zu haben. Bei einer Gesamtbewertung von 31 Millionen US-Dollar verzeichnete diese Sparte von 2016 bis 2021 einen Verlust von 59 Prozent.

Als noch schlimmer erweist sich der Blick auf Trumps Unterhaltungssparte. Seine Einnahmen aus Lizenzgebühren für Bücher sanken von 2015 bis 2020 um 87 Prozent auf nur noch 119.000 US-Dollar, die Einnahmen aus Showformaten wie „Miss America“ (verkauft 2015), „The Apprentice“ sowie Gastauftritten in Filmen und Serien wie „Sex and the City“ und „Kevin allein zu Haus 2“ belaufen sich nur noch auf 350.000 US-Dollar im Jahr 2020 - 99 Prozent weniger als noch 2015. Nach dem Aufstand im Kapitol erwog die Künstergewerkschaft „Screen Actors Guild“, Trumps Mitgliedschaft zu widerrufen, der Unternehmer kam dem Rauswurf mit einem Austritt zuvor. (Mirko Schmid)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare