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Maximal 25,25 Meter lang dürfen die Gigaliner sein.
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Maximal 25,25 Meter lang dürfen die Gigaliner sein.

Gigaliner

Dobrindts LKW-Alleingang

  • Thorsten Knuf
    VonThorsten Knuf
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Die Freigabe von Straßen für überlange Lastwagen ist in der Regierung höchst umstritten. Kritik kommt vor allem aus dem Umweltministerium.

Die schwarz-rote Bundesregierung startet mit Streit ins neue Jahr, das Umweltministerium von Ressortchefin Barbara Hendricks (SPD) schießt aus vollen Rohren gegen Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU): Dessen Entscheidung, zum Jahreswechsel den Weg für den Einsatz der umstrittenen Riesen-Lkw auf deutschen Straßen frei zu machen, sei innerhalb der Regierung nicht abgestimmt und eine schwerwiegende Fehlentscheidung. Die FR erläutert, worum es bei dem Streit geht.

Warum regt sich das Umweltministerium so auf? Jahrelang wurde der Betrieb besonders langer Lkw hierzulande erprobt, seit Jahresbeginn dürfen die Laster regulär auf bestimmten Straßen fahren. Verkehrsminister Dobrindt, der als großer Fan der umstrittenen Fahrzeuge gilt, hatte dafür kurz vor dem Jahreswechsel die rechtlichen Grundlagen geschaffen. „Das ist gut für die Umwelt und gut für den Logistikstandort Deutschland“, meint der Minister. Hendricks’ Staatssekretär Jochen Flasbarth kontert: „Die Auswirkungen des Lang-Lkw, seine Umweltbelastungen wie auch die Auswirkungen auf den Schienenverkehr sind noch nicht ausreichend untersucht.“

Was sind überhaupt Lang-Lkw? Es handelt sich um Fahrzeuge, die maximal 25,25 Meter lang sein dürfen. Kritiker sprechen von Monster-Trucks, auch der Begriff Gigaliner ist gebräuchlich. Zum Vergleich: Herkömmliche Sattelschlepper dürfen höchstens eine Länge von 16,50 Metern haben, Lastzüge (also Lkw mit einem Anhänger) von 18,75 Meter. Damit sind die Riesenlaster bis zu 6,50 Meter länger. Die bisherigen Gewichtsgrenzen bleiben jedoch bestehen: Lastwagen samt Fracht dürfen weiterhin höchstens 40 Tonnen wiegen. Im kombinierten Verkehr – das heißt einer Kombination etwa aus Schiffs-, Bahn- sowie Lkw-Transport – liegt die Grenze bei 44 Tonnen.

Warum sind die Riesenlaster so umstritten? Kritiker gehen davon aus, dass sie die Verkehrssicherheit beeinträchtigen. Weil die Fahrzeuge mehr Fracht aufnehmen können, sehen sie überdies die Gefahr, dass noch mehr Verkehr von der Schiene auf die Straße verlagert werden könnte. Die Befürworter argumentieren hingegen, dass zwei Lang-Lkw drei herkömmliche Laster ersetzen könnten. Die Bundesanstalt für Straßenwesen, die Dobrindt untersteht, spricht von Effizienzgewinnen und einer Kraftstoffersparnis von 15 bis 25 Prozent. Es gebe auch keinen erhöhten Erhaltungsaufwand für die Infrastruktur. Die Behörde hatte den Einsatz der Lang-Lkw fünf Jahre lang getestet.

Dürfen die Gigaliner überall fahren? Nein. Die Freigabe gilt nur für ein beschränktes Straßennetz, das so genannte Positivnetz. Es hat derzeit eine Länge von rund 11 600 Kilometern. Außerhalb dieser Strecken dürfen die Wagen nicht fahren.

Sind grenzüberschreitende Fahrten möglich – etwa in die Niederlande, nach Polen oder Frankreich? Nein. In Dobrindts Haus heißt es, dass dafür bilaterale Abkommen zwischen den Regierungen der betroffenen Länder notwendig seien. Solche Verträge gibt es bislang aber nicht, und sie sind auch nicht in Sicht. „Bilaterale Abkommen können keine europäische Gesetzgebung untergraben“, sagt der EU-Abgeordnete Michael Cramer (Grüne), der dem Verkehrsausschuss des Europaparlaments vorsitzt. Da die zulässigen Maße und Gewichte von Lkw im grenzüberschreitenden Verkehr nicht national, sondern auf EU-Ebene festgelegt werden, müsste die Union erst die Mitgliedstaaten zum Abschluss bilateraler Abkommen ermächtigen. Das steht bisher noch aus. Ein entsprechender Versuch der EU-Kommission scheiterte vor einigen Jahren am Widerstand des Europäischen Parlaments.

Was müssen normale Autofahrer im Hinblick auf die Riesenlaster beachten? Die Überlänge der Lastwagen kann Pkw-Fahrern das Überholen erschweren – was mitunter mit Sicherheitsrisiken einhergeht. Auch in Kreisverkehren und an engen Kreuzungen sollten Autofahrer aufpassen, wenn ihnen ein Lang-Lkw begegnet. Die Riesenlaster selbst unterliegen besonderen Sicherheitsvorschriften: Sie dürfen etwa auf Autobahnen nicht überholen. Auf anderen Strecken dürfen sie nur Fahrzeuge überholen, die nicht mehr als 25 Kilometer pro Stunden fahren können oder dürfen.

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