1. Startseite
  2. Wirtschaft

Dollar macht Draghi Sorgen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stephan Kaufmann

Kommentare

"Die jüngsten Schwankungen der Wechselkurse sind eine Quelle der Instabilität", mahnte EZB-Chef Mario Draghi.
"Die jüngsten Schwankungen der Wechselkurse sind eine Quelle der Instabilität", mahnte EZB-Chef Mario Draghi. © rtr

Mit Steuersenkungen werden Investoren in die Vereinigten Staaten gelockt. Nun drückt Washington auch noch den Dollar-Kurs nach unten.

Amerikas Regierung zieht derzeit alle Register, um die Position der USA im globalen Wettbewerb zu stärken. Mit Steuersenkungen werden Investoren in die Vereinigten Staaten gelockt. Schutzzölle sollen Importe abblocken. Und nun drückt Washington auch den Dollar-Kurs nach unten. Das wird zum Problem für die Euro-Zone und die Europäische Zentralbank (EZB). „Die jüngsten Schwankungen der Wechselkurse sind eine Quelle der Instabilität“, mahnte EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag.

Noch vor einem Jahr war die US-Währung deutlich stärker, sie stand bei 1,07 Dollar je Euro. Derzeit müssen 1,24 Dollar für einen Euro bezahlt werden. Die Dollar-Schwäche auch gegenüber anderen Währungen gibt Ökonomen Rätsel auf. Schließlich ist die amerikanische Konjunktur stark. Zudem sind die Zinsen in den USA gestiegen: So liegt der Leitzins inzwischen bei 1,25 bis 1,50 Prozent, in der Euro-Zone hingegen weiter bei null Prozent. Zehnjährige amerikanische Staatsanleihen bringen derzeit 2,6 Prozent, in Deutschland und Frankreich sind es weniger als ein Prozent. Diese Zins-Differenz macht Dollar-Anlagen für Investoren attraktiver als Euro-Anlagen. Daraus „hätte sich eigentlich eine weitere Aufwertung des Dollar ergeben müssen“, so die Bank M.M.Warburg.

US-Regierung ist zufrieden

Die aktuelle Dollar-Schwäche bietet den USA einige Vorteile und passt zur handelspolitischen Strategie der Regierung. Bereits im vergangenen Jahr hatte Präsident Donald Trump geklagt, der starke Dollar „tötet unsere Wettbewerbsfähigkeit“. Nun macht ein niedrigerer Dollar-Kurs Amerikas Ausfuhren auf dem Weltmarkt tendenziell billiger, was die US-Export-Unternehmen stärkt. Gleichzeitig macht sie Einfuhren für die USA teurer, was ausländische Unternehmen schwächt und in Amerika produzierende Unternehmen unterstützt.

Vor diesem Hintergrund sorgte am Mittwoch US-Finanzminister Steven Mnuchin für Wirbel: Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos sagte er, ein „schwächerer Dollar ist gut für uns“. Die kurzfristige Entwicklung des Dollar-Kurses sei für ihn „absolut kein Grund für Sorge“. An den Finanzmärkten wurde dies als politische Unterstützung des schwachen Dollar gewertet, was die US-Devise auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren drückte.

Die Euro-Zone ihrerseits kann einen starken Euro und einen schwachen Dollar kaum gebrauchen. Damit steht die Europäische Zentralbank (EZB) vor einem Dilemma. Noch hält sie die Zinsen über Anleihekäufe und ultraniedrige Leitzinsen unten. Doch passt dieser geldpolitische Stimulus nicht mehr zur Konjunktur.

Das zeigen die Stimmungsindikatoren: Der Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone stieg im Januar auf den höchsten Wert seit Sommer 2006. Die Firmen melden einen hohen Auftragsbestand und große Zuwächse bei den Neuaufträgen. Der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex erreichte im Januar den höchsten Stand seit 1969, meldete das Ifo-Institut am Donnerstag. „Die politische Lage in Deutschland hat offensichtlich absolut keinen Einfluss auf die Unternehmensstimmung“, kommentierte Carsten Bzreski von der Bank ING-Diba.

Die EZB müsste nun langsam damit beginnen, einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik zu anzukündigen. Die Aussicht auf höhere Zinsen allerdings könnte den Euro weiter deutlich steigen lassen, was den Aufschwung abschwächen könnte. EZB-Chef Draghi nannte „Entwicklungen an den Devisenmärkte“ am Donnerstag ein „Abwärtsrisiko“ für die Euro-Konjunktur.

Draghi versuchte daher, die Erwartungen bald steigender Zinsen zu bremsen. Die Leitzinsen würden noch lange niedrig bleiben, betonte der EZB-Chef, und Zinserhöhungen stünden erst lange nach dem Ende der Anleihekäufe im September 2018 an. Als Reaktion auf die Zufriedenheit des US-Finanzministers mit dem schwachen Dollar erinnerte Draghi an die Vereinbarung aller G20-Staaten, von „Abwertungen zu Gunsten der Wettbewerbsfähigkeit Abstand zu nehmen“.

Auch interessant

Kommentare