Bauxit-Abbau in Guinea

Dörfer müssen Mine weichen

  • Tobias Schwab
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NGOs kritisieren die deutsche Kreditgarantie für eine Bergbaufirma in Guinea, dem Land, das über ein Drittel des weltweiten Bauxit-Vorkommens verfügt – der Rohstoff, aus dem Aluminium gewonnen wird.

Ohne Aluminium geht nichts in der Automobilindustrie. Die einzige deutsche Fabrik, die das Vorprodukt für das begehrte Metall noch hergestellt, liegt in Stade. Im firmeneigenen Hafen der Aluminiumoxidwerke (AOS) an der Unterelbe machen regelmäßig Schiffe fest, die Bauxit aus Guinea nach Stade verfrachten.

Bauxit ist der Rohstoff, aus dem Aluminium gewonnen wird. Und das westafrikanische Land verfügt über etwa ein Drittel der weltweiten Vorkommen. Chinesische Bergbaufirmen beuten die Bauxit-Lager aus. Und auch westliche Staaten wollen sich den Nachschub sichern. Die Weltbank gewährte der halbstaatlichen guineischen Bergbaufirma CBG deshalb 2016 ein Darlehen über 722 Millionen Euro für den Ausbau einer Bauxit-Mine.

Mehrere internationale Geldhäuser sind an dem Kredit beteiligt - darunter die ING . Und mittels einer Kreditgarantie über 250 Millionen Euro auch die Bundesregierung. In den Augen der NGO Fian und von Powershift, eines Vereins, der sich für eine sozial gerechtere Weltwirtschaft einsetzt, trägt die Bundesregierung damit dazu bei, Menschenrechte zu verletzen und Umwelt zu zerstören. Durch den Ausbau der Mine sähen 13 Dörfer in der Region Boke ihre Lebensgrundlagen bedroht, berichten die beiden Organisationen. Die Bewohner haben deshalb bereits im Februar 2019 eine Beschwerde bei der Weltbank eingereicht. Die ist wegen der Corona-Pandemie aber noch anhängig. Dennoch habe der Minenbetreiber bereits das Dorf Hamdallaye zwangsumgesiedelt - auf unfruchtbares Land und ohne Zugang zum Straßennetz.

„Um in Deutschland umweltschädliche Autos bauen zu können, vergibt die Bundesregierung eine Kreditgarantie, obwohl mit dieser Absicherung in Guinea Menschen vertrieben werden“, sagt Michael Reckordt, Rohstoffexperte von Powershift. Deutschland sei auch im Ausland zum Schutz der Menschenrechte verpflichtet, ergänzt Gertrud Falk von Fian.

Das deutsche Engagement in Guinea zählt zu den „Großprojekten von herausragender strategischer Bedeutung für Deutschland“, wie es im Jahresbericht 2016 über die Exportkreditgarantien heißt. Der Ausbau der Mine ermögliche es den Aluminiumoxidwerken in Stade, ihre Produktion für mehr als zehn Jahre sicherzustellen - und damit auch die Versorgung der Autobauer.

Das darf aber nicht auf Kosten der Menschenrechte gehen, argumentieren Powershift und Fian und starten jetzt die Petition #StopptUnFaireKredite an Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Sie fordern eine Entschädigung der Vertriebenen - vor allem für den Verlust von Ackerland. Unternehmen, die Menschenrechte verletzen, sollten zudem künftig von der Außenwirtschaftsförderung ausgeschlossen werden.

Das Bundeswirtschaftsministerium teilte auf Anfrage mit, bei Kreditgarantien spielten Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsaspekte eine wichtige Rolle. Die Bergbaufirma CBG habe sich dazu verpflichtet, entsprechende Weltbankstandards einzuhalten. Zentrales Ziel der Umsiedlung sei es, „die Lebenssituation der Betroffenen zu verbessern, mindestens jedoch zu erhalten“. Die Umsetzung werde durch Standortbesuche regelmäßig überwacht.

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