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Das Smartphone Huawei P20 Pro.

USA/China

Trump nimmt Huawei zur Geisel

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Handy-Hersteller darf Google-Software nur noch beschränkt nutzen.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China bringt den Techriesen Huawei in schwere Bedrängnis. Das Unternehmen muss ab sofort auf Hard- und Software aus den USA verzichten. Dazu zählen auch neue Programme für das Smartphone-Betriebssystem Android. Auch der US-Ableger des deutschen Chipherstellers Infineon stellt die Belieferung mit Komponenten ein.

Hinter Android steht die Google-Mutter Alphabet. Die teilte am Montag mit, dass man die Geschäftsbeziehungen mit dem chinesischen Konzern gemäß einem Dekret der Regierung einfrieren werde. Auf bereits verkauften Geräten würden aber Dienste wie der App-Store Google Play und die Sicherheitssoftware weiter funktionieren.

Zunächst keine Einschränkungen für die Nutzer

Das bedeutet: Nutzer mit einem Huawei-Handy werden zunächst keine Einschränkungen hinnehmen müssen. Neue Sicherheits-Updates wird es ebenfalls weiterhin geben. Denn solche Programme gehören zur frei verfügbaren Software (Open Source). Auch Apps von Google, dessen E-Mail-Service Gmail oder das Landkarten- und Navigationsprogramm Maps werden weiter funktionieren. Nach einer ersten Stellungnahme von Huawei seien die Dienste ebenfalls bei „lagerhaltigen Geräten“ sichergestellt – also bei allen Smartphones die noch nicht verkauft sind, aber bereits im Lager liegen.

Die Besitzer von Huawei-Handys müssen sich allerdings darauf einstellen, dass sie die gewohnten neuen Versionen von Android künftig nicht mehr erhalten werden, sodass die Geräte auf dem aktuellen Stand gewissermaßen stehenbleiben. Denn bei den üblichen Updates handelt es sich auch um Software, die von Alphabet entwickelt wurde. Allerdings ist es möglich, Android-Geräte komplett auch ohne Software von der Google-Mutter zu betreiben. Dazu gibt es alternative App-Stores wie beispielsweise F-Droid.

Viel stärker wären die Einschränkungen für Kunden, die neue Geräte kaufen: Den Zugang zu Google-Diensten wie Maps und Gmail soll es nicht mehr geben. Und im Play-Store können keine zusätzlichen Anwendungen mehr heruntergeladen werden.

Branchenkenner vermuten, dass allein die Ankündigung der Restriktionen für Huawei dazu führen wird, dass der Absatz der Geräte einbrechen wird. Dabei hat das Unternehmen trotz eines stagnierenden Marktes in den vergangenen Monaten eine bemerkenswerte Wachstumskurve gezeigt. Nach den Zahlen des Marktforschungsunternehmens IDC wurden allein im ersten Quartal rund 59 Millionen Geräte abgesetzt – im Vorjahr waren es noch 20 Millionen weniger. Huawei-Handys liegen weltweit hinter Samsung auf dem zweiten Platz. Sie sind vor allem wegen ihres günstigen Preis-Leistungs-Verhältnisses begehrt.

Trump fordert Zugeständnisse

US-Präsident Donald Trump attackiert Huawei seit geraumer Zeit. Er und viele seiner Sicherheitsberater sehen in dem Unternehmen eine Bedrohung der Sicherheit der USA. Sie werfen den Managern vor, dass sie mit den chinesischen Geheimdiensten kooperieren und in den USA digitale Spionage betreiben. Beweise dafür wurden bislang nicht vorgelegt. Das Management und die chinesische Regierung haben die Vorwürfe der Amerikaner bislang immer vehement bestritten.

Trump hat dennoch in der vorigen Woche den nationalen Notstand in der Telekommunikation ausgerufen und Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt. Seither müssen US-Unternehmen, die mit den Chinesen noch zusammenarbeiten wollen, dafür besondere Genehmigungen bei der Regierung einholen. Infineon liefert deshalb keine Waren mehr nach China, die das Unternehmen in den USA hergestellt hat.

Beobachter gehen davon aus, dass Trump mit der verschärften Gangart die chinesische Seite in den verhärteten Handelsgesprächen zum Einlenken zwingen will. Der Präsident fordert massive Zugeständnisse von der kommunistischen Führung, die die gesamte Wirtschaftspolitik der Volksrepublik umkrempeln würden. Im Kern geht es darum, staatliche Subventionen für chinesische Firmen zu streichen und bessere Bedingungen für US-Firmen bei Investitionen in der Volksrepublik durchzusetzen.

Mit seiner Attacke setzt Trump auf ein Instrument, mit dem er bereits im vorigen Jahr bei dem chinesischen Netzwerkhersteller ZTE erfolgreich war. Die Belieferung mit US-Komponenten wurde verboten. Innerhalb weniger Wochen stand die Firma vor dem Ruin – und die kommunistische Führung machte Zugeständnisse in den Handelsgesprächen.

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