China

Der digitale Yuan

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China führt eine eigene Digitalwährung ein. Das Projekt ist eine Reaktion auf das Libra-System von Facebook.

Die chinesische Regierung lehnt Krypto-Geld wie Bitcoin ab – und führt zugleich eine offizielle Digitalwährung ein. Aus offizieller Sicht gibt es hier keinen Widerspruch: Die neue Währung ist von Zentralbank programmiert und kontrolliert. „Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, wir sind startbereit“, sagte Mu Changchun, ein hochrangiger Beamter der Notenbank, auf einer Konferenz in Shanghai. Damit befindet sich China auf bestem Wege, „das erste größere Land zu sein, dem die Einführung einer staatlichen Digitalwährung gelingt“, schreiben Experten der Krypto-Börse Binance in einem aktuellen Forschungspapier. „Es handelt sich jedoch nicht um Konkurrenz für existierende Kryptowährungen wie Bitcoin oder Monero.“

Chinas offizielle Digitalwährung ist im Wesentlichen eine hochgradig digitalisierte Version des herkömmlichen Geldes. Ein „Upgrade der umlaufenden Geldmenge“ sieht Binance in dem Projekt. Von einer chinesische Version von Bitcoin lässt sich jedoch schon deshalb nicht sprechen, weil Chinas staatliche Banken den Daumen auf dem virtuellen Yuan halten werden.

Die Idee hinter Krypto-Währungen war ursprünglich anarchisch: Sie wollten die Macht des Staates untergraben. Bitcoin ist daher unabhängig von Zentralbanken, Großunternehmen und dem ganzen Apparat rund um das Normalgeld. Der chinesische Staat empfindet solche Digitalwährungen als Bedrohung: Ein Pfeiler der Macht für die allein herrschende Kommunistische Partei ist schließlich die Kontrolle von Geld und Wirtschaft. Die China-Coins sind deshalb weder unabhängig noch dezentral, im Gegenteil: Sie sind ein neues Überwachungsinstrument.

Das neue Projekt ist eine Reaktion auf Libra, eine Schöpfung des Facebook-Konzerns, die das Bezahlen im Netz und das Verschieben von Geld rund um den Globus erleichtern soll. Hinter der Einführung von Libra stecken bereits ganz andere Motive als hinter Bitcoin. Hier geht es vor allem um die Profitinteressen von Großkonzernen. Für China ein besonderes Alarmzeichen: Der Yuan wird den bisher veröffentlichten Facebook-Plänen kein Teil des Libra-Systems sein, weil er nicht international handelbar ist.

Die Ausgabe der chinesischen Zentralbank-Digitalwährung soll nun wie die des normalen Geldes über die Geschäftsbanken erfolgen, sagt Mu. Die neue Währung sei jederzeit gegen den Yuan eintauschbar. Sie verfolge einen doppelten Ansatz: zum Teil beruhe sie auf Blockchain-Technik, zum Teil auf herkömmlichen Verrechnungsverfahren. In einem Feldversuch habe sich gezeigt, dass die Blockchain nicht schnell genug sei, um die Transaktionen vieler Nutzer gleichzeitig korrekt abzubilden.

Der digitale Yuan ließe sich damit bestens für mobiles Bezahlen, für unkomplizierte Kreditvergabe oder für den Bau automatisierter Finanzprodukte verwenden. Doch alle Beschränkungen des alten Yuan bleiben erhalten: Überweisungen über die Landesgrenze hinaus bleiben genehmigungspflichtig, und der Staat kann selbst im Inland jeden Geldfluss nachvollziehen. Ein wichtiges Ziel laut Zentralbank ist es denn auch, den Kampf gegen „Geldwäsche und Terrorismus“ zu stärken. Als Terroristen gelten in China wohlgemerkt alle unzufriedenen Staatsbürger, die aufmucken wollen. Aus Sicht der Nutzer herrscht zwar eine gewisse Anonymität, doch der Staat kann weiterhin überall hineinschauen. 

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