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Ölfeld in Baschkirien; auch Russland zog bei der vor einem Jahr beschlossenen Drosselung der Ölförderung mit.

Ölpreis

Das Dilemma der Opec

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Das Ölkartell will eine Verlängerung der Förderkürzung beschließen. Das soll den Preis für den wichtigsten Rohstoff der Welt stabilisieren. Doch über den bestimmen auch Spekulanten.

Das Ergebnis der Zusammenkunft ist absehbar wie selten. Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) wird auf ihrer Halbjahrestagung am Donnerstag in Wien die Kürzung der Fördermenge um weitere neun Monate bis Ende 2018 verlängern. Mit im Boot sitzen Russland und neun weitere Förderländer, die nicht Mitglieder der Opec sind, sich der Mengendrosselung aber angeschlossen haben, um den Ölpreisverfall der vergangenen Jahre zu stoppen. 

Auf den ersten Blick scheint die Verknappung des Angebots ihr Ziel erreicht zu haben: Der Rohölpreis, der in den zurückliegenden drei Jahren zeitweise deutlich unter 40 US-Dollar pro Fass gesunken war, zog spürbar an. Am Mittwoch notierte die Nordseesorte Brent bei 63 Dollar pro Fass, die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) lag bei knapp 58 Dollar. 

Als Erfolg dürfte die Opec auch verbuchen, dass die 13 Mitglieder und zehn assoziierten Partnerländer – anders als bei früheren Gelegenheiten – diesmal tatsächlich die vereinbarten Beschlüsse umgesetzt haben. Die Vorgabe, im ersten Halbjahr 2017 täglich 1,2 Millionen Fass (159 Liter) Rohöl weniger zu fördern und damit ein Tageslimit von 32,5 Millionen Fass einzuhalten, wurde von den Opec-Staaten mit ungewohnter Disziplin befolgt. Auch zehn Nicht-Opec-Länder zogen mit und verringerten ihre Produktion vereinbarungsgemäß um 600 000 Fass, wovon etwa die Hälfte allein auf Russland entfällt.

Mehr Öl aus den USA

Weniger Angebot gleich steigende Preise: Die Rechnung schien aufgegangen zu sein, eine Verlängerung des Erfolgsmodells mithin logisch. Doch der Schein trügt, wie jüngste Ereignisse in Nordamerika nahelegen. Als vor knapp zwei Wochen die Keystone-Pipeline, durch die normalerweise täglich 600.000 Fass Öl von Kanada in die USA fließen, wegen eines Lecks für zehn Tage gesperrt wurde, hätte dies eigentlich zu einem spürbaren Abbau der US-Ölreserven führen müssen. Nach Angaben des American Petroleum Instituts (API) trat aber das genaue Gegenteil ein: Die US-Reserven legten während der Pipeline-Schließung um 1,8 Millionen Barrel zu.

Ursache ist die massive Ausweitung der Schieferölgewinnung in den USA. Seit die Preise die 40-Dollar-Talsohle verlassen haben, legte die Förderung deutlich zu. Mit 9,7 Millionen Fass werden die Vereinigten Staaten 2017 beinahe die Jahresmenge Saudi-Arabiens erreichen. Nach Angaben der Erdölservicegesellschaft Baker Hughes nahm die Zahl der betriebenen Förderanlagen in den USA allein in der vorvergangenen Woche um sieben auf 747 zu. Die Internationale Energieagentur IEA prognostiziert, das 80 Prozent des zusätzlich auf dem Weltmarkt angebotenen Öls bis 2025 aus den USA kommen werden.

Diese Zahlen verdeutlichen das Dilemma der Opec: Steigt der Ölpreis über 50 Dollar pro Fass, wird die Schieferölförderung rentabel, entsprechend steigen die Mengen, was den Preis wieder nach unten drückt. Dass derzeit für das Fass Brent mehr gezahlt wird als in den vergangenen beiden Jahren, hat nach Ansicht des Ölmarktexperten Eugen Weinberg wenig bis nichts mit den Förderbeschlüssen der Opec zu tun. „Tatsächlich zeigt die verlängerte Förderdrosselung, dass sie nicht wirkt, wie von der Opec gewünscht“, sagt Weinberg, der die Rohstoffabteilung bei der Commerzbank leitet. 

Noch vor wenigen Monaten habe der Fasspreis schließlich trotz der Verknappung bei 45 Dollar gelegen. Der jüngste Anstieg gehe vor allem auf das Konto von Spekulanten, die auf die instabile politische Lage in Saudi-Arabien und in der gesamten Region setzten.

Clans in den Machtkampf involviert

Die Säuberungsaktionen des Kronprinzen Mohammed bin Salman sowie dessen Anspruch, dem regierenden König Salman auf dem Thron nachzufolgen, markiert laut Weinberg eine Zäsur für das bisherige Machtgefüge im Land, das faktisch von 40 schwerreichen Familien beherrscht wird. Mit der Begründung, die Korruption zu bekämpfen, hat der 32-Jährige jüngst Hunderte potenzieller Konkurrenten, darunter zahlreiche verwandtschaftlich verbandelte Prinzen, ihrer Ämter enthoben oder sogar verhaften lassen. 

Am Mittwoch wurde ein Mitglied der Königsfamilie, Prinz Miteb bin Abdullah, zwar wieder auf freien Fuß gesetzt – allerdings gegen eine Kaution von umgerechnet über eine Milliarde US-Dollar. Der Vorgang verdeutlicht, dass schwerreiche und entsprechend machtvolle Clans in den Machtkampf involviert sind. Es ist nicht auszuschließen, dass die enormen innenpolitischen Spannungen in einen Bürgerkrieg münden oder zumindest die Handlungsfähigkeit des erdölreichen Staates stark beeinträchtigen. Genau auf dieser Spekulation gründet laut Weinberg der jüngste Preisanstieg. 

Eine nochmals verlängerte Drosselung, wie sie die Opec nun beschließen wird, wird nach Einschätzung des Rohstoffanalysten wirkungslos bleiben. In nicht ferner Zukunft könnte zudem Russland wieder eine Kehrtwende vollziehen: Nach einer aktuellen Lagebeurteilung des russischen Wirtschaftsministeriums schadet die gedrosselte Förderung der russischen Wirtschaft insgesamt.

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