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Donald Trump bewegt die Aktienkurse

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Von: Sebastian Wolff

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Die Reaktion der Börsen auf den Wahlsieg von Donald Trump bietet einige Überraschungen. Doch nicht alle Branchen profitieren bisher.

Nicht nur der Sieg Donald Trumps bei den US-Präsidentschaftswahlen war für die meisten Beobachter eine faustdicke Überraschung – sondern auch die Reaktion der Börsen darauf. In den Tagen nach der Wahl blieb der eigentlich für den Fall eines Trump-Sieges von Experten erwartete Absturz der Aktienkurse aus. Im Gegenteil: Die Kurse der meisten Unternehmen legten sogar kräftig zu.

Offensichtlich gehen die meisten Anleger davon aus, dass Trump viele seiner scharfen Ankündigungen, die er während des Wahlkampfs machte, nicht oder nur in abgeschwächter Form umsetzen wird. Und einige Vorhaben Trumps wurden von den Anlegern plötzlich als positiv gewertet – so etwa die geplanten massiven Steuersenkungen, die, so die Hoffnung der Anleger, wie ein Konjunkturpaket wirken könnten.

Finanzkonzerne profitieren: Ganz besonders haben die Aktien der Deutschen Bank von Trumps Wahlsieg profitiert. Am 8. November, dem Tag der Wahl, notierte die Aktie noch bei rund 12,50 Euro. Nach der Wahl stieg der Kurs innerhalb weniger Tage auf über 15 Euro. Der Grund: Trumps Immobilienunternehmen hat hohe Kredite bei dem angeschlagenen deutschen Geldhaus. Die Anleger spekulieren deshalb darauf, dass Trump sich bei den zahlreichen Verfahren, die gegen die Deutsche Bank in den Vereinigten Staaten laufen, für die Deutschen einsetzen wird und die Strafen deshalb geringer ausfallen als bislang befürchtet.

Auch die Kurse von US-amerikanischen Bankaktien sind in den Tagen nach Trumps Wahlsieg stark gestiegen. Denn die Branche kann in den Vereinigten Staaten mit laxeren Vorschriften rechnen. Trump hat bereits angekündigt, ein Gesetz, das in der Finanzkrise eingeführt wurde, um die Geldhäuser schärfer zu regulieren, auf den Prüfstand zu stellen.

Versicherungsaktien wie zum Beispiel die Dax-Werte Allianz oder Münchener Rück haben ebenfalls von Trumps Wahlsieg profitiert und kräftig zugelegt. Die Branche würde von steigenden Zinsen profitieren, mit denen nun gerechnet wird.

Öko-Energie-Branche leidet: Doch es gab auch Aktien, deren Kurs nach dem Wahlsieg Trumps starke Einbußen erlitten haben. Allen voran die Aktien von Unternehmen aus der Erneuerbare-Energien-Branche. Denn Trump hat im Wahlkampf wiederholt durchblicken lassen, dass er nicht viel von Klimaschutz und Energiewende hält. Er will stattdessen auf Öl und Kohle setzen – um sich bei seinen Wählern zu bedanken: So versprach er den arbeitslos gewordenen Bergarbeitern in West Virginia und Kentucky, dass sie ihre Jobs bald wieder bekommen würden.

Eines der Unternehmen, die wegen Trumps Wahlsieg besonders unter die Räder geraten sind, ist das deutsche Windkraft-Unternehmen Nordex: Am Tag der Präsidentschaftswahl notierte die Aktie noch bei rund 22,50 Euro. Danach fiel sie innerhalb von wenigen Tagen auf etwa 17,50 Euro – das entspricht einem Kursverlust von mehr als 20 Prozent. Ähnlich erging es dem norwegischen Nordex-Konkurrenten Vestas: Der Aktienkurs verlor in den Tagen nach der US-Wahl ebenfalls etwa 20 Prozent. Und auch die Aktie des deutschen Solarindustrie-Zulieferers SMA Solar verlor kräftig an Wert. Nicht viel besser erging es den Aktien der im Dax notierten Energieriesen RWE und Eon, deren mühsames Unterfangen, die Energiewende zu vollziehen, durch Trumps Sieg etwas konterkariert wurde.

Deutsche Exportwerte betroffen

Technologiekonzerne unter Druck: Hohe Kursverluste erlitten auch die Aktien großer Technologieunternehmen – etwa Amazon, Alphabet (Google), Facebook und Apple, ebenso wie die des Elektrofahrzeugherstellers Tesla. Denn die Chefs dieser Unternehmen gehören zu Trumps größten Kritikern. Kein Wunder: Der künftige Präsident hat schließlich angekündigt, die US-Wirtschaft von Grund auf verändern zu wollen und die etablierten Unternehmen aus dem Silicon Valley massiv unter Druck zu setzen. „Wenn ich Präsident werde, dann haben sie Probleme“, hatte er Anfang des Jahres gedroht. Trump – dem vorgeworfen wird, dass er selbst 18 Jahre lang keine Steuern gezahlt hat – warf Amazon, Facebook & Co ausgerechnet ihre angebliche Steuervermeidungspraxis vor.

Speziell Amazon dürfte unter Trumps Präsidentschaft leiden. Gegen Amazon-Chef Jeff Bezos führt der künftige US-Präsident schon seit Jahren eine Art Privatkrieg. Trump wirft ihm vor, die Zeitung „Washington Post“ nur aus zwei Gründen gekauft zu haben: um Steuern zu sparen und um die öffentliche Meinung in seinem Sinne zu beeinflussen. Inzwischen hat Trump angekündigt, dass er die Vormachtstellung Amazons kartellrechtlich für bedenklich halte und dagegen vorgehen will.

Deutsche Exportwerte betroffen: Doch auch ausländische, insbesondere deutsche, exportorientierte Unternehmen – und zwar auch die außerhalb des Energiesektors – dürften unter Trumps Präsidentschaft leiden. Denn Trump ist ein Gegner der Globalisierung. Er will die Importe zurückfahren und auf die eigenen inländischen Unternehmen setzen. Das könnte insbesondere den großen deutschen Autobauern schwer zusetzen. Denn BMW, Daimler und Volkswagen erwirtschaften bislang einen großen Teil ihrer Umsätze in den USA. Auch der Chemiekonzern BASF ist dort stark engagiert.

Negativ betroffen sein von Trumps Präsidentschaft dürften auch Gesundheitsaktien. Denn Trump will die Gesundheitsreform seines Vorgängers Barack Obama (Obamacare) zurechtstutzen. Darunter dürften US-Pharmariesen wie Merck und Pfizer ebenso leiden wie deutsche Gesundheitsaktien. Insbesondere für die Aktionäre des Dialysespezialisten Fresenius Medical Care besteht Anlass zur Sorge. Denn bislang macht das Unternehmen einen Großteil seiner Umsätze in den USA. Und der Leverkusener Pharmariese Bayer muss sich womöglich darüber sorgen, dass die bereits beschlossene Übernahme des US-Unternehmens Monsanto von Trump wieder in Frage gestellt wird.

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