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Um an  verborgene digitalen Daten heranzukommen, können sich Erben an Dienstleister wenden, die sich darauf spezialisiert haben, den digitalen Nachlass zu sortieren.
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Um an verborgene digitalen Daten heranzukommen, können sich Erben an Dienstleister wenden, die sich darauf spezialisiert haben, den digitalen Nachlass zu sortieren.

Daten im Internet

Digitale Spurensuche

  • VonSebastian Wolff
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Viele Verstorbene hinterlassen Unmengen von Daten im Internet. Mit dem Tod laufen im Internet abgeschlossene Verträge erst einmal weiter – etwa Kreditgeschäfte, Bestellungen bei einem Online-Händler, Urlaubsreise-Buchungen oder Internet-Versteigerungen: Die Verträge gehen mit dem Tod des Nutzers auf die Erben über.

Viele Verstorbene hinterlassen Unmengen von Daten im Internet. Mit dem Tod laufen im Internet abgeschlossene Verträge erst einmal weiter – etwa Kreditgeschäfte, Bestellungen bei einem Online-Händler, Urlaubsreise-Buchungen oder Internet-Versteigerungen: Die Verträge gehen mit dem Tod des Nutzers auf die Erben über.

Wenn früher ein Mensch verstarb, dann entdeckten die Erben oft irgendwann in einer Schreibtischschublade geheime Briefe, geschäftlicher oder privater Natur, die so manche Überraschung zutage förderten.

Heute finden Erben solche brisante Korrespondenz immer seltener. Denn viele Menschen tauschen sich fast nur noch in elektronischer Form schriftlich aus. So nutzen nach Recherchen der von der Stiftung Warentest herausgegebenen Zeitschrift Finanztest drei Viertel der Menschen in Deutschland das Internet. Neun von zehn Internetnutzern kaufen online ein und mehr als die Hälfte von ihnen hat ein Profil bei einem sozialen Netzwerk.

Doch was der Verstorbene auf seiner Computer-Festplatte, auf E-Mail-Konten, bei Facebook, Amazon, Ebay oder seiner Online-Bank hinterlassen hat, bleibt für die Erben meist im Verborgenen. Oft wissen sie gar nicht von der Existenz der Konten, denn viele Nutzer haben gleich mehrere davon und verwenden sie für unterschiedliche Zwecke. Und wenn die Erben doch davon wissen, fehlen ihnen häufig die Passwörter, um Zugang zu erlangen.

Dabei können diese Informationen von eminenter Bedeutung für die Angehörigen sein. Denn mit dem Tod laufen im Internet abgeschlossene Verträge erst einmal weiter – etwa Kreditgeschäfte, Bestellungen bei einem Online-Händler, Urlaubsreise-Buchungen oder Internet-Versteigerungen: Die Verträge gehen mit dem Tod des Nutzers auf die Erben über. Der Erbe muss also einen vom Verstorbenen versteigerten Schrank versenden, bestellte Ware bezahlen oder versuchen, eine gebuchte Urlaubsreise zu stornieren. Doch das kann er logischerweise nur tun, wenn er überhaupt davon erfährt.

Digitale Nachlass-Sortierer

Um doch noch an die verborgenen digitalen Daten heranzukommen, können sich Erben an Dienstleister wenden, die sich darauf spezialisiert haben, den digitalen Nachlass zu sortieren. Ein solches Unternehmen ist Semno aus Freiburg im Breisgau: „Ab einem Grundpreis von 139 Euro untersuchen und analysieren wir Computerfestplatten und ermitteln alle darin verfügbaren Daten“, sagt Birgit Aurelia Janetzky im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Häufig befänden sich auf der Computer-Festplatte irgendwo auch Kennwörter und Zugangsdaten für E-Mail-Konten, Internet-Versandhändler, Bankkonten und soziale Netzwerke, erläutert Janetzky. Interessenten müssen dem Unternehmen die Festplatte des Verstorbenen schicken und eine Sterbeurkunde einreichen, damit Semno aktiv werden kann.

Doch selbst wenn dies zum Erfolg führt und die Aktivitäten des Verstorbenen im Netz mit den entsprechenden Zugangsdaten ermittelt sind, stellt sich für die Angehörigen eine weitere Schwierigkeit. Nach geltendem Recht ist nämlich unklar, ob Erben den Anspruch haben, E-Mails und Konten des Verstorbenen im Internet einzusehen. So sind Juristen der Ansicht, dass Anbieter den Zugang unter Hinweis auf das Telekommunikationsgeheimnis verweigern können. Denn dadurch sei auch derjenige geschützt, mit dem der Verstorbene kommuniziert hat.

Keine klaren Regelungen

Da es an einer klaren rechtlichen Regelung fehlt, ist es kein Wunder, dass die Anbieter von Internet-E-Mail-Diensten das Problem ganz unterschiedlich handhaben. Das geht aus einer Umfrage hervor, die Finanztest durchgeführt hat. Demnach löscht zum Beispiel der E-Mail-Dienst Yahoo alle Daten, also das Nutzerkonto und die Nutzerkennung und damit auch alle Inhalte wie E-Mails und Bilder, wenn ihm ein offizieller Nachweis über das Ableben wie zum Beispiel eine Sterbeurkunde zugeht.

Anders geht zum Beispiel Web.de vor. Dort darf der Erbe selbst auf das elektronische Postfach des Verstorbenen zugreifen, allerdings nur unter strengen Voraussetzungen: Er muss den Erbschein vorlegen und den Zugriff auf das elektronische Postfach schriftlich beantragen. Der Zugang zum Postfach wird dem Erben dabei nur einmalig gewährt.

Juristen sind über diese unterschiedliche Handhabe empört: „Es kann doch nicht vom Anbieter abhängig sein, ob der Erbe die E-Mails sichten darf oder nicht“, moniert Rechtsanwalt Peter Bräutigam. Der Gesetzgeber sei gefordert, klare Linien vorzugeben.

Über die Geschäftsbeziehungen des Verstorbenen hinaus, die dringend geregelt werden müssen, stellt sich für die Angehörigen aber die grundsätzliche Frage, ob und wenn ja, in welcher Form der Tote im Netz weiter existieren soll. So haben zum Beispiel viele Erben den Wunsch, im Internet eine Art Gedenkstätte für den Verstorbenen zu errichten. Dies ermöglicht etwa das soziale Netzwerk Facebook: Dort kann die Profilseite eines verstorbenen Nutzers in einen Gedenkzustand versetzt werden.

Insgesamt ist es für die Erben oft eine langwierige Aufgabe, die Aktivitäten des Verstorbenen im Netz zu sichten. Wer seinen Angehörigen die Arbeit erleichtern will, regelt den digitalen Nachlass deshalb am besten in einem Testament und hinterlegt die Zugangsdaten beim Notar.

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