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In Deutschland gibt es mehr als 8000 Genossenschaften.

Arbeit

Digitale Genossen

Die Raiffeisen-Idee ist noch immer aktuell. In einer komplexen, internationalen Welt können Genossenschaften Heimatgeber sein. Ein Gastbeitrag.

Über 22 Millionen Menschen sind Mitglied einer der mehr als 8000 Genossenschaften in Deutschland – das ist beinahe jeder Vierte. Ich selbst gehöre dazu. Genossenschaften sind Sympathieträger: Hier steht Zusammenhalt statt Profit an erster Stelle. „Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele“, sagte Friedrich Wilhelm Raiffeisen, einer der Gründerväter der Genossenschaftsbewegung, der vor 200 Jahren geboren wurde.

Genossenschaftliche Werte sind aber nichts Museales. Sie werden im Hier und Jetzt gelebt. Ja, sie erleben sogar einen Aufschwung. Nachhaltiges Wirtschaften wird nachgefragt. Auch der Wunsch nach Regionalität hat eine Renaissance erfahren. Die Suche nach Verankerung und Identität gibt Menschen Halt in einer komplexer empfundenen, stärker international ausgerichteten Welt. Genossenschaften können dabei Heimatgeber sein.

Ich glaube nicht an die Allheilkraft der Märkte. Gemeinsam schaffen wir oft mehr, als wenn alle für sich allein wirtschaften. Regionale, kleinere, nicht rein auf Profit zielende Einheiten können näher dran sein an den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen und können passgenauer und nachhaltiger wirtschaften.

Eine frühe Form der Schwarmintelligenz

Genossenschaften bringen die Chance, in Zeiten des Umbruchs durch die Digitalisierung die Wirtschaft sozial zu gestalten und gemeinschaftlich zu handeln. Denn in der digitalen Welt finden sich viele klassische Gedanken von Genossenschaften wieder – Menschen zu vernetzen, Ideen zu finden und Bedürfnisse zu erkennen. Die genossenschaftliche Rechtsform ist im Grunde eine frühe Form der Schwarmintelligenz und des Crowdfunding.

Zusammenhalt statt Spaltung in der digitalen Welt – das ist die Aufgabe, vor der Genossenschaften stehen. Doch auch die Politik muss ihre Hausaufgaben machen. Genossenschaften können zur Rechtsform der Zukunft werden. Wir müssen daher die genossenschaftliche Rechtsform mitdenken, wenn wir gesetzlich handeln – und das nicht nur beim jüngst reformierten Genossenschaftsgesetz.

Wenn wir das gemeinschaftliche Wirtschaften fördern wollen, müssen wir in Zusammenarbeit mit den Genossenschaften vor Ort und ihren Verbänden handeln. Dann können auch die Digitalgenossen zum Erfolg werden – und Friedrich Wilhelm Raiffeisen mit seinem Gedanken zum Sozialreformer auch im 21. Jahrhundert.

Die Autorin ist Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz.

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