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Direktinvestments: Nichts für ängstliche Gemüter

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Von: Wolfgang Mulke

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Viele Projekte winken mit hohen Renditeversprechen
Viele Projekte winken mit hohen Renditen © Moritz Wienert

Wer wissen möchte, wofür das Ersparte verwendet wird, kann sein Geld direkt in Projekte von Imkern, Biobäckern oder Solarspezialisten investieren. Doch dafür braucht es eine Portion Mut.

Warum nicht einmal mit Honig Geld verdienen oder mit Biokäse? Dafür muss niemand selbst Hand anlegen und ein neues Metier erlernen. Ein Umweg über Unternehmensfinanzierungen macht es möglich. So bietet die Imkergenossenschaft Summstoff aus Nordrhein-Westfalen zum Beispiel sogenannte Genussrechte an. Ab einem Betrag von 1000 Euro können Anleger:innen von der Arbeit fleißiger Bienen mit einer Rendite von bis zu vier Prozent profitieren. Überdies sind Honigpakete oder gar eine nach dem Anleger benannte Blumenwiese im Paket enthalten. Die Werbung verspricht ein ökologisches, faires und regionales Investment.

Ob Solarpark, Biobäcker, Lastenrad-Produktion oder sogar Cannabisplantage – im Internet werden viele Direktinvestments in einzelne Projekte angeboten. Meist sammeln die Firmen über sogenannte Crowdfunding-Plattformen das Geld der Anleger:innen ein. Schon ab 100 Euro können Sparer:innen je nach Vorhaben dabei sein.

Oft sind es vergleichsweise kleine Summen, die von den Unternehmen von vielen Kleinanleger:innen eingeworben werden, um ihre Aktivitäten zu finanzieren. Manchmal ist eine Naturalrendite wie der von den Imkern vermarktete Honig als Teil der Verzinsung enthalten, mal versprechen die Anbieter eine außergewöhnlich hohe Verzinsung des Engagements. Sieben bis acht Prozent Zinsen pro Jahr werden nicht selten angepriesen. Auf jeden Fall werden die einzelnen Projekte Anleger:innen stets in warmen Farben geschildert und so schmackhaft gemacht.

Ein Totalverlust ist möglich

Die tollen Ideen für eine bessere Welt haben in der Regel einen Haken: Das eingesetzte Kapital kann vollständig verloren gehen, wenn die Kalkulation der Unternehmen nicht aufgeht. Oft werden die Investments als Nachrangdarlehen angeboten. Der Name legt die Bedeutung schon nahe. Geht das Projekt schief, werden diese Anleger:innen als letzte bedient, wenn dafür noch etwas übrig ist. Auch Genussrechte sind hochriskant und bei einer Pleite ist das Geld in der Regel weg. Blindes Vertrauen in schöne Bilder und Worte ist daher nicht angezeigt.

Als warnendes Beispiel dient die bisher größte Pleite, die der Windanlagenbauer Prokon 2014 hinlegte. 1,4 Milliarden Euro konnte das Management bei Tausenden Anleger:innen einsammeln. Ein großer Teil des Investments ging verloren.

Eine gute Information ist ein erster Schritt, wenn ein Projekt attraktiv erscheint. So müssen die Anbieter ein Vermögensanlagen-Informationsblatt veröffentlichen. Darin findet sich meist ein wichtiger Hinweis: „Der Erwerb dieser Vermögensanlagen ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen. Der in Aussicht gestellte Ertrag ist nicht gewährleistet und kann niedriger ausfallen.“ Darin enthalten ist außerdem die Art der Finanzierung, also etwa als Darlehen oder indirekte Beteiligung.

Eine weitere Informationsquelle ist der Bundesanzeiger. Kapitalgesellschaften wie eine GmbH müssen dort spätestens sechs Monate nach Abschluss eines Geschäftsjahres ihre Bilanz veröffentlichen. Kommt ein Unternehmen der Pflicht nicht pünktlich nach, weckt dies Zweifel an der Zuverlässigkeit.

