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Digitale Fahrkarte für alle Städte

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Von: Tim Szent-Ivanyi

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Ein Fahrschein für alle Verkehrsmittel soll genügen.
Ein Fahrschein für alle Verkehrsmittel soll genügen. © Andreas Arnold

Alexander Dobrindt treibt Pläne für Vernetzung voran. Fahrgastinformationen will der Verkehrsminister deutschlandweit verknüpfen.

In Berlin mit dem Bus zum Bahnhof, dann mit dem ICE nach Hamburg und dort mit der U-Bahn zum Ziel – und das alles mit einem einzigen Fahrschein auf einer Chipkarte oder dem Smartphone. An der Umsetzung dieser Vision wird in Deutschland weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit bereits seit mehreren Jahren gearbeitet.

Schon im Jahr 2008 hatte das Bundesverkehrsministerium begonnen, Projekte zur Vernetzung des öffentlichen Personenverkehrs und zur Einführung eines deutschlandweiten E-Tickets zu fördern. Dieser einheitliche elektronische Fahrschein existiert zwar mittlerweile, doch weiterhin gibt es nur regionale Lösungen. Bis 2019/2020 soll es aber möglich sein, das E-Ticket überregional zu nutzen. Zur Förderung stellte der Bund jetzt erneut Beträge in Millionenhöhe zur Verfügung.

„Wir müssen die Digitalisierung und die Vernetzung im öffentlichen Personenverkehr voranbringen“, betonte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Freitag in Berlin. „Dazu brauchen wir deutschlandweit nutzbare Mobilitätsplattformen, die überregional und länderübergreifend Fahrgastinformationen verknüpfen und die Buchung von E-Tickets ermöglichen“, so der CSU-Politiker aus Anlass des Starts von zwölf sogenannten Verbundprojekten. Sie werden bis Herbst 2018 durch die Bundesregierung mit insgesamt 16 Millionen Euro unterstützt. Dabei geht es unter darum, die regionalen Preissysteme so anzupassen und zu verbinden, dass das einheitliche E-Ticket überall genutzt werden kann. Damit sollen die öffentlichen Verkehrsmittel attraktiver werden.

Vertreter von Bund, Ländern, Kommunen, Verkehrsunternehmen und -verbünden sowie der Industrie hatten sich im vergangenen Sommer auf einen Fahrplan zur digitalen Vernetzung im öffentlichen Personenverkehr geeinigt. Zuvor waren bereits einheitliche technische Standards für das „eTicket Deutschland“ entwickelt worden. Laut Bundesverkehrsministerium haben mittlerweile 370 Verkehrsunternehmen zugesagt, sich an diesem Projekt zu beteiligen. Bis heute seien bereits 14 Millionen Chipkarten auf der Grundlage des gemeinsamen Standards an die Kunden ausgegeben worden.

Nach Angaben des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) ist es derzeit in 239 der insgesamt 402 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland möglich, ein E-Ticket mit einer Chipkarte beziehungsweise einem Mobiltelefon zu nutzen. Dies entspricht einem Anteil von rund 60 Prozent. Legt man die dort ansässige Wohnbevölkerung zugrunde, ergibt sich den Angaben zufolge sogar ein Anteil von immerhin 72 Prozent. Nach wie vor werden allerdings in der Mehrheit Papierfahrscheine genutzt.

„Mit den Förderprojekten bringen wir die digitale Vernetzung im Öffentlichen Personenverkehr voran und vereinfachen Mobilität in Deutschland“, so Dobrindt. Die SPD begrüßte das Vorgehen grundsätzlich. Man müsse allerdings darauf achten, dass die Unternehmen bei einem einheitlichen E-Ticket nicht ihre regionale Bindung zu ihren Kunden verlieren, erklärte der Verkehrsexperte der sozialdemokratischen Bundesfraktion, Sören Bartol. Er forderte zudem, das Angebot nicht nur auf Busse oder Bahnen zu beschränken. „Wir brauchen eine digitale Fahrkarte, die auch die Nutzung von Carsharing-Fahrzeugen und Leihfahrrädern umfasst“, sagte der SPD-Fraktionsvize.

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