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Ein Mädchen lässt sich bei einem Aktionstag die Steuerung eines Roboters erklären. Der Bedarf an IT-Nachwuchs ist riesig. 

Künstliche Intelligenz

Die digitale Aufholjagd beginnt

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Die Europäische Union sucht Anschluss an USA und China und wagt sich dafür an die Quadratur des Kreises: innovative Anwendungen entwickeln, ohne den Schutz persönlicher Daten zu diskreditieren.

Staus zur Rushhour gibt es nicht mehr. Es geht im zügigen Tempo zum Arbeitsplatz und wieder zurück. Ampeln sind auch nicht mehr zu sehen. Der Verkehr wird wie von Zauberhand gelenkt. Das ist so eine Vision, die sich mit der Digitalisierung verbindet, mit der sogenannten künstlichen Intelligenz (KI), mit Big Data und dem Internet der Dinge. Die EU-Kommission will die Sache jetzt in die Hand nehmen. Am Mittwoch wurde – in drei Papiere verpackt – die Strategie vorgestellt. Was da zu lesen ist, klingt ambitioniert – soll es auch sein. Schließlich hat Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen das Digitale zu einem ihrer Hauptthemen erkoren. Und es geht dabei um die äußerst anspruchsvolle Aufgabe, avancierte Anwendungen zu entwickeln, ohne den Schutz persönlicher Daten zu diskreditieren.

Die Kommission hat sich zum Ziel gesetzt, Europa in der Welt der Bits und Bytes ganz nach vorne zu bringen. Das bedeutet vor allem, den Vorsprung, den sich die großen Technologie-Konzerne in den USA (Facebook, Apple, Amazon, Google, Microsoft) sowie in China (Huawei, Tencent und viele andere) erarbeitet haben, aufzuholen. So soll nicht nur die Zahl der Unternehmen in der EU, die KI nutzen, bis 2025 verdreifacht werden. Sie sollen am besten auch Programme einsetzen, die von europäischen Softwareschmieden entwickelt wurden. Damit die Programme auch geschrieben werden können, will die Kommission sich für mehr IT-Fachleute ins Zeug legen und den Mangel an Fachkräften in fünf Jahren halbieren. Derzeit fehlt es an etwa einer Million Experten.

Und damit den Spezialisten auch ausreichend digitalisierte Informationen zur Verfügung stehen, plant der französische Industriekommissar Thierry Breton, Ex-Chef des IT-Konzerns Atos, „Datenräume“ einzurichten, wo Unternehmen, Kommunen, Behörden und Wissenschaftler digital beherzt zugreifen können. Die Sektoren Finanzen, Gesundheit und Verkehr werden explizit als besonders wichtig genannt. Anonymisierte Daten von Kranken können genutzt werden, um Ärzten bei Diagnosen zu helfen. Mit schlauen Algorithmen können Ermittler Steuerhinterziehern und organisierter Kriminalität auf die Spur kommen.

Gefahr des Missbrauchs

Oder die Verkehrslenkung: Die Positionsdaten von Pkw werden in Echtzeit analysiert, um mögliche Staus zu antizipieren und die Autofahrer per Navi umzudirigieren. Wenn die Autos dann auch noch untereinander kommunizieren, werden sie die Vorfahrt automatisiert aushandeln – Ampeln werden überflüssig.

KI kann so etwas – theoretisch. Doch es birgt auch immense Missbrauchsgefahren. Deshalb will die Kommission ein Regelwerk für den Einsatz von KI entwickeln. Besonders in kritischen Anwendungen wie dem Verkehr sollen die Systeme transparent und nachvollziehbar sein und letztlich menschlicher Kontrolle unterstehen, heißt es in dem KI-Weißbuch, das am Mittwoch vorgestellt wurde. Datenschützer und Bürgerrechtler warnen schon länger: KI-Software birgt die Gefahr zu einer Art Black Box zu werden, die autonom agiert und entscheidet.

Zu den schon längst eingesetzten Anwendungen zählt die Gesichtserkennung. Die chinesische Regierung setzt sie zur Überwachung der Bevölkerung ein. Gesichtserkennung dürfte künftig in der EU eines der extrem kontroversen Themen werden. Alexandra Geese, Europaabgeordnete der Grünen, hat am Mittwoch schon einmal gefordert, dass Gesichtserkennung im öffentlichen Raum verboten wird. Das sei mit einer freiheitlichen Gesellschaft nicht vereinbar.

Generell stecke bei KI der Teufel im Detail. Wo fangen Diskriminierung und der Missbrauch von Daten an? Es brauche Klagemöglichkeiten von Verbraucherschützern und „eine Umkehr der Beweislast, da einzelne Bürgerinnen und Bürger eine Diskriminierung nach derzeitigem Recht nicht nachweisen können“, sagte Geese dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Generell befürwortet die Abgeordnete aber die KI-Initiative. So eröffne sie mit niedrigem Sicherheitsrisiko „sofort die Chance, für Klimaschutz und Nachhaltigkeit in der industriellen Fertigung zum Einsatz zu kommen“.

Um all dies realisieren zu können, braucht es eine Infrastruktur, die gigantische Datenmengen verarbeitet. Industriekommissar Breton will deshalb erreichen, dass sich dafür europäische Betreiber von Clouddiensten zusammentun, um gegen die Riesen aus den USA bestehen zu können. Für dieses Vorhaben will die Kommission zwei Milliarden Euro bereitstellen.

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