Tricksereien beim Renditeversprechen

Über Suchmaschinen lässt sich herausfinden, ob es negative Nachrichten über das Unternehmen gibt. Angeraten ist auch ein Blick auf die Warnliste zum Grauen Kapitalmarkt der Stiftung Warentest unter der Webadresse www.test.de/warnliste. Dort sind einige unseriöse Anbieter aufgeführt.

Vor allzu großer Euphorien angesichts mitunter hoher Zinsversprechen sei ebenfalls gewarnt. Allerdings erscheinen die meisten Versprechen, die sich zwischen vier und sieben Prozent bewegen, noch akzeptabel. Misstrauen ist angezeigt, wenn deutlich darüber hinausgehende Zusagen gemacht werden. Manche Anbieter bedienen sich hier auch eines Tricks, um eine höhere Rendite vorzugaukeln als tatsächlich geplant ist. So wird die Verzinsung gerne einmal über die Laufzeit des Darlehens aufsummiert. Läuft es fünf Jahre lang mit einer Rendite von zwei Prozent wird in der Werbung gelegentlich von einer Traumverzinsung von zehn Prozent geredet.

Erscheint alles in Ordnung, raten die Fachleute der Stiftung Warentest dennoch zur Vorsicht: „Investieren Sie nur so viel, wie Sie als Totalausfall verkraften können“, mahnen sie.

Doch wie finden sich gute Angebote für ein Crowdinvestment? Es gibt im Internet eine Reihe von Plattformen, die derlei Investments vermitteln. Rund 120 solcher Plattformen verzeichnet der Fachdienst www.crowdfunding.de. Die Plattformen informieren und werben für die Angebote. Anleger:innen überweisen ihr Geld, zwischen 50 Euro und maximal 25 000 Euro an das Unternehmen, in das sie investieren wollen. Die Geschäftsbeziehung besteht also nicht zur Plattform, sondern zum Projekt selbst.

Viele Plattformen für Crowdinvestments

Plattformen gibt es für viele Bereiche. Manche sammeln nur Spenden für einzelne Vorhaben wie die Produktion einer CD durch eine unbekannte Band. Andere sind auf Immobilien spezialisiert und vermitteln Investments in Bürogebäude oder Wohnparks. Einige Vermittler haben sich auf ethisch-ökologische Geldanlagen spezialisiert. Dazu gehört zum Beispiel die Plattform Bettervest. „Ihr Geld kann die Welt verändern“, heißt es da. Durchschnittlich sieben Prozent Rendite wurden nach eigenen Angaben bislang erzielt. Gesammelt wird zum Beispiel für ressourcenschonende Kochherde für Afrika oder Biomasse-Briketts für Kenia.

Auch die Plattform Econeers ist auf ökologische Anlagen spezialisiert. Gesucht werden beispielsweise Anleger:innen für die Produktion von Lastenrädern oder einen Hersteller von „Ocean Food“ aus Pflanzen. Auf der Plattform Greenvesting wiederum finden sich Angebote zu erneuerbaren Energien, etwa einer Firma zum Aufbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos.

Eine weitere Möglichkeit bietet die ethische-ökologische GLS-Bank. Das Institut hat einen Crowdableger gegründet, um innovative und nachhaltige Projekte voranzubringen. Zwischen 250 Euro und 25 000 Euro können Anleger:innen hier investieren. Das ist für alle interessant, die auf saubere Investments wert legen. Die Bank legt strenge Kriterien hinsichtlich der Nachhaltigkeit an. Auch die katholische Pax-Bank sammelt für Projekte, die ihren vom christlichen Weltbild geprägten Geschäft entsprechen. Allerdings handelt es sich hier um eine Spendenplattform. Für renditeorientierte Sparer:innen ist das eher uninteressant.

